ZEN-Geschäftsführer Gerhard Kopf über Elektro-Autos
Das muss man sich erfahren

"Tanken" schaut beim Elektroauto so aus. ZEN-Geschäftsführer Gerhard Kopf zeigt, wo der Strom in seinen Dienstwagen kommt.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
05.01.2015
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Wegen des Namens wäre es auch ein erstklassiger Gag, wenn Gerhard Kopf mit seinem Elektro-Auto vorfährt und beim Aussteigen sagt: "Die Umstellung auf E-Mobilität ist eine Kopf-Geschichte. Denn funktionieren tut sie." Der ZEN-Geschäftsführer meint das aber gar nicht spaßig.

"Elektromobilität muss man erfahren" ist ein anderer Standardsatz von Gerhard Kopf. Soll heißen: Drüber reden hilft begrenzt zum Abbau der größten Vorurteile. Aber wer dann am Lenkrad sitzt, und schon beim Losfahren im Innenraum nichts hört als den Blinker, wer kräftig auf das Gaspedal tritt und merkt, wie das Auto ohne Verzögerung sowie ohne Aufjaulen des Motors nach vorne schießt, der braucht keine großen weiteren Erläuterungen.

Eigentlich, sinniert Kopf, macht das Fahren mit einem E-Mobil viel zu viel Spaß, um dabei immer nur an die Reichweite zu denken, die natürlich sinkt, wenn der Bleifuß die Geschwindigkeit bestimmt. Wer sich ein eigenes Bild davon machen möchte, der ist im Zentrum für erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit (ZEN) in Ensdorf jederzeit willkommen. Er kann ein E-Auto Probe fahren und bekommt über das ZEN Kontakt zu Firmen, die welche liefern, beschreibt Kopf seine derzeitigen Möglichkeiten, den Umstieg auf Elektro-Antrieb zu fördern. Zusätzliches Geld bekommt der wechselwillige Privatmann hier nicht, das ZEN-eigene Modellprojekt "elMAS" (siehe Infokasten) zielt mehr auf - wieder ganz ernst gemeinte - Kopf-Arbeit. Argumente und das Beispiel von Multiplikatoren sollen den Elektro-Fahrzeugen zum Durchbruch verhelfen. Vor allem sieben Punkte werden dabei laut Gerhard Kopf immer wieder ins Feld geführt:

Kein Bedarf

Wer sagt, dass kein Bedarf an E-Mobilen besteht, weil wir ja Verbrennungsmotoren haben, der beschreibt einerseits die aktuelle Situation richtig, findet Kopf. Aber er sei auf der anderen Seite von der Denkweise her auch nicht weiter als die Leute, die den Umstieg von Pferdekutschen auf Automobile verweigerten, weil für das Überkommene alles so schön eingerichtet war und die Nutzung des Neuen mehr Flexibilität erfordert hätte oder kurzzeitig etwas unbequem gewesen wäre. "Wenn aber die fossilen Brennstoffe zur Neige gehen und der Kraftstoffpreis dadurch steigt, dann brauchen wir die Elektromobilität."

E-Autos sind zu teuer

Das war auch nach Ansicht von Gerhard Kopf lange Zeit nicht von der Hand zu weisen. Doch heute gebe es E-Mobile, die vom Preis her voll konkurrenzfähig seien. Wenn man etwa für den Nissan Leaf 23 000 Euro bezahle, liege man in der Größenordnung von einem Golf. Das ZEN habe ausgerechnet, dass man bei einer Fahrleistung von 7000 Kilometern im Jahr nach drei Jahren mit einem E-Auto von den Gesamtkosten her absolut gleich liege; auf der Basis eines Strompreises von 27 Cent pro Kilowattstunde. Auf 100 Kilometer habe man da, je nach Fahrweise, Kosten von 3,50 bis 4,20 Euro. Die Wartung bestehe in einem einzigen jährlichen Kundendienst für 50 bis 70 Euro. Der i-MIEV des ZEN habe in fast vier Jahren und bei 35 000 Kilometern Tachostand noch keine Reparatur gebraucht. Und alle E-Autos seien zehn Jahre steuerbefreit.

