Wildkatze im Mittelpunkt des Theaters "Fräulein Brehms Tierleben" - Wissen spannend vermittelt
Seltener, scheuer "Profi-Mäusekiller"

Hochdramatisch stellte Fräulein Brehm alias Lydia Starkulla (links) im LCC die Wildkatze vor und zeigte, wie ein Wolf seine Beute tötet. Bilder: cog (2)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
19.01.2015
5
0
Sie sieht fast so aus wie eine gemütliche, harmlose Mieze. Aber die Wildkatze ist ein Raubtier mit messerscharfen Zähnen. Das Theater "Fräulein Brehms Tierleben" brachte "Felis silvestris - Die Wildkatze" auf Einladung des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) ins LCC.

Wilder Blick

Fräulein Brehm, verkörpert von Schauspielerin Lydia Starkulla, stellte den vielen Besuchern die Wildkatze vor. Äußerlich, erläuterte die Fachfrau, ist die Wildkatze manchen ihrer zahmen Verwandten ähnlich. Sie hat aber ein dichteres Fell, einen stärkeren Schnurrbart, ein größeres Gehirn, einen längeren Darm und vor allem "einen wilden Blick".

Mit ihren scharfen Augen könne sie in die Sonne sehen und auch in der Nacht alles erkennen. Sie habe nicht nur eine Nase, sondern noch eine zweite, das Jacobsonsche Organ im Gaumen, mit dem sie Gerüche "schmeckt". Räume erfasse sie mit ihren sensiblen Tasthaaren, die sie nicht nur im Gesicht trage, sondern auch an den Pfoten.

Spannend und aufregend

Von wegen Samtpfote: die Wildkatze sei "ein knallharter Profikiller". Fräulein Brehm schlich sich wie Felis Silvestris an ein Kind im Publikum an, blieb stehen und wartete, ging einen Schritt näher, wartete wieder und setzte schließlich zum "tödlichen Sprung" an. Das Publikum hielt in atemloser Spannung die Luft an - aber Wildkatzen fressen fast nur Mäuse. Und Fräulein Brehm ging weg, als wäre nichts gewesen.

Die Vorführung war spannend, lustig, aufregend, dabei aber immer wissenschaftlich fundiert. Schön, dass Fräulein Brehm ihr Spiel mit Bildern illustrierte. Außerdem hatte sie Tonbeispiele parat. Die Liebeslieder der Wildkatze sind markerschütternd. So erfuhr die große Zuschauerschar alles über Lebensweise, Ernährung und Fortpflanzung von Felis Silves-tris. Nach dem Stück konnte das Publikum ein Wildkatzenfell streicheln und sich einen Katzenschädel anschauen.

Rudolf Leitl, der als Gebietsbetreuer beim Landschaftspflegeverband Amberg-Sulzbach für die fünf Fauna-Flora-Habitatgebiete im Landkreis zuständig ist, gab anschließend noch Hintergrundinformationen zur Wildkatze. Deren Bestände in Europa seien über Jahrhunderte stark zurückgegangen.

Dafür, so Leitl, gebe es mehrere Gründe: Zeitweise wurde alles "Raubzeug" intensiv bejagt, vor allem aber ist der Lebensraum der Wildkatzen, der möglichst natürliche Laubmischwald, kleiner geworden. Während viele andere Wildtiere in die Stadt ausweichen, stehe diese Möglichkeiten den Wildkatzen nicht offen, weil sie zu scheu sind und in der Stadt ihre nächsten Verwandten, die Hauskatzen, in zu großer Zahl lebten.

Auch in der Oberpfalz

Trotzdem wisse man in Deutschland um mehrere Vorkommen von Wildkatzen, und auch in der Oberpfalz seien sie im Truppenübungsplatz Grafenwöhr und am Teichelberg im Landkreis Tirschenreuth nachgewiesen. Problematisch sei, dass die deutschen Bestände sehr vereinzelt sind, so dass kein genetischer Austausch stattfindet.

Leitl berichtete, dass der BUND mit dem Projekt "Wildkatzensprung" Wildtierkorridore anpflanze, damit die wildlebenden Tiere ihre zerschnittenen Lebensräume verlassen und die Bestände sich untereinander mischen können.
Weitere Beiträge zu den Themen: Januar 2015 (7958)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.