Gedenkfeier zum Antikriegstag in Sulzbach-Rosenberg
Keine Sicherheit durch Mauern

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"Nicht trotz, sondern auch wegen der Flüchtlinge wurde Deutschland zum Wirtschaftswunderland." Zitat: Antonia Enssner
Politik
Sulzbach-Rosenberg
03.09.2016
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Am Ehrenmal auf dem Friedhofberg gedachten Gewerkschafter der Opfer von Kriegen und Nazi-Terror. Bilder: Gebhardt (2)

Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Das Gedenken daran wird auch in Sulzbach-Rosenberg wach gehalten. Aktuelle Anlässe gibt es wieder in wachsender Zahl.

Der Anspruch auf Asyl ist im Völkerrecht verankert und kennt keine Obergrenzen: Daran erinnerte Gewerkschaftssekretärin Antonia Enssner bei der Veranstaltung der IG-Metalljugend zum Antikriegstag am Mahnmal auf dem Friedhofberg. Musikalisch begleitete Stefan Steinhauser, Betriebsrat bei Siemens Kemnath, die Feier. Den Abschluss bildete die Kranzniederlegung für die Opfer des Nationalsozialismus und der Kriege.

"Es geht ums Überleben"


Vor einem Jahr kam der erste Zug mit 400 Geflüchteten aus Kriegsgebieten in München an, rief Jugendsekretär Matthias Scherr ins Gedächtnis. Diese Menschen hätten nicht freiwillig ihre Heimat verlassen. "In ihren Ländern herrscht Krieg. Es ging und geht ihnen um das nackte Überleben", betonte Scherr. Angesichts einer Debatte um Flüchtlinge, die sich immer mehr zuspitze, sei es umso wichtiger, den 1. September als Antikriegstag zu begehen und deutlich zu machen, dass die Würde jedes Menschen unantastbar sei.

Krieg und Gewalt seien seit dem Zweiten Weltkrieg über viele Jahre weit entfernt gewesen. Das habe sich verändert, wies Antonia Enssner auf die große Zahl an Flüchtlingen hin. Zudem habe der Terror inzwischen auch Deutschland erreicht. Darauf reagierten manche mit Forderungen nach Abschottung, Überwachung und militärischen Maßnahmen. Aber damit werde keine Sicherheit geschaffen.

"Weder der IS noch der Terror können militärisch besiegt, sondern höchstens geschwächt werden", machte sich die Rednerin für eine politische Lösung stark. Dasselbe gelte für die behauptete Flüchtlingskrise. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen 12,5 Millionen Flüchtlinge und zusätzlich Kriegsgefangene, ehemalige Lagerinsassen sowie nach 1949 weitere Millionen Menschen aus der DDR in die Bundesrepublik.

"Trotzdem ist dieses Land nicht untergegangen, sondern hat im Gegenteil eine rasante Entwicklung genommen. Nicht trotz, sondern auch wegen der Flüchtlinge wurde Deutschland zum Wirtschaftswunderland", betonte Enssner.

Fluchtursachen bekämpfen


Das Recht auf Asyl sei im Völkerrecht verankert und kenne keine Obergrenzen. Nicht Zäune und Mauern könnten das Problem lösen, sondern die Fluchtursachen müssten bekämpft werden. Migranten, die in die Industrienationen fliehen, kämen, weil sie in den Heimatländern keine Perspektive mehr sehen. Und daran seien die Industrieländer nicht unschuldig, erläuterte Antonia Enssner. Durch die Ausbeutung und Zerstörung von Lebensräumen in den Entwicklungsländern werde die Ungleichheit verschärft.

Wenn Zölle wegfallen


Freihandelsabkommen wie TTIP verschlechterten diese Situation zusätzlich. Gerade ärmere Länder, die auf den Export landwirtschaftlicher Produkten angewiesen sind, wären nach dem Wegfall von Zöllen zwischen den USA und Europa noch weniger konkurrenzfähig.

Ein Schritt in die richtige Richtung sei die kürzliche Aufstockung des Etats für Krisenprävention und Friedenserhaltung bei der UNO auf 250 Millionen Euro gewesen. Aber es spreche Bände, dass der Etat für militärische Beschaffungen im gleichen Zeitraum bei 4,5 Milliarden liege.

Wenn man Kriege, in deren Folge Menschen flüchten, verhindern will, sollte man sich an das Völkerrecht halten, das die Gewalt zwischen Staaten verbietet. Statt gewaltbereite Oppositionsgruppen zu bewaffnen, wäre es besser, friedliche und demokratische Bewegungen zu unterstützen - zum Beispiel in Syrien.

Nicht trotz, sondern auch wegen der Flüchtlinge wurde Deutschland zum Wirtschaftswunderland.Antonia Enssner
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2 Kommentare
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Rene Kinderlein aus Sulzbach-Rosenberg | 05.09.2016 | 08:06  
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Stefan Kreuzeck aus Pfreimd | 08.09.2016 | 17:50  
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