Wenn Hiebe zum Alltag gehören

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
17.07.2015
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Diese Erfahrung war wohl auch für den Richter neu. Der Mann in der schwarzen Robe hörte von einer jungen Frau, dass es durchaus Gewohnheit sei, wenn sie sich mit ihrem Lebenspartner im Verlauf von Streitereien körperlich auseinandersetze. "Doch in diesem Fall hat er mich nicht geschlagen", versicherte die 27-Jährige.

Es ging hoch her, als in einer Sulzbacher Wohnung gezecht und gebechert wurde. Bier, Schnaps und dann plötzlich eine verbale Auseinandersetzung zwischen einem jungen Paar, das die Räume in dem Mehrfamilienanwesen gemietet hat. Die Nachbarn kannten das schon. Sie wollten keinen Lärm mehr, waren genervt. "Öitz mou a Rouh sa", ließ einer von ihnen laut im Treppenhaus vernehmen.

Zeuginnen sahen es anders

Der Zwist zwischen dem 27-Jährigen und seiner gleichaltrigen Verlobten verlagerte sich hinunter auf die Straße. Dort soll der Mann seine Partnerin erst geschüttelt und dann ins Gesicht geschlagen haben. Diese Attacke beobachteten zwei Passantinnen. Vor den Amberger Amtsrichter Peter Jung geladen, bestätigten das die Zeuginnen auch. Doch die angeblich rüde malträtierte Frau wollte von Züchtigungen nichts wissen. Sie versicherte: "In diesem Fall hat er mich nicht geschlagen."

In diesem Fall? Richter Jung und Staatsanwältin Dr. Barbara Tutsch bohrten nach. "Und früher? Hat er sie da geschlagen?" Das räumte die 27-Jährige zwar ein. Doch für sie war das eher normal und letztlich auf Gegenseitigkeit beruhend. Worauf sich die Akten zumindest in diesem Anklagepunkt schlossen. Denn im Einklang mit der Anklagevertreterin stellte Richter Jung das Verfahren wegen Körperverletzung vorläufig ein. Zum Wohlgefallen des Angeklagten, der sich bei seiner Vernehmung "an nichts erinnern" konnte.

Dann aber kam es dennoch knüppeldick für ihn. Denn er hatte einen mit im Haus lebenden Nachbarn bedroht: "Ich erschieß' dich", rief er und schob gleich noch nach: "Ich stech' dich ab." Dabei hatte der Mann, des lauten Lärmens seiner Mitbewohner überdrüssig, nur schlichten wollen.

Fünf Monate hinter Gittern

Das, befand die Staatsanwältin, sei eine massive Bedrohung gewesen. In den Vorstrafenakten blätternd, hatte Barbara Tutsch herausgefunden, dass der 27-Jährige noch zwei Bewährungsstrafen offen hatte. "Also unbelehrbar", stellte sie fest und beantragte fünf Monate Haft zum Absitzen. Zu dieser Ansicht gelangte auch Richter Jung.

Der Sulzbach-Rosenberger muss nun fünf Monate "einrücken" und sieht sich der akuten Gefahr ausgesetzt, dass auch die ihm in zwei anderen Urteilen gewährten Bewährungen widerrufen werden.

"Sie hat sich gefreut"

Nach der Auseinandersetzung mit seiner Verlobten war der Mann in den Stadtpark geflüchtet. Dort nahmen ihn alarmierte Funkstreifenbeamte fest und sorgten für eine Nacht in der Ausnüchterungszelle. "Wie war das, als sie heimkamen? Was hat ihre Freundin gesagt?", wollte der Richter wissen. Die Antwort: "Sie hat sich gefreut." Die Freude könnte jetzt allerdings von relativ kurzer Dauer gewesen sein.
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