Zankäpfel: Gärtnerei, Bauhof

Dass insbesondere bei der Stadtgärtnerei - hier mit den beiden Gewächshäusern im Hintergrund - Handlungsbedarf besteht, ist unstrittig. Nicht hingegen jedoch, welcher Weg zu beschreiten ist. Bild: Royer
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
24.09.2015
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Nach über einer Stunde zog 2. Bürgermeister Günter Koller (CSU) die Notbremse: Die Debatte um die Zukunft von Stadtgärtnerei und Bauhof drohte da am Prellbock des Abstellgleises zu enden. Nun will der Stadtrat bis zur nächsten Sitzung geklärt haben, was die Zusammenlegung beider Einrichtungen an einem neuen Standort kosten würde, um dann endgültig zu entscheiden.

Das Thema ist nicht neu - und war es auch nicht, als vor sechs Jahren durch das Stadtbauamt erhoben worden war, dass die Fusion von Gärtnerei und Bauhof inklusive Stadtwerke auf der grünen Wiese rund 6,7 Millionen Euro kosten würde - ohne Grunderwerb und zu befestigende Außenanlagen. Umso erstaunlicher dann die einsetzende Debatte, nachdem Architekt Werner Hedrich seinen Sachstandsbericht vorgetragen hatte. Aus diesem ging unumstößlich hervor, dass ein Verschmelzen beider Einrichtungen weder beim Bauhof am Annabergweg noch bei der Stadtgärtnerei am Erlheimer Weg zu realisieren sei: "Eine Zusammenlegung beider Betriebe ist auf keinem der Grundstücke möglich", so sein Fazit.

Rund 1,8 Millionen Euro

Hedrich schlug deshalb jeweils Sanierung und Umbau vor. Dies würde beim Bauhof geschätzte Kosten von 950 000 Euro verursachen und bei der Stadtgärtnerei solche von rund 850 000 Euro - in der Summe also 1,8 Millionen Euro.

Handlungsbedarf erkannt

Damit war die Diskussion eröffnet, in der Joachim Bender für die SPD-Fraktion bei der Gärtnerei "akuten Handlungsbedarf" für gegeben hielt. Er trat dafür ein, beide Objekte zu sanieren und diese Vorhaben in die mittelfristige Finanzplanung aufzunehmen. Dass etwas getan werden müsse, sah auch Dr. Stefan Morgenschweis (CSU). Auf seine Frage an Architekt Hedrich, ob es beim Bauhof eine Erweiterungsmöglichkeit nach Süden gebe, erfuhr er, dass dies nur mit zusätzlichem Grunderwerb machbar und topografisch mit Problemen behaftet sei.

Karl-Heinz Herbst (Grüne) schloss sich dem SPD-Ansinnen an, während Peter Bruckner (FWU) anregte, darüber nachzudenken, ob nicht ein stadtnaher Neubau beider Einrichtung sinnvoll wäre. An den zwei bisherigen Standorten könne er sich eine Wohnbebauung vorstellen. Dem hielt Bürgermeister Michael Göth entgegen, dass für einen solchen Neubau einschließlich der Stadtwerke schon vor sechs Jahren eine Schätzung erhoben wurde, die von 6,7 Millionen Euro reinen Baukosten ausgegangen sei. Unbeeindruckt davon führte Morgenschweis Synergieeffekte ins Feld, die eine Zusammenlegung an einem neuen Standort sinnvoll erscheinen ließen. Deshalb plädierte er dafür, Architekt Hedrich mit einer Kostenaufstellung zu beauftragen. Auch wenn Handlungsbedarf gegeben sei, so müsse über das seit den neunziger Jahren in der Rede stehende Thema nicht zwingend an diesem Tag entschieden werden.

Schon jetzt gemeinsam

Die von ihm angeführten Synergieeffekte hielt Stadtbaumeisterin Petra Schöllhorn für eher gering, zu unterschiedlich seien die Abläufe und Qualifikationen der Beschäftigten. Dort, wo es machbar sei, werde heute schon zwischen beiden Institutionen zusammengearbeitet.

Daran anknüpfend forderte Joachim Bender, besonders gerichtet an die CSU-Adresse: "Wir sollten das Wolkenkuckucksheim verlassen und an diesem Tag Nägel mit Köpfen machen" - sprich die jeweilige Sanierung beschließen. Würde man die Zahlen von vor sechs Jahren fortschreiben, dazu den Aufwand für Grunderwerb und Außenanlagen hinzu addieren, dann ergäbe sich ein Investitionsvolumen von annähernd zehn Millionen Euro. Dem konterte Morgenschweis, dass es bei einem Neubau um ein Projekt für die nächsten 20 bis 30 Jahre gehe. Dies sei bei zu berücksichtigen.

Schritt für Schritt

Unterstützung erfuhr Morgenschweis durch seinen Fraktionskollegen Hubert Jungbauer, der zu den Sanierungen meinte: "Was wir da betreiben wollen, ist Murks." Außerdem könnten die Investitionen Schritt für Schritt, beginnend mit der Gärtnerei, angepackt werden. Deshalb sollten der Wert der beiden vorhandenen Grundstücke ebenso ermittelt werden wie die Kosten für den Neubau.

An dieser Stelle hakte 2. Bürgermeister Günter Koller (CSU) ein: "Wir haben jetzt eine Situation in der Diskussion, aus der wir schauen müssen, wie wir wieder rauskommen." Sein Kompromissgedanke gipfelte darin, die Zusammenlegung an keinem der beiden Standorte mehr weiterzuverfolgen. Eine endgültige Entscheidung für die Zukunft aber sollte an diesem Tag nicht getroffen werden. Bürgermeister Michael Göth nahm den Ball an. Er unterbrach die Sitzung und bat die Fraktionen, intern in sich zu gehen.

Nach zehn Minuten Pause erging der Beschluss bei einer Gegenstimme, bis zur nächsten Sitzung von Architekt Hedrich sowohl die Kosten für den Neubau von Gärtnerei, Bauhof und Stadtwerken ermitteln zu lassen als auch jene für Grunderwerb und Außenanlagen. Zugleich soll stadtintern ermittelt werden, was sich für die bisherigen Grundstücke erzielen lasse. (Angemerkt)
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