Wenn der Rosenbach anklopft

Der Rosenbach und die Wiesen zwischen Unterschwaig und Altmannshof sind ein einziger See: Nach Starkregen stehen hier weite Gebiete unter Wasser. Inzwischen gehen die Experten von einer Zunahme solcher Ereignisse aus. Bild: Gebhardt
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
30.10.2014
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"Land unter" gibt es auch in der Oberpfalz - das wissen leidgeprüfte Anwohner der Bäche. Im Rathaussaal untersuchten Experten, wo in den gefährdeten Stadtteilen Problempunkte liegen. Kuriosum am Rande: Auch Feuerwehr Rosenberg und Technisches Hilfswerk wären vom Hochwasser betroffen.

Schneeschmelze, Dauer- oder Starkregen - wenn das alles zusammenkommt, wird es eng im Bachbett. Dann tritt der Rosenbach über seine Ufer, ebenso der Spitzerbach und andere Zuflüsse. Die potenziell gefährdeten Überschwemmungsgebiete in der Stadt sind bereits bekannt, das Wasserswirtschaftsamt hatte sie der Bevölkerung letztes Jahr vorgestellt.

Jetzt geht es ans Eingemachte: Das Wasserwirtschaftsamt Weiden setzt bis 2015 eine dreiteilige EU-Richtlinie zum Management von Hochwasserrisiken um, erklärte Abteilungsleiter Dr. Hans Weiß: grobe Bestandsaufnahme (bereits erfolgt), Gefahren- und Risikokarten für die Gewässer (ebenfalls abgeschlossen) und die Aufstellung von Hochwasserrisiko-Management-Plänen.

Bei den Risiko-Gewässern

Dazu arbeiteten sich die Vertreter von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk, Bauhof, Bauamt, Ordnungsamt und Kläranlage durch die Risikokarte des Rosenbachs mit seinen 53 Quadratkilometern Einzugsgebiet. Der Bach gehört wie die Vils, der Fieder- und Ammerbach sowie der Ehenbach zu den Risiko-Gewässern des Landkreises.

Das berühmte "Jahrhundert-Hochwasser" bildet die Grundlage der Planung. Statistisch gesehen tritt es im Durchschnitt einmal in hundert Jahren auf. Aufgrund leidvoller Erfahrungen fanden aber auch zwei neue Szenarien Aufnahme in die Management-Systeme: das "häufige" und das "Extrem-Hochwasser" (Beispiel 2013 in Passau).

"Dann sind auch Bürger betroffen, die nie und nimmer an eine Gefährdung gedacht hätten!", erläuterte Peter Fröhlich, der Projektleiter des Wasserwirtschaftsamtes für die nördliche Oberpfalz. Und in der Tat: Die Gewässerkarte wies in unterschiedlichen Blautönen die möglichen und erwarteten Überschwemmungsgebiete aus. Das begann im Osten bei Kummerthal, wo die Staatsstraße 2164 überflutet werden kann. Die blauen Flächen im Plan, die meist Höchstwasserstände von 0,5 bis einen Meter prognostizieren, setzten sich fort, zunächst am Erlbach über Seidersberg nach Erlheim, wo besonders Wohngebäude betroffen wären. Über den Kreuzerweg, den Bürgerpark ging es dann den (ab der Bahnhofstraße so benannten) Rosenbach hinunter.

Erwartungsgemäß stellten die Hitzelmühle, die Rosenbach-Auen und die Frommstraße die größten Gefährdungsgebiete dar. Besonders träfe es bei einem Extrem-Hochwasser wohl das Gebiet rund um Hammerphilippsburg und Pulvermühle am früheren Triebswerkskanal: "Hier ist dann keine Zu- oder Ausfahrt mehr möglich", beschrieb Peter Fröhlich die eventuelle Situation an den Straßenbrücken.

Gefährdete Objekte

Die Experten untersuchten im Rathaussaal den Bach-Plan genau und benannten die Problempunkte: landwirtschaftliche Betriebe, Tankstellen, Kfz-Werkstätten, Industrie, Handwerk, Denkmäler, Regenüberlaufbecken, Seniorenheime, Arztpraxen, Umspannwerke - die Liste wuchs immer länger, das Wasserwirtschaftsamt protokollierte fleißig mit. Die so gewonnenen Erkenntnisse werden nun zusammengefasst und in die Pläne eingearbeitet. Denn es obliegt der Stadt, entsprechende Maßnahmen vorzubereiten. So ein Notfallplan könnte Verkehrsumleitungen und Absperrungen umfassen. Auch die Kläranlage in Unterschwaig könnte im Extremfall gefährdet sein.

Betroffenen sollen handeln

Gefragt sind also in erster Linie die potenziell Betroffenen: Internet-Recherche (siehe Hinweis am Artikel-Ende) ist für die Besitzer oder Verantwortlichen in den Gebieten angesagt, die Stadt wird für einen Ansprechpartner sorgen. Interne Dienstbesprechungen bei den "wassergefährdeten" Organisationen Feuerwehr Rosenberg und THW werden dafür sorgen, dass rechtzeitig die Einsatzbereitschaft sichergestellt wird.

Vom ersten Regentropfen bis zum Scheitelpunkt am Pegel könnten 20 Stunden vergehen, meinte Peter Fröhlich. Es kommt also darauf an, die Zeichen rechtzeitig zu erkennen und nach Plan zu reagieren. Damit uns im Ernstfall das Wasser nicht wirklich bis zum Hals steht.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.iug.bayern.de oder www.lfu.bayern.de
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