Filmbeitrag über Gaffer bei Unglücksfällen entsteht
Retter mit viel Wut im Bauch

Sie berichteten dem Filmteam von ihren Eindrücken: Erwin Gräml vom BRK und Feuerwehr-Kommandant Jürgen Schloss (von links) sowie Hauptkommissar Michael Kernebeck (Zweiter von rechts). Bild: Gebhardt
Politik
Sulzbach-Rosenberg
18.03.2015
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Die Verbitterung und der Ärger standen ihnen immer noch ins Gesicht geschrieben: Einsatzkräfte und Helfer trafen sich auf Initiative eines Filmteams nochmal an der Unfallstelle an der B 85, wo zwei Menschen ihr Leben verloren hatten. In einem Beitrag für die ZDF-Sendung "Hallo, Deutschland" schilderten ein Ersthelfer, Rosenbergs Feuerwehrkommandant Jürgen Schloss und der stellvertretende Inspektionsleiter Michael Kernebeck ihre Eindrücke vom Geschehen.

Einfach durchgefahren

Ein Helfer, der ganz kurz nach dem Zusammenstoß an der Kreuzung bei Kropfersricht eingetroffen war, berichtete von nur wenigen anderen, die sich ihm anschlossen. Manche Verkehrsteilnehmer seien einfach weitergefahren, sogar durch die Unfallstelle hindurch, vorbei an den gerade mit der Reanimation beschäftigten Helfern. "Völlig unmögliches Verhalten", urteilte der 34-Jährige auch vor der Kamera.

Filmen vom Balkon

Kreisbrandmeister Jürgen Schloss, als Kommandant der Rosenberger Wehr an diesem Dienstag mit seinen Männern hart an der Belastungsgrenze, erinnerte sich an "volksfestartigen Zulauf" auf der Straße von Kropfersricht zur B 85: "Autos, Leute, Handy-Filmer, Neugierige in Haufen - ein erschreckendes Szenario!"

Das Ganze ähnelte stark den Vorkommnissen beim Brand in der St.-Georg-Straße einige Stunden vor dem Unfall: "Auch da gab es jede Menge Schaulustige, manche standen im Nachthemd auf den Balkonen, haben pausenlos gefilmt, teilweise sogar die Feuerwehrleute aus nächster Nähe beim Einsatz!"

Bei solchem Verhalten fehlen einem die Worte, das unterstrich auch Polizeihauptkommissar Michael Kernebeck. Er musste erleben, dass die Angehörigen der Unfallopfer schon über Internet und "soziale Netzwerke" vorinformiert wurden über das schreckliche Geschehen.

Unentschuldbar

"Wieso können wir uns nicht wehren gegen solche Praktiken?" - diese Frage hatten alle Interviewten gemeinsam. Wie die Benennungen der Beiträge im Netzwerk zeigten, erfolgte der Versand der "Neuigkeiten" teilweise noch während der Rettungsarbeiten. Ein unentschuldbares Verhalten, darüber zeigten sich auch die Macher des Filmbeitrags einig mit ihren Gesprächspartnern. Sie berichteten davon, dass die Polizei in Köln kürzlich auf der Autobahn bei einem ähnlichen Unfall die Kennzeichen aller Autos erfasste, aus denen gefilmt wurde, und Anzeigen erstattete.

Es bleibt ein Gefühl der ohnmächtigen Wut bei den Rettern zurück, die ihre Gesundheit riskieren und dafür manchmal noch von rücksichtslosen Zeitgenossen behindert oder gar gefährdet werden.
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