Zwei weitere Übergangsklassen in Sulzbach-Rosenberg stoßen auf unterschiedliche Meinungen
Bammel vor "Supergau-Stufe"

"Ich weiß nicht, ob das ein riesiger Schnellschuss war", sagte Peter Plößl, Rektor der Jahnschule.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
22.10.2014
10
0

Zwei Übergangsklassen gibt es bereits. Zwei weitere sollen eingerichtet werden. Einer der betroffenen Schulleiter fürchtet und freut sich gleichermaßen. Ein anderer Rektor gesteht ganz offen seine Bedenken.

Künftig soll es zwei weitere Übergangsklassen in Sulzbach-Rosenberg (Jahn- und Krötensee-Schule) geben. Das verkündete der stellvertretende Schulamtsleiter Heinrich Koch bei der Vollversammlung des Bündnisses für Integration und Migration vor einigen Tagen. Peter Plößl ist einer der betroffenen Schulleiter. Der Rektor der Jahnschule hat Bedenken: "Ich weiß nicht, ob das ein riesiger Schnellschuss war."

Unterstützung wichtig

Es fehle an zusätzlichen Kräften: Psychologen und Psychiater seien sehr wichtig. "Wenn ich einen Schulpsychologen brauche, muss ich erst einen Antrag stellen. Das dauert. Der kommt dann vielleicht in vier Wochen." Plößl ist deshalb der Meinung, dass die ganze Sache ohne das Jugendamt nicht funktioniert. Man brauche hochqualifizierte Leute.

Ein Problem sei zudem, dass man oft nicht wisse, wie alt die Kinder sind. Die Buben und Mädchen, die die 1. bis 4. Klasse besuchen könnten, werden in einer einzigen zusammengefasst. Plößl nennt das eine "Supergau-Stufe". Er bekennt offen, dass er "sehr großen Bammel" habe und bekräftigt: "Es steht und fällt mit der Unterstützung." Nicht nur alle Lehrer seien gefordert, sondern auch Schulamt, Jugendamt, der Bürgermeister und die Regierung, von der das Schulamt abhängig sei. Aber Plößl ist noch nicht ganz überzeugt, dass die Übergangsklasse für die Jahn-Schule kommt. Er gehe aber schon davon aus: "Der Andrang der Leute, die in die BRD kommen, ist sehr groß."

"Lernwillige Kinder"

Für Krötensee-Schulleiter Peter Danninger heißt die Frage nicht, ob die Übergangsklasse kommt, sondern wann sie kommt. Er habe unterschiedliche Erwartungen an die Herausforderung. "Es ist wichtig, den Jugendlichen ein besseres Leben zu ermöglichen. Die Frage ist, ob das gelingt." Er fürchte sich ein wenig, was die traumatisierten Kinder und die Aufarbeitung des Erlebten betreffe. "Andererseits freue ich mich auf - so wie ich es mitbekommen habe - lernwillige Kinder", sagt der Rektor.

Noch gibt es aber nicht genug Schüler für die zwei geplanten Klassen. Der stellvertretende Schulamtsleiter Heinrich Koch ist sich aber sicher, dass die Mindestanforderung (zehn Buben und Mädchen) bald erfüllt werden. Dann sollen neben den zwei bestehenden Übergangsklassen in Amberg zwei weitere in Sulzbach-Rosenberg entstehen. Koch verrät, dass er eigentlich schon im September mit einem Start gerechnet habe.

Aktuell 30 Schüler

Die Amberger Übergangsklassen werden aktuell von 30 Buben und Mädchen besucht. 15 Schüler (sieben verschiedene Nationalitäten) sind an der Barbara-Schule und ebenso viele Schüler (mit zehn verschiedenen Nationalitäten) an der Luitpoldschule. Heinrich Koch betont aber, dass es in den Klassen sehr viel Fluktuation und im Prinzip "einen wöchentlichen Wechsel" gibt.

Die Erfahrung zeige, dass Kinder ein halbes Jahr bis maximal zwei Jahre brauchen, um am Regelunterricht teilzunehmen. Koch betont: "Es wird den Schülern so viel Zeit gelassen, wie sie brauchen." Bei jedem Kind werde individuell entschieden, wie man vorgehe. Das Wichtigste ist laut Koch, dass die Betroffenen "sprachlich intensiv gefördert werden".
Weitere Beiträge zu den Themen: Schulamt (1548)Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.