Wenn der Abstand von neuen Windrädern zu Wohngebieten das Zehnfache ihrer Höhe - also 2000 Meter - sein soll, werden sich im Landkreis nur schwer Standorte finden. Das muss aber nicht der Todesstoß für den Ausbau der Windkraft hier sein, meint die CSU.
2000 Meter nicht das letzte Wort

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
03.12.2014
2
0
(bö) Über die gemeindliche Bauleitplanung könne man von der 10H-Abstandsregelung abweichen. "Das wird in der Praxis schwierig und aufwendig sein, ist aber durchführbar", äußerten die Bürgermeister Stefan Braun (Kastl), Markus Dollacker (Ensdorf) und Roland Strehl (Kümmersbruck) im CSU-Arbeitskreis Umweltsicherung und Landesentwicklung (AKU).

Überall Siedlungen

Der Umweltarbeitskreis diskutierte mit den Praktikern vor Ort. Hans Braun, AKU-Vorstandsmitglied und Architekt, meinte, die 10H-Regelung stärke die kommunale Selbstverwaltung, übertrage aber auch große Verantwortung. Nach den neuen Regeln (2000 Meter Abstand zu Misch- und Wohngebieten) dürften im Landkreis aufgrund der Siedlungsstrukturen nur wenige Genehmigungen für weitere Windkraftanlagen (WKA) zu erwarten sein.

Standorte mit geringerem Abstand können die Gemeinden laut Gesetz mit ihrer Planungshoheit über Flächen- und Bebauungspläne selbst festlegen. "Ob die Gemeinden Bauleitplanungen für WKA mit Abständen von weniger als 10H beschließen, bleibt ihnen überlassen", sagte Hans Braun.

Die Kommunalpolitiker betonten, dass die Gemeinden schon lange als "bürgernächste Ebene" mit Vorbildfunktion in der dezentralen Energiewende aktiv sind: von Planung, Errichtung und Nutzung erneuerbarer Energiequellen bis hin zum Energiesparen. Der AKU forderte, eine positive Energiewendekultur zu entwickeln. "Die Energiewende als gesamtgesellschaftliche Aufgabe mit vielfältigen Veränderungen benötigt weiterhin eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung und Akteure mit Durchsetzungskraft", sagte Arbeitskreisleiter Sebastian Schärl. Dazu sei es notwendig, die langfristigen Ziele (Klimaschutz), Hintergründe und Alternativlosigkeit der Energiewende zu kommunizieren.

Zwar seien Windräder ein neues Element in der Landschaft und sehr weit sichtbar. Wer aber den landschaftlichen Wandel allein in den WKA wahrnehme, übersehe die großen Eingriffe ins Landschaftsbild, die bereits vor Jahrzehnten passiert sind: Kohletagebau, Trockenlegung von Mooren, Begradigung von Flüssen, intensiv genutzte Kulturlandschaft, Autobahnbau, Errichtung von Brücken und Stromleitungen.

Nicht ohne neue Leitungen

Im AKU herrscht Schärl zufolge die Auffassung vor, dass die Energiewende nicht ohne neue Stromleitungen zu bewerkstelligen ist. Positiv bewerte der AKU, dass die Staatsregierung eine Prüfung der Trassen durchgesetzt habe. Der AKU favorisiere eine Konzentration auf das zentrale Infrastrukturprojekt der Energiewende, die Süd-Link-Trasse von Schleswig-Holstein nach Gundremmingen im schwäbischen Landkreis Günzburg. Sie sei in Fachkreisen unumstritten und könne entlang der Autobahn A 7 verlegt werden. Gundremmingen sei eine günstige Gelenkstelle im bayerischen und baden-württembergischen Stromnetz. Damit werde der Korridor von Sachsen-Anhalt nach Meitingen bei Augsburg überflüssig.
Weitere Beiträge zu den Themen: 12-2014 (6638)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.