Wenn sich das Wasser schleicht

Mächtige Metallkonstruktionen leiten das Trinkwasser in die einzelnen Straßenzüge - hier kann es eigentlich nicht heraussickern. Bild: Gebhardt
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
25.02.2015
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93 Kubikmeter Wasser sind eine ganze Menge. Und sie verschwinden jeden Tag in unserer Stadt - zumindest rechnerisch. Auf etwa 34 Millionen Liter beziffern sich die Verluste der Wasserversorgung pro Jahr, das zeigte die Statistik 2014 im Stadtrat. Wo aber bleibt dann das kostbare Nass? Stadtwerke-Chef Roland Kraus sorgt für Klarheit. Sicher ist: Geklaut wird fast nichts.

Zugegeben, gemessen am Gesamtvolumen von fast einer Million Kubikmetern, die aus den Tiefbrunnen strömen, sind 34 000 Kubikmeter nicht all zu viel - gerade mal 3,41 Prozent. Trotzdem müssen doch die Fluten irgendwo bleiben. In sechs Tagen ist das ein Waldbad-Springerbecken.

Da geht noch was weg

Bei den Stadtwerken kennt man das Phänomen natürlich. Roland Kraus und sein Vertreter Armin Wolf geben der SRZ Auskunft, erläutern aber zunächst die Wasserstatistik. Aus den drei Brunnen im Haselgraben und dem vierten in Breitenbrunn fördern die Stadtwerke jährlich über 994 000 Kubikmeter, also knapp eine Milliarde Liter. Sie erzielen daraus rund 1,4 Millionen Euro Gesamterlös. "Die Differenz zwischen geförderter und verkaufter Menge ist der rechnerische Wasserverlust", erklärt Armin Wolf. 2014 rund 53 450 Kubikmeter. Aber Roland Kraus relativiert diese Zahl gleich: "Davon geht der Eigenverbrauch ab mit 5400 Kubikmetern, bei Rohrbrüchen liefen 3700 Kubikmeter aus, für Spülungen und Reinigung flossen nochmals 1300 Kubikmeter." Übrig blieben die besagten 34 000 Kubikmeter.

Nimmt man die rund 5000 Hausanschlüsse der Stadt als Basis, so verliert jeder von ihnen 19 Liter am Tag. Wie kommt das ? "Wir haben inklusive Hausanschlüssen rund 250 Kilometer Leitungsnetz in der Stadt", erläutert Kraus. Vor allem an den Stahlrohren, bei vielen Hausanschlüssen vor 1970 verbaut, gebe es oft undichte Stellen an den Verschraubungen. "Und da sickert es heraus!"

Aber auch die Wasserzähler haben ihre Eigenheiten: Alleine die "normale" Zählerabweichung beträgt bis zu zehn (erlaubte) Prozent. Dazu kommt die sogenannte "Schleichmenge" - unbemerkt abfließendes Wasser in kleinen Mengen, das große Zähler gar nicht registrieren. Zusammen bringen sie es pro Jahr auf gut 14 000 Kubikmeter. Statistisch seien das immerhin 1,5 Prozent der nutzbaren Abgabe.

Gegensteuern ist angesagt

Undichte Leitungen, unerkanntes Abfließen - ist das schon alles? Nein, denn Roland Kraus und Armin Wolf fällt noch etwas ein: Wenn die Feuerwehr einen Brand bekämpft oder Löschen übt, entnimmt sie Wasser aus den Hydranten. Auch das zählt rechnerisch zum Verlust.

Wird denn auch Wasser geklaut? "Bisher ist uns nur ein Fall bekannt", lachen die beiden Stadtwerker, "da hat jemand seinen Fischweiher aus dem Hydranten befüllt." Ansonsten sei Wasserklau kaum möglich. Dass die Stadtwerke den Flüssigkeitsverlust nicht einfach hinnehmen, zeigen ihre Investitionen: Rund 460 000 Euro investieren sie 2015 in Unterhalt, Erneuerung und Erweiterung des Rohrleitungsnetzes. Diese Arbeiten tragen dazu bei, dass der Verlust kontinuierlich sinkt. Mit 3,41 Prozent liegt Sulzbach-Rosenberg statistisch sowie bundesweit in der Kategorie "Geringe Wasserverluste".

Passiert ein Rohrbruch, können die Experten mit einem speziellen Ortungsgerät das Leck rasch und gezielt die Straße aufgraben. Etwa alle hundert Meter findet sich ja ein Absperrschieber. Leitungsabschnitte mit hohem Bruch-Potenzial werden bevorzugt ausgetauscht. Bei einer kleinen Undichtigkeit entsteht in der Regel kein Hohlraum, weil das Wasser im Sandbett versickern kann.

Fazit: Die Wasserverluste sind gering, und das, was im Boden verschwindet, taucht ja irgendwann im Grundwasser wieder auf.
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