Wenn der Retter draufzahlt

Kein echter Radler-Unfall, sondern eine gestellte Szene, die das Miteinander von Notarzt Dr. Christian Wolf und dem Helfer vor Ort Michael Schmid dokumentiert. Archivbilder: san (2)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
27.03.2015
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"Die haben uns knallhart kastriert." Dr. Christian Wolf drückt es drastisch aus. Dafür, dass der Hirschauer als Notarzt ausrückt, bekommt er unterm Strich künftig praktisch kein Geld mehr: Eine Folge der neuen Vergütung im Notarztdienst.

Reich geworden sei man damit vorher schon nicht, sagt Dr. Wolf. Er war trotzdem gerne als Notarzt unterwegs. Seit 15 Jahren. 300 bis 350 Mal im Jahr. Nachts, am Wochenende, an Feiertagen. Oder auch mal tagsüber. Dann mussten seine eigenen Patienten warten. Denn der Notfall-Dienst war das "Privatvergnügen" des Allgemeinarztes, der mit einem Kollegen in Schnaittenbach eine Gemeinschaftspraxis führt.

Retter "aus Enthusiasmus"

Warum tut man sich dazu noch einen solchen Nebenjob an? "Ich bin im Rettungsdienst groß geworden", lautet die Erklärung des 46-Jährigen: Schon mit 15 schloss er sich dem Roten Kreuz an, wurde Sanitäter. Seit 1998 ist er Notarzt. "Aus Enthusiasmus", unterstreicht er - weil er dabei Menschen helfen könne. So hat er seinen "Nebenjob" behalten, auch, als er sich 2000 niedergelassen hat. Hirschau und Schnaittenbach sind ein bisschen weit weg von den beiden regulären Notarzt-Standorten: Da ist es gut, wenn im Notfall ein Lebensretter vor Ort einsatzbereit ist. Das ist auch der Gedanke hinter dem bisherigen System, das neben dem öffentlich-rechtlichen Notarzt-Dienst mit seinen Standorten Amberg und Sulzbach-Rosenberg noch den sogenannten Außenarzt kennt. Zwei davon gab es bislang - einen in Schnaittenbach und einen in Schmidmühlen.

Während die "regulären" Kollegen Fahrer, Auto und Ausrüstung gestellt bekommen, muss der Außenarzt selber fahren, sein eigenes, auf eigene Kosten nachgerüstetes Auto benutzen - mit allen finanziellen Konsequenzen, von höheren Versicherungsgebühren bis zum Verschleiß.

"Jetzt reicht es wirklich"

Dafür bekam Wolf mit diversen Zulagen bislang rund 200 Euro pro Einsatz - Steuer und eigene Kosten gingen davon noch weg. Doch nun ist die Vergütung neu geregelt, seit Januar. Die Folge für den Außenarzt? "Ich muss jetzt Geld mitbringen", bilanziert Dr. Wolf. Ironisch fügt er hinzu: "Nennen Sie mir einen Schlüsseldienst, der das macht."

Alle Zuschläge wurden mit der neuen Regelung gestrichen. Geblieben ist eine Pauschale von 90 Euro. "Die Hälfte geht ans Finanzamt", und wenn er dann noch seine Kosten abziehe, bleibe am Ende nichts mehr übrig. Genau gerechnet komme unter dem Strich sogar ein Minus heraus. Deshalb hat Dr. Wolf diesen freiwilligen Dienst quittiert. "Jetzt reicht es wirklich", sagt er. Zumindest eine Wertschätzung sollte dieser Einsatz schon erfahren: Der 46-Jährige kann diese in dem neuen Vergütungssystem für sich nicht mehr erkennen. Ein bisschen kürzer treten wollte er ohnehin. 300 Mal im Jahr ausrücken, manchmal mehrmals in einer Nacht, das gehe auf Dauer an die Substanz. Die neue Vergütung ist der Grund dafür, dass aus dem Kürzertreten ein kompletter Ausstieg geworden ist.
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