Zweite Opern-Inszenierung beim Sulzbach-Rosenberger "International Music Festival" ein voller ...
"Zauberflöte" legt Zauber über das Publikum

Die Sänger geben bei der Inszenierung von Mozarts "Zauberflöte" in Sulzbach-Rosenberg alles. Bild: sed
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
14.08.2015
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Eine Oper zum Anfassen erlebt das Publikum des Sulzbach-Rosenberg International Music Festivals (SRIMF), als die jungen Musiker Mozarts "Zauberflöte" aufführen. Schauplatz ist der Gemeindesaal der Christuskirche. Der beschränkte Raum ermöglicht den Zuschauern ein unmittelbares Musikerlebnis, weil sie viel direkter dabei sind als bei einer professionellen Produktion.

Nur eine Bierbank steht auf der kleinen Bühne, aber trotz dieser bescheidenen Ausstattung und spärlichen Bühnentechnik wird Mozarts Geist lebendig. Charmante Regieeinfälle lassen vergessen, dass auch das Ensemble reduziert ist. Die Bühne allein reicht den Akteuren trotzdem nicht. Sie nutzen alle Möglichkeiten des Raums, laufen durch den Saal zwischen den Zuschauerreihen hindurch, tauchen aus verschiedensten Türen auf und treten in alle Richtungen ab. So erzielen sie eine Präsenz, die sie in einem großen Opernhaus vielleicht nicht erreicht hätten.

Absolute Präzision

Die jungen Stimmen der Sänger haben noch nicht die volle Kraft, aber den Gemeindesaal können sie gut füllen. Die Frauen gefallen durchwegs. Mancher Zuhörer denkt vielleicht, dass Jennifer Ter Keurst als Königin der Nacht an ihre Grenzen stoßen würde, schließlich ist die Rolle einer ausgereiften Primadonna auf den Leib geschrieben worden. Aber ihre Stimme schwingt sich mit absoluter Präzision in schwindelnde Höhe, und auch die berühmte Rachearie meistert sie bravourös mit Eleganz und Sicherheit. Unter den Männern sticht Ryan Kirk als Papageno hervor. Er überzeugt nicht nur mit einer schönen Stimme, sondern genauso als begnadeter Schauspieler, der seine Rolle nicht spielt, sondern lebt.

Mozarts Sprache trainieren

Die Sänger gerade der kleineren Rollen, wie die Damen der Königin der Nacht, die Knaben und Soldaten, übernehmen gemeinsam die Funktion des Chors. Sehr erfreulich ist auch die deutsche Aussprache der amerikanischen Sänger. Es ist deutlich hörbar, dass sie ihren Aufenthalt auf dieser Seite des Atlantiks dazu nutzen, die komplizierten Buchstabenfolgen in Mozarts Muttersprache zu trainieren. Russell Franks, Gesangslehrer und Regisseur der Inszenierung, steht mit seinem schönen Bass als Sarastro auf der Bühne. Seine Gegenwart gibt im zweiten Akt den jungen Akteuren Sicherheit.

Eine wahre Freude bereitet auch das kleine Orchester. Unter Leitung von Dorian Keilhack spielt neben den SRIMF-Studenten auch eine Flötistin der Städtischen Sing- und Musikschule. Keilhack dirigiert sehr expressiv und leitet die Musiker mit klaren, eindeutigen Gesten.

Drei Wochen Probe

Nicht nur die Instrumentalisten, sondern auch die Sänger führt er sicher durch alle Schwierigkeiten. Die Mitglieder des Opernensembles hatten schon zu Hause vor dem SRIMF begonnen, ihre Parts einzustudieren, aber erst hier proben sie miteinander. In der Probenphase von nur drei Wochen wachsen sie zu einem homogenen und ausdrucksstarken Klangkörper zusammen.

Immer wieder gibt es Szenenapplaus, und als nach Taminos Vermählung mit Pamina und dem Sieg des Guten das ganze Ensemble sich auf der Bühne versammelt, klatscht das Publikum stürmisch. Die Opernproduktion, erst die zweite in der inzwischen zehnjährigen Geschichte des SRIMF, ist ein voller Erfolg. Alle Mitwirkenden erhalten eine Rose. Keilhack reicht seine gleich weiter an Christl Pelikan-Geismann, die "Mutter des SRIMF", die das Festival jedes Jahr mit viel Liebe und großem Engagement vorbereitet.
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