Zugvogel muss nicht sein

Wenn der Hahnbacher Storch sein Nest verlässt, dann nicht, um in ein Winterquartier in wärmeren Gefilden zu ziehen, sondern allenfalls, um Futter zu suchen. Davon findet er hier auch im Winter genug. Bild: Hartl
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
08.10.2014
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Eigentlich sollten die Störche im Landkreis schon in ihre Winterquartiere unterwegs sein. Mitte September gilt als üblicher Abflugtermin. Doch selbst Tiere, die den Winter über bleiben, sind kein Grund zur Sorge, sagt Oda Wieding, die Storchenexpertin des Landesbundes für Vogelschutz.

Im Landkreis kennt man das ja schon beim Hahnbacher Storchenpaar: Es hat das Zugvogel-Dasein satt und bleibt auch in der kalten Jahreszeit in seinem Revier an der Vils. Die Kompostmieten der Firma Veolia böten ihnen genügend Nahrung, wird immer wieder als Grund dafür ins Feld geführt. Das klingt für Oda Wieding plausibel. Störche merkten sich sehr genau, wo sie bei geschlossener Schneedecke Futter finden können. So sei etwa bekannt, dass viele Überwinterer in den Nürnberger Zoo flögen, um sich bei den Futterstellen dort mit zu bedienen. Aber auch in kleinen Bachläufen, die im Winter nicht zufrieren, fänden sie Fische als Nahrung.

Kälte kein Problem

Und die Kälte? "Die macht den Störchen nichts aus, die haben ja ihr Daunengefieder", sagt Oda Wieding. "Sie treten ihre Reise in den Süden nur wegen der Nahrungsknappheit im europäischen Winter an. Solange allerdings keine geschlossene Schneedecke liegt oder strenger, langanhaltender Frost herrscht, findet der Storch auch in unseren Breiten noch genug Nahrung wie Mäuse, Regenwürmer, kleine Schnecken." Und sollte das irgendwann nicht mehr der Fall sein, unternähmen viele Störche einen "Teilzug" in Regionen mit milderen Temperaturen, etwa an den Bodensee.

Nur ein Jungtier flügge

Nachdem 2013 keines der Jungtiere im Landkreis überlebt hat, ist heuer wenigstens in Auerbach ein Storch flügge geworden, in Hahnbach aber wieder nicht. Oda Wieding führt das auf schlechtes Wetter Mitte, Ende Mai zurück. "Da sind die Jungen drei bis vier Wochen alt und so groß, dass sie von den Alten nicht mehr restlos abgedeckt werden können." Nässe und Kälte wirkten dann oft verheerend. In dieser Zeit bräuchte jedes Küken ein Kilo Nahrung am Tag. Die könnten die Elterntiere aber nur beschaffen, wenn sie zu zweit loszögen. Da aber eines die Jungen vor dem Regen schützen müsse, führe das oft zu Nahrungsmangel - "und dann kann es schnell gehen". Das sei in der Oberpfalz an mehreren Storchen-Standorten zu beobachten gewesen. "Ohne diese Probleme in der Oberpfalz hätten wir heuer in Bayern wohl ein Rekordjahr gehabt."

Dass die Hahnbacher Störche ihr Revier verlassen, falls sie hier weiterhin ihre Jungen nicht durchbekommen, glaubt Oda Wieding nicht. Das Paar sei ja schon lange da und dürfte eine starke Prägung auf diesen Neststandort haben. "Die würden wohl nur im letzten Notfall wechseln."
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