Welt-Flair durch den Tango

Ein volles Haus an zwei Abenden: Mit der Formation Quadro Nuevo hat die Kulturwerkstatt den Geschmack von Besuchern getroffen. Bild: hka
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
27.04.2015
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"Es darf Tango getanzt werden auf den freien Flächen". Dem wären viele gern nachgekommen, nur: Es gab keine freien Flächen, weder Freitag- noch Samstagabend. Quadro Nuevo war der Besuchermagnet der Saison. Bei drei Auftritten an zwei Tagen verzauberte das Quintett "Groß" mit argentinischen Rhythmen und "Klein" mit traditionellen Melodien für Kinder.

Sie kommen alle fünf aus der Gegend zwischen Rosenheim und München, ihr Herz aber schlägt für Argentinien, besser gesagt für den argentinischen Tango. Evelyn Huber (Harfe und Salterio), Mulo Francel (Saxofon und Klarinette), D.D. Lowka (Kontrabass und Percussion), Andreas Hinterseher (Bandonion und Akkordeon) und Chris Gall (Piano) nennen sich Quadro Nuevo und sind eine Formation, die nach über 3000 Auftritten weltweit gefragt ist und mit zahlreichen Musikpreisen wie dem "ECHO Jazz" geehrt wurde. In Sulzbach-Rosenberg waren sie schon öfter. Diesmal hatte Fred Tischler, Chef der Kulturwerkstatt, wohlweislich zwei Abende eingeplant, beide waren im Nu ausverkauft.

Was macht die Anziehungskraft dieser vier Männer und einer Frau auf der Bühne aus? Natürlich einmal ihr instrumentales Können, ihre "europäische Antwort auf argentinische Rhythmen", aber auch ihre Spielfreude, ihre Musik als pures sinnliches Vergnügen.

Melancholisch und wild

Sie waren in der "Hauptstadt des Tango", in Buenos Aires, Anfang 2014, um sich für ihr neues Album inspirieren zu lassen. "Tango erleben mit Haut und Haaren" wollten sie, nicht nur in Konzertsälen, sondern auch in Clubs und als Straßenmusikanten. Dabei haben die Fünf eine ganz eigene Sprache der Ton-Poesie entwickelt, die auch im Seidel-Saal die Zuhörer fast drei Stunden lang begeisterte.

Tangos aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, in Buenos Aires "ausgegraben", eigene Kompositionen wie "Buenos Aires Taxi Driver", Ohrwürmer wie "Fernando's Hideaway", die melancholische Melodie vom Puppenspieler, Kompositionen ihres verehrten Astor Piazolla, still Verträumtes und dann wieder wild Peitschendes - Melodienführung, Rhythmus, Wohlklang, alles fließt bei ihnen zusammen.

Keine Ermüdung

Andreas Hinterseher, der hingebungsvoll Bandoneon und Akkordeon spielt, die Harfenistin Evelyn Huber, die sphärische Klänge erzeugt, ihr Instrument aber auch "ohrfeigen" kann, D.D. (Didi) Lowka, der seinen Kontrabass auch für perkussive Einlagen nutzt, Mulo Francel, der mit seinen Saxofonen sehnsüchtig bis wild, leise bis laut interpretieren kann, und Chris Gall, der seit einiger Zeit Quadro Nuevo als Pianist ruhig oder temperamentvoll, immer aber virtuos begleitet.

Selbst bei seinem dritten Auftritt in zwei Tagen in der Herzogstadt zeigt das Quintett keinerlei Ermüdungserscheinungen. Die Musik klingt frisch und unverbraucht, die Spielfreude ist echt, stimmungsvolle Klanglandschaften werden von einem perfekt abgemischten Sound getragen. Die Tangos, mit virtuosen Improvisationen und Soli gemixt, dazu liebevolle und scheinbar naive Moderation, das ist genau die Mischung, die ankommt bei allen Konzerten, auch im Seidel-Saal.

Drei tolle Stunden

Drei Zugaben fordert das begeisterte Publikum, dann kann Andreas endlich das Bein wieder strecken, das fast drei Stunden lang dem Bandonion als Stütze diente, Max Tischler darf seinen wie immer perfekten Beleuchter-Job beenden, und sein Vater Fred dankt mit Blumen Evelyn Huber, dem "Blonden Engel" an der Konzertharfe. Die Erwartungen an diese beiden Abende waren hoch -, Quadro Nuevo hat sie erfüllt.
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