Amberg-Sulzbach: Drei Jahre Haft wegen Missbrauch auf einem Rockfestival unter Alkoholeinfluss
Als wäre Sex ein bloßes Ding

Politik
Sulzbach-Rosenberg
14.01.2015
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Erst nach dem Urteil wurde ihm bewusst, dass er ein Verbrechen und kein Kavaliersdelikt begangen hatte. Weil er eine Frau unter heimtückischen Umständen missbrauchte, muss ein 22-Jähriger aus Baden-Württemberg drei Jahre hinter Gitter.

Frauen sind kein Freiwild. Auch dann nicht, wenn ein mit viel Alkohol verbundenes Rockfestival stattfindet, man sich dabei hemmungslos besäuft und die Promille bei den Beteiligten alle Sinne vernebeln. Was beim G.O.N.D.-Rockspektakel in Kreuth am 11. Juli 2013 geschah, ahndete die Erste Strafkammer des Landgerichts mit drei Jahren Haft.

Hoher Alkholisierungsgrad

Dabei konnte der angeklagte junge Mann durchaus noch von Glück reden. Denn wegen des bei ihm festgestellten hohen Alkoholisierungsgrads hatte das Gericht eine sogenannte Strafrahmenverschiebung vorgenommen und sich nicht dem auf fünf Jahre Gefängnis lautenden Antrag von Staatsanwältin Michaela Frauendorfer angeschlossen. Was war geschehen? Für die Strafkammer ist erwiesen, dass der mit seinem Bruder aus dem Raum Bad Mergentheim zu dem Festival angereiste junge Mann ein auf dem Campinggelände stehendes Iglu-Zelt betrat und sexuell über eine 27-Jährige herfiel, als sie nach ebenfalls heftigem Alkoholexzess in eine Art bewusstloser Tiefschlaf gefallen war.

Nichts in Erinnerung

"Das", befand die Kammervorsitzende Roswitha Stöber in der Urteilsbegründung, "war schwerer sexueller Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person." Die ebenfalls aus Baden-Württemberg stammende Frau war nach dem Übergriff noch viele Stunden nackt auf ihrer Luftmatratze gelegen, sie konnte sich an nichts erinnern. Erst als Zeltnachbarn sie auf den "Besuch" des ihr völlig unbekannten Mannes aufmerksam machten, wurde sie argwöhnisch und holte die Polizei.

Aussage angepasst

Vor Kriminalbeamten hatte der Täter zunächst angegeben, er sei nie im Zelt der Frau gewesen. Vor der Strafkammer räumte er nun ein, dass es zu Intimitäten gekommen sei. "Davon kann keine Rede sein", hieß es im Urteil. "Sie haben sich lediglich der Beweislage angepasst", sagte die Gerichtsvorsitzende und fügte hinzu, die alkoholbedingte willenlose Lage der 27-Jährigen "schamlos ausgenutzt" zu haben. Danach habe sich der Täter sinngemäß damit gebrüstet, dass da eine Frau im Zelt liege, die jeder haben könne. "Alkohol ist kein Freibrief für Straftaten", unterstrich Stöber. Gleichwohl müsse dieser Umstand bei der Urteilsfindung berücksichtigt werden. Das hatte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer klar verneint. "Es ist eindeutig widerlegt, dass diese Frau mit den Intimitäten einverstanden war", unterstrich sie und berief sich auf unbeteiligte Zeugen, die hautnah ein Bild vom Hergang der Ereignisse vermittelt bekommen und sie dann auch der Strafkammer in Einzelheiten geschildert hatten.

Jähe Einsicht

Mit ihrem Antrag auf fünf Jahre Haft stand die Staatsanwältin im krassen Gegensatz zu dem Bad Mergentheimer Verteidiger Josef Gläser. Der Beweis zu einem sexuellen Missbrauch sei nicht zu führen, ließ Gläser anklingen und forderte Freispruch. "Sollte es doch zu einer Verurteilung kommen, muss eine zur Bewährung ausgesetzte Strafe verhängt werden." Die Kammer schickte den bis dahin nicht vorbestraften Angeklagten drei Jahre hinter Gitter. Erst als diese Ahndung ausgesprochen war, sackte der 22-Jährige in sich zusammen. Bis dahin war ihm nicht klar geworden, dass dieser G.O.N.D-Besuch im oberpfälzischen Kreuth bis an die Wurzeln seiner Existenz gehen würde.
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