Gespräch mit dem israelischen Generalkonsul Dan Shaham-Ben Hayun
Wunder der engen Partnerschaft

Zusammen mit Bürgermeister Michael Göth (links) besichtigt der israelische Generalkonsul Dan Shaham-Ben Hayun die ehemalige Synagoge in Sulzbach-Rosenberg. Bild: oy
Politik
Sulzbach-Rosenberg
18.12.2015
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Stadtarchivar Johannes Hartmann (links), Stadtheimatpfleger Markus Lommer (Zweiter von links) und Bürgermeister Michael Göth (rechts) führten