Zuhause im Sonnenstüberl

Viele unterschiedliche Beschäftigungsmöglichkeiten haben die Demenz-Betreuerinnen im Angebot, erläuterte Inge Nösner (links): Landrat Richard Reisinger (rechts) zeigte sich beeindruckt vom Engagement. Bild: Gebhardt
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
03.03.2015
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Menschliche Wärme, Geborgenheit und eine auf ihre veränderte Orientierung zugeschnittene pflegerische Betreuung: Demenzkranke Patienten freuen sich über das neueste Angebot im St.-Anna-Krankenhaus. Im Sonnenstüberl fühlen sie sich wie zu Hause.

Mit einem Beschäftigungs-Zimmer für Patienten mit demenziellen Erkrankungen geht das Krankenhaus neue Wege. Menschen mit verringerter Orientierung erfahren mit einem speziellen Angebot Hilfe. Landrat Richard Reisinger und Vorstand Klaus Emmerich ließen sich das Sonnenstüberl im 3. Stock erklären.

Tägliches Angebot

Pflegedienst-Leiterin Inge Nösner erklärte bei der Vorstellung, dass das Thema Demenz gesellschaftlich immer drängender werde, auch in den Krankenhäusern. "Unser Haus nimmt immer mehr Patienten mit der Nebendiagnose Demenz auf. Mit der Einrichtung des Betreuungsraumes wollen wir die Tagesstruktur besser an diese Patienten anpassen."

Seit Jahren gibt es eine entsprechende Arbeitsgruppe für Pflegekräfte mit regelmäßiger Schulung. Ein Projekt der Demenzbeauftragten war es, diesen Raum einzurichten. Für die Betreuung steht neben ihnen zusätzliches pflegerisches Personal bereit. Das Angebot gilt täglich von Montag bis Freitag für alle Stationen zwischen 10.30 und 12.30 Uhr. Was tun die Patienten denn im Sonnenstüberl? Für die individuelle Beschäftigung stehen sogenannte Aktivierungsboxen mit verschiedenen Themen aus dem früheren Alltag der Patienten wie etwa Haushaltsgeräte bereit, die die Arbeitsgruppe zusammengestellt hat. Außerdem gibt es Liederhefte, Brettspiele, Bastelmaterial und CD-Spieler.

Was ist das Besondere an dem Beschäftigungszimmer? Der Raum wurde sehr liebevoll nostalgisch eingerichtet, er hat ein ansprechendes, für demenziell erkrankte Patienten beruhigendes Farb- und Lichtkonzept. Viele erkennen im Verlaufe ihrer Erkrankung Speisen und Getränke nicht mehr, der Geschmackssinn verändert sich häufig. Bei der Betreuung werden Früchte- und Kräutertees angeboten und in bunten Trinkgefäßen gereicht. Die Patienten werden animiert, mehr zu trinken und zu essen. Beim gemeinsamen Mittagsmahl gehen die Betreuer auf individuelle Aktivierung bzw. Hilfestellung ein.

Freude auf nächsten Tag

"Wir haben schon positive Rückmeldungen von den Stationen, dass die Patienten durch die Betreuung viel beruhigter für den Rest des Tages zu integrieren sind", berichtet Inge Nösner. Aggressionen nähmen ab, und die Patienten freuten sich vielfach schon auf den nächsten Tag mit liebevoller Zuwendung.

Zwei Stunden täglich - reicht das denn aus? "Wir hoffen natürlich, dass wir das Angebot noch in den Nachmittag erweitern können und würden uns sehr freuen, ehrenamtliche Demenzbegleiter zu gewinnen", wirbt die Pflegedienstleiterin. Die Aufgaben wären beispielsweise gemeinsame Spaziergänge, Begleitung zu Untersuchungen, unterhaltsame Spiele, Singen, Beschäftigung und individuelle Gespräche (siehe Kasten).

Alle ehrenamtlichen Helfer erhalten eine dreitägige Schulung und als Gegenleistung kostenloses Mittagessen, freies Parken, Kurzfortbildungen und jährliche Mitarbeitertreffen zum Informationsaustausch mit den Demenzbeauftragten.

Inge Nösner dankte abschließend allen, "die mitgeholfen haben, dieses Betreuungszimmer so liebevoll und individuell einzurichten, besonders den Pflegekräften Anita Mertel, Kathrin Grübel und Sona Sunderlikova, sowie dem Vorstand für die Unterstützung."
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