Zuflucht in der Turnhalle

Rektor Wolfgang Pfeifer zeigt es an: Die Dreifachturnhalle der Walter-Höllerer-Realschule ist groß. Ein Notfallplan sieht vor, dass dort 200 bis 300 Flüchtlinge untergebracht werden können. Bild: doz
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
29.10.2014
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Die vielen Krisenherde rund um den Globus sorgen für immer mehr Asylbewerber in Deutschland. Für Bayern gibt es deshalb einen Notfallplan. Sollte eine Flüchtlingswelle anrollen, ist auch Sulzbach-Rosenberg gewappnet.

Wenn der Landkreis eigens eine "Task Force"-Arbeitsgruppe einrichtet, dann muss es schon besondere Gründe haben. In diesem Fall sind das eine Order aus München und die aktuelle Lage, was die Flüchtlinge betrifft. Die Folge: Ab jetzt gibt es einen Notfallplan, der via Pressemitteilung an die Medien ging (wir berichteten). Der sieht vor, dass jeder Landkreis für die kurzfristige Aufnahme von 200 bis 300 Menschen gerüstet sein muss. Amberg-Sulzbach plant dafür die Dreifachturnhalle der Walter-Höllerer-Realschule ein.

"Ganz normale Sache"

Der Rektor der Schule, Wolfgang Pfeifer, erfuhr davon telefonisch von Landrat Richard Reisinger und reagierte verständnisvoll: "Die müssen irgendwo hin. Man kann die Flüchtlinge nicht einfach in Zelten unterbringen, wie es in Nürnberg war. Angesichts des Winters wäre das unverantwortlich." Wenn schon Hallen da seien und für solche Angelegenheiten kurzfristig gebraucht werden, "ist das meines Erachtens eine ganz normale Sache". Die Flüchtlinge würden dann vier bis acht Wochen in der Halle untergebracht. "Auf Dauer ist das keine Unterkunft. Als Auffanglager in Anführungszeichen kann man das durchaus zur Verfügung stellen", erklärte Pfeifer.

Außerdem sei es ja ungewiss, ob und wie viele Hilfesuchende eventuell nach Sulzbach-Rosenberg kommen. Bisher sei nur ein Plan erarbeitet worden. "Wir sind insofern gerüstet, als dass wir die Halle haben. Wenn es dann beispielsweise heißt, es kommen 200, dann müsste man die Halle dementsprechend herrichten. Aber das macht dann der Sachaufwandsträger - der Landkreis - oder eine andere Organisation."

Pfeifer sieht der Angelegenheit "gelassen" entgegen. Zumal er sagt: "Dass das keine langfristige Sache sein wird, davon gehe ich aus." Sicherlich müsse sich um viele Dinge wie Betten, sanitäre Einrichtungen, Essen oder die Erstversorgung gekümmert werden. Aber das sei nicht die Aufgabe der Schule. Ein Thema ist aber der Sport in der Turnhalle. In der Zeit, in der die Flüchtlinge dort untergebracht sind, können Schüler und andere Sportler den Raum nicht nutzen. Während der Schulzeit ist die Halle täglich vormittags belegt, nachmittags und abends sind Vereine betroffen. Pfeifer sprach von Überlegungen, in die Gymnasium-Halle auszuweichen oder draußen Sport zu treiben. Jedenfalls: "Das ist machbar." Man müsse eben schauen, dass andere Kapazitäten ausgenutzt werden würden.

Gebäude räumlich getrennt

Weil Schüler und Flüchtlinge im Fall der Fälle quasi Nachbarn wären, ist Pfeifer überzeugt: "Es wird sicher am Rande Begegnungen geben und es wird versucht, mit den Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen. Aber ansonsten sind die beiden Gebäude räumlich getrennt." Man werde bestimmt Informationen für die Hilfesuchenden anbieten. "Aber die haben ganz andere Probleme, als eine Schule anzuschauen", sagte Pfeifer.

Michael Göth signalisierte seine Unterstützung, falls Flüchtlinge nach Sulzbach-Rosenberg kommen. Auch wenn laut Bürgermeister die Stadt rein rechtlich nicht zuständig ist, weil die Realschul-Turnhalle eine Liegenschaft des Landkreises darstellt. "Es handelt sich um einen Notfallplan. Ob er zum Tragen kommt, ist ungewiss", untermauerte Göth zudem. Sollte das aber der Fall sein, müsste man über Sportunterricht und den Hallen-Sportbetrieb auch in den Stadt-Schulen (Jahn-, Pestalozzi- und Krötensee-Schule) nachdenken. "Genaueres muss man abstimmen, wenn es soweit ist."
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