Wie Bienen dem Stieglitz helfen

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
21.10.2015
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Artenschutz und Imkerei haben vielfältige Berührungspunkte. Ohne die Bestäubungsleistung der Honigbienen würde die Landschaft veröden, das Aussterben vieler Tiere und Pflanzen nähme extrem zu. Beim Kreisimkertag machte Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz deutlich, wie es um unsere biologische Vielfalt bestellt ist.

Der Imker-Kreisverband Sulzbach-Rosenberg ist auf vielen Ebenen engagiert. Die sich als echte Naturschützer verstehenden Bienenhalter nehmen vor allem in der Nachwuchsförderung in Bayern einen Spitzenplatz ein. Dies machte beim Imkertag im Hotel-Gasthof Zum Bartl Kreisvorsitzender Andreas Royer vor rund 80 Zuhörern, darunter Bürgermeister Michael Göth und Landtagsabgeordneter Dr. Harald Schwartz, deutlich.

In seiner Einleitung zeigte er anhand einer aktuellen Studie auf, welch fatale Auswirkungen das Aussterben von Honigbienen und anderen bestäubenden Insekten hätte. Er nannte unter anderem kurzfristig einen sprunghaften Anstieg von Todesfällen in Millionenhöhe und Ernteausfälle von 23 Prozent. Andererseits verwies Royer auf sinnvolle Gegenmaßnahmen wie blühende Landschaften und verantwortungsvolle Landnutzung.

Auf der Roten Liste

"Wie geht es unserer biologischen Vielfalt", mit diesem Thema, berichtete LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer als Hauptreferent in eindrucksvoller, aber auch dramatischer Weise über die Situation der Fauna in unserer Heimat. Er wies auf die Bestandsrückgänge vieler heimischer Feldvogelarten hin. In Deutschland müssten derzeit über 65 Prozent der in der Agrarlandschaft heimischen Feldvögel auf der Roten Liste der Brutvögel geführt werden. "In einigen Teilen Deutschlands sind ehemals typische und häufige Arten wie Rebhuhn, Kiebitz oder Feldlerche bereits ganz verschwunden." Schäffer machte drei größere Gefährdungsgruppen für die aktuelle Situation verantwortlich: So leiden Vögel, die auf Äckern brüten oder dort ihre Nahrung suchen, an den für die Intensivnutzung typischen Kennzeichen wie Pestizideinsatz, fehlende Randstreifen, geringe Kulturvielfalt und überdimensionierte Feldgrößen.

Strukturen wichtig

Ferner seien Feldvögel auf bestimmte Strukturen wie Gehölze oder Streuobstwiesen angewiesen, deren Verschwinden einigen Arten in den letzten Jahrzehnten ebenfalls zugesetzt hat. Schließlich hätten Veränderungen bei der Grünlandwirtschaft im Zusammenspiel mit einem erhöhten Brutverlust durch Beutegreifer zur Situation beigetragen.

Symbolisch für alle gefährdeten Feldvogelarten in unserer Heimat, nannte Schäffer den Stieglitz oder auch Distelfink, als Vogel des Jahres 2016 vom Landesbund für Vogelschutz und dem Naturschutzbund Deutschland gewählt. Der Stieglitz mit seinem charakteristischen Ruf ernährt sich von halbreifen und reifen Sämereien von Stauden, Wiesenpflanzen und Bäumen. Unter 152 Wildkräutern bevorzugt er Acker-, Gänse- und Kratzdistel sowie Karden.

Trend zur Siedlung

60 Prozent des Stieglitzbestandes leben mittlerweile in Städten, obwohl ihr Lebensraum der Wald wäre. Doch hier seien ihre Lebensgrundlagen ebenfalls bedroht: "Wildwuchs" an Wegrändern, in Grünanlagen, privaten Gärten oder an Sportplätzen werde oft entfernt. Häufig kämen dabei flächendeckend Unkrautvernichtungsmittel zum Einsatz - nach dem "Vorbild" der industriellen Landwirtschaft.

"Am dramatischsten für den Stieglitz ist jedoch der Verlust landwirtschaftlicher Brachflächen, dem eigentlichen Speisetisch des Jahresvogels." Verlangte die gemeinsame Agrarpolitik noch bis 2007 Brachflächen in jedem Betrieb, sei nun die Nutzung aller Flächen für den Fruchtanbau erlaubt. Der LBV warnt daher vor den Folgen dieser Politik, die zahlreiche Vogelarten gefährdet.
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