Wenn im Wald der Rasen fault

Melone
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
23.09.2015
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"Ist doch alles Bio!" - so einfach darf man es sich nicht machen: Nur weil es immer mehr um sich greift, ist es noch lange nicht erlaubt, Äste, Rasenschnitt oder Laub einfach in den Wald zu werfen, also in fremde Grundstücke. Nach Hinweisen entdeckte unsere Zeitung einige Abfall-Halden, meist nahe einer Siedlung. Werden die Täter ertappt, droht übrigens Bußgeld.

Das Unrechtsbewusstsein ist extrem schwach ausgeprägt bei vielen Menschen. Und auch die Einschätzung des Zulässigen. Diese Erfahrungen machen Förster immer wieder, wenn sie im Wald auf ausgedehnte Ablagerungen stoßen. Der Schritt zum ersten Sack mit Hausmüll ist dann meist nicht mehr weit - "liegt ja eh schon alles voll"! Den Anfang macht oft ein kleiner Eimer Laub, den ein Gartenbesitzer im benachbarten Wald auskippt. Der Nächste bringt schon einen Schubkarren voll davon, es folgen Heckenschnitt und Äste, dann spricht es sich herum: Da ist eine Grünabfall-Deponie! Über Nacht wächst der Haufen schlagartig an, am Ende liegen dort Pflanzenteile, die nur auf den Kompost gehören.

Grasschnitt stinkt

Wir stießen auf Tomatensträucher mit Früchten, auf Melonen, auf Beeren und viele andere aus dem Garten entfernte Äste und Zweige mit Anhängseln, aber auch auf massive Wälle aus Rasenschnitt, die einen penetranten Geruch verbreiten. Dabei wäre es so einfach: Die Wertstoffhöfe nehmen ja alles aus dem Garten kostenlos an. Doch vielen Zeitgenossen ist der Weg dorthin zu weit oder zu beschwerlich.

Der Umweltschutzbeauftragte des Stadtrates, Peter Zahn, hat dazu eine klare Ansicht: "Es handelt sich klar um nicht genehmigte Abfall-Entsorgung." Ist aber doch alles Bio, oder? "Zuerst kommt nur Laub, dann folgen die Kartoffelschalen - wer soll das denn kontrollieren? Es gehört mehr dazu, einen richtigen Kompost aufzubauen, als nur alles auf einen Haufen zu werfen."

Fremde Arten verbreitet

Er rät dringend dazu, so etwas gar nicht erst anzufangen, auch nicht mit harmlosen Sachen, sonst gerate erfahrungsgemäß alles außer Kontrolle. Außerdem berge die Biomüll-Entsorgung noch andere Gefahren: "Es werden auf diesem Weg viele hier nicht heimische Pflanzen, sogenannte Neophyten, aus Haus und Garten im Wald angesiedelt, die hier die Flora verfälschen." Der japanische Knöterich etwa sei auf diesem Weg in die Wälder gelangt.

Zahn appelliert deshalb an alle Gartenbesitzer: "Bringen Sie Ihre Grünabfälle zum Wertstoffhof - nur so werden sie zu wertvollem Kompost verarbeitet. Rasenschnitt und andere Abfälle vergammeln und verfaulen im Wald, das bringt der Natur gar nichts." Ähnliches gelte für Bauschutt, mit dem oft Wege im Wald aufgefüllt würden: "Dieses Material gehört da nicht hin." Unkontrollierbare Risiken seien die Folge.

Also: Der Weg zum Wertstoffhof sollte schon drin sein. Schließlich sind unsere Wälder nicht unbegrenzt belastbar und eines ganz gewiss nicht - eine kostenlose Müllkippe.
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