Wenn das Gehirn streikt

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
29.05.2015
5
0

Was ist besser für den Patienten, Demenz oder Parkinson? Am besten ist es, wenn man von beiden verschont wird, antwortet Dr. med. Klaus Gebel.

Ohne Medikamente dürfte keine Behandlung von Krankheiten erfolgreich verlaufen, schilderte der Sega-Vorsitzende Dr. Klaus Gebel in seinem Vortrag, den er mit "Pharmakotherapie-Keule - Fluch oder Segen" überschrieben hatte. Dabei betonte er, der von der Pflegedienstleiterin des Bavaria-Seniorenzentrums, Manuela Engelbrecht, begrüßt worden war, dass Nebenwirkungen nie ausgeschlossen werden können.

Schwere Schäden

Etwa 90 Prozent der Menschen mit Demenz über 65 Jahre sind von Alzheimer betroffen. Bekanntestes Symptom sei ein mit dem Alter zunehmender Gedächtnisverlust. Etwa zehn Prozent aller Betroffenen leiden, laut Gebel, zunächst an sogenannter vaskulärer Demenz, bei der wegen Durchblutungsstörung, mangelnder Blutversorgung oder Schädigung der Gefäße das Hirn schwere Schäden erlitten habe. Bei älteren Menschen würden auch Mischformen der vaskulären und neurodegenerativen Demenz auftreten, sagte der Referent. Unter sonstige Demenzen verstehe man zweitrangige oder sekundäre Demenzen. Dabei sei der geistige Verfall Folge einer anderen organischen Erkrankung, wie einer Hirnverletzung oder -geschwulst oder einer Herzkreislauf-Krankheit. Auch Arzneimittel, Alkohol oder andere Drogen können Demenz zur Folge haben. Psychopharmaka sind Substanzen, die bestimmte Stoffwechselvorgänge im Gehirn beeinflussen und so die psychische Verfassung des Patienten verändern. Dazu gehöre der Einsatz verschiedener Medikamente wie Antidepressiva und Antidementiva.

In vier Wochen

In der Öffentlichkeit und in verschiedenen Medien werde oft verbreitet, dass diese abhängig machten. Auch die Veröffentlichung über gefälschte Studien trügen zu diesem Vorurteil bei. Bei Benzodiazepinen und anderen Schlafmitteln treffe dies hingegen zu, da diese bereits nach vier Wochen zur Gewöhnung und zur Abhängigkeit führen können. Da aber stets Neben- und Wechselwirkungen auftreten können, sollte die Einnahmen von Psychopharmaka nur unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle erfolgen, riet Gebel.

Im Deutschen werde die Parkinson Krankheit, die oft mit Demenz verwechselt werde, auch als Schüttellähmung bezeichnet. Bewegungsarmut, Zittern in Ruhe. Muskelsteifheit und Gang- oder Gleichgewichtsstörungen fallen darunter. Zahlreiche Untersuchungen würden belegen, dass verschiedene Faktoren beim Entstehen zusammenspielen. Nach derzeitigem Kenntnisstand sei diese Krankheit aber nur in sehr wenigen Fällen erblich und nicht übertragbar. Da es keinen Labortest und kein Bildgebungsverfahren gäbe, um die klinische Diagnose von Parkinson zu sichern, sollte dies mit Hilfe eines Neurologen auf dem Gebiet der Bewegungsstörungen realisiert werden.

Mit der richtigen Dosierung

Ein hundertprozentiges Ergebnis sei nur durch eine Untersuchung des Gehirns nach dem Tod des Patienten möglich. Weder Demenz noch Parkinson seien, wenn sie festgestellt wurden, heilbar. Doch mit der richtigen Dosierung von Medikamenten wie Psychopharmaka sei eine Verbesserung der Lebensqualität möglich, resümierte der Mediziner.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7908)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.