Weg zum eigenen Tod

Seit 1970 erinnert die Tafel daran, dass Jan Hus im Oktober 1414 in Sulzbach-Rosenberg war und dabei auch in einem Wirtshaus, dem jetzigen Mona Lisa, nächtigte.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
15.05.2015
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Jan Hus war arglos, als er sich auf den Weg nach Konstanz machte. Dass er zu seiner eigenen Hinrichtung reiste, ahnte er nicht. In Sulzbach legte er eine Pause ein.

Vor 600 Jahren starb der böhmische Reformator Jan Hus. Er wurde am 6. Juli 1415 in Konstanz auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Der Weg, den er von Böhmen aus zum Kirchenkonzil genommen hatte, führte ihn auch durch Sulzbach-Rosenberg, wo er eine Nacht verbrachte. Und deshalb ziert heute eine Tafel die Fassade des heutigen Restaurants Mona Lisa.

Brief blieb erhalten

Dr. Adolf Rank ist Kirchenhistoriker. Er war 30 Jahre lang Ingenieur in der Maxhütte, ehe er mit 54 Jahren ein Theologie-Studium in Erlangen in Angriff nahm und auch promovierte. Jetzt ist er ehrenamtlich tätig für das evangelisch-lutherische Dekanat in Sulzbach-Rosenberg und für die Kirchengemeinde Christuskirche.

"Vor 600 Jahren waren die Nachrichten eher dürftig", erklärt Rank lachend. Doch erhalten geblieben ist ein Brief von Jan Hus, den er von Nürnberg aus an Freunde in Prag schrieb. Darin schildert er auch die Reise durch die Oberpfalz. "Er war definitiv in Sulzbach", erklärt Rank. Dies dürfte der 14. Oktober 1414 gewesen sein. Übernachtet hat er in einem Haus am Luitpoldplatz, direkt neben dem Rathaus. Darauf weist heute noch eine Tafel rechts des Toreingangs hin. Diese ließ Christoph Grünthaler im Jahre 1970 anbringen. Ihm gehörte zu dieser Zeit der "Gasthof zum Kronprinz", heute befindet sich dort das Ristorante Mona Lisa. Die Inschrift lautet: "Auf seiner Reise von Böhmen zum Konzil nach Konstanz fahrend, übernachtete der Reformator Jan Hus um den 16. Okt. 1414 hier in diesem Haus."

Eine sehr wichtige Figur

Rank findet, dass Jan Hus eine sehr wichtige Figur in der Geschichte war. "Man kann ihn als Vorläufer von Martin Luther ansehen", meint der Sulzbach-Rosenberger und erzählt eine Legende. Am Tag seiner Hinrichtung soll Hus gesagt haben: "Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Gans wird ein Schwan entstehen." Rank erklärt, dass der Name Hus im Tschechischen "Gans" bedeutet und man später dieser Ausspruch auf Martin Luther deutete, weshalb das Bildmotiv "Luther mit dem Schwan" oft benutzt wurde. Rank ist überzeugt, dass Hus und auch Luther zwar die Kirche reformieren wollten - "aber sie wollten keine Spaltung". Der Kirchenhistoriker war in Konstanz und besichtigte dort die Jan-Hus-Stätten, auch den Hussenstein, wo die Hinrichtung stattgefunden hat. Der große, graue Findling, 1862 aufgestellt, erinnert nicht nur an den als Ketzer verbrannten Hus, sondern auch an dessen Freund Hieronymus von Prag, der an gleicher Stelle zehn Monate später starb.

In ganz Böhmen wurde Hus als Rebell und Märtyrer verehrt - wie ein Nationalheld. Nachdem der Reformator als Ketzer verbrannt worden war, brachen große Unruhen aus, die in die Hussitenkriege mündeten. "Und davon waren auch die Oberpfälzer sehr stark berührt".
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