Zwischen Tradition und Coolness

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
15.09.2015
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Eine Bühne brauchen sie eigentlich nicht, sagen sie. Ihr Platz ist die Straße, der Wald, die Natur. Oder auch der U-Bahnschacht. Trotzdem stehen sie auf der Bühne, an die fünfzig, sechzig mal im Jahr; zum zweiten Mal in Sulzbach-Rosenberg. Kofelgschroa begeisterte im Capitol mit Musik, die etwas ganz eigenes ist.

2012 kamen sie zum ersten Mal, zur Premiere des Steinlinger Balgs. Dabei sollte es nicht bleiben. Ihr Auftritt im Capitol, vom "Kultopf" organisiert, war nicht nur der Startschuss für das kulturelle Herbst- und Winterprogramm in der Stadt, sondern ein Erlebnis besonderer Art. Musik, die sich in kein Genre einordnen lässt, Texte, die banal oder hintergründig sind, dazu nicht alltägliche Instrumente und vier junge Männer, die sich in der Moderation fast ein wenig unbeholfen geben. Aber spielen können sie!

Sie kommen aus Oberammergau mit dem Hausberg Kofel. Von Gschroa, also Geschrei, ist ihre Musik allerdings weit entfernt. Sie beherrschen mehrere Instrumente: Maxi Pongratz, Komponist, Texter und Sänger der Gruppe, spielt Akkordeon, Michael von Mücke Flügelhorn und Gitarre, Martin von Mücke Helikontuba und Matthias Meichelböck Tenorhorn.

Aus dem frommen Ort

Die "netten Buben aus dem Trachtenverein" waren sie einmal in dem Ort, der Inbegriff der bayerischen Frömmigkeit ist. Doch schon auf ihrem Debutalbum rappte die Band ihrer konservativen Heimat ein dreistimmiges "Oberammerüberammergau". "Es gibt nichts und niemanden, der klingt wie Kofelgschroa, schrieb ein Kritiker, und wer sie hört im Capitol, kann das nur bestätigen. Die Band ist zwar 2007 aus traditioneller Volksmusik heraus entstanden, doch mittlerweile hat sie ihren ganz eigenen Stil entwickelt. Da ist zum einen die bayerische Mundart in ihren Stücken, es sind ihre besonderen Instrumente und es sind ihre Songs, gezeichnet von Melancholie, von Mollakkorden, von psychedelisch kreisenden Rhythmen, die mal Musettewalzer, mal Tango und sogar Bayerische sein können. Immer haben sie viele lange Strophen mit "valentinesken" Texten, die alltäglich, hintergründig oder ein wenig verrückt sind.

Vom Schlaf singen sie und vom Aufstehen, was "für die meistn Leit a Plag is". Sie philosophieren von Zäunen vorm Haus und Grenzen im Kopf, von den existenziell wichtigen Dingen im Leben, auch von der Pflege einer Blume, die irgendwann abgebrochen wird. Im "Schlaflied" beschreiben sie "Augen, so schwer wia a Sackerl Zement", sie betreiben Lautmalerei, Sprechgesang, treten als Solisten auf oder als Chor.

Publikum taut auf

Auch das Zusammenspiel der Instrumente wechselt. Die kleine Maultrommel harmoniert mit der großen Tuba, das Akkordeon gibt Melodie und Rhythmus vor, Gitarre, Tenorhorn und Gesang folgen in teils mantraartig wiederholten Texten, Melancholie, Müdigkeit, aber auch Freude und Dankbarkeit sind in den Stücken von Kofelgschroa vereint.

"Ein wenig verhalten" haben sie laut Maxi Pongratz das Publikum im Capitol zunächst empfunden. Das änderte sich aber. Nachdem Matthias Meichelböck "fürs Kumma und fürs Zualusen" gedankt hatte, wurden Zugaben gefordert, gab es Jubel und Pfeifen, stürmischen Applaus für eine Band, die lustig, verschroben und charmant den Spagat zwischen Tradition und Coolness meistert, zwischen bayerischer Aufmüpfigkeit und Popkultur.
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