Zu geringe Reichweite

Hier lässt sich Gerhard Kopf ein "Jein" entlocken. Er selbst, viel im Landkreis unterwegs, könne "99 Prozent aller Fahrten elektrisch" bestreiten. Und wenn er nach München müsse, nehme er eben den Zug. Nürnberg oder Regensburg und zurück, das sei mit dem Mitsubishi und seinen 175 Kilometern Reichweite kein Problem. Auch nicht, wenn die im Winter wegen der mehr verbrauchten Heizenergie auf 120 Kilometer sinke: "Man stellt dann automatisch seinen Fahrstil um." So führt moderne Technik quasi auch einmal zu einer Entschleunigung des Lebens. Für Haushalte, die zwei Autos haben, hält Kopf ein E-Mobil ohnehin für ideal: die Elektro-Variante als Erstauto, der Verbrenner für alle Strecken, die dafür zu lang sind. Dass es die gibt, sieht Kopf am Beispiel seiner Frau. Sie fährt 87 Kilometer einfach zur Arbeit und kann dort nicht aufladen: "Da funktioniert es nicht, aber bei der Mehrheit der Bevölkerung würde es funktionieren."

Zu wenig E-Tankstellen

Im Landkreis gibt es nur zwei offizielle Ladestationen: eine im ZEN, eine im Landratsamt. Beide geben den Strom kostenlos ab. Laut Gerhard Kopf planen aber immer mehr Bürgermeister, öffentliche E-Tankstellen zu installieren. Der ZEN-Geschäftsführer hat zudem im Selbstversuch herausgefunden, dass in ländlichen Regionen alle Wirtshäuser die E-Mobilisten gerne aufladen lassen. "Ich bin noch nie in Bedrängnis gekommen", resümiert er seine Erfahrungen. Der E-Auto-Fahrer denke da auch anders, um Reichweiten-Probleme von vornherein gar nicht aufkommen zu lassen: "Unsere Autos hängen immer an der Steckdose."

Zu lange Ladezeit

Bei der gängigen Variante mit 230 Volt gilt als Faustregel, dass man in der Stunde 25 Kilometer Fahrstrecke laden kann. Ein leeres Auto wäre so in sechs bis acht Stunden "vollgetankt". Allerdings fährt man das Auto in der Regel nicht leer, um es erst dann wieder aufzuladen, sondern lädt nach Möglichkeit in allen Fahrpausen. Die neue Schnelllade-Technik mit 400 Volt ermöglicht laut Gerhard Kopf zudem ein Aufladen innerhalb von 30 Minuten.

Akku könnte kaputtgehen

Diese Vorstellung schreckt tatsächlich viele Leute ab, sagt Kopf. Er hält mit dem Beispiel seines i-MIEV dagegen: Der sei fast vier Jahre alt und habe bei der letzten Inspektion keinen messbaren Verlust der Akku-Stärke gezeigt.

Nur Automatik-Modelle

Wer sich darüber Sorgen macht, dass er doch immer nur Autos mit Gangschaltung gefahren ist und ihm die Umstellung auf Automatik-Getriebe Schwierigkeiten bereiten könnte, den lässt Kopf gerne mal mit einem ZEN-Auto fahren. "Danach hat er keine Bedenken mehr. Das Problem löst sich sozusagen auf."

Die Bundesregierung hat mal als Ziel eine Million E-Mobile in Deutschland im Jahr 2020 ausgegeben. Mittlerweile zweifeln viele an, dass diese Zahl zu erreichen ist. Gerhard Kopf möchte für den Landkreis keine Zielvorstellung für die kommenden Jahre nennen. Er glaubt aber, dass die Durchsetzung der E-Mobilität, wenn erst einmal genügend Multiplikatoren mit eigenen Fahr-Erfahrungen da sind, "schneller gehen kann, als wir alle rechnen". Ein Hinweis darauf ist ihm die Reaktion der jungen Leute, die ins Ensdorfer Haus der Begegnung kommen und die im ZEN mit den E-Autos fahren dürfen: "Die sind alle hellauf begeistert."
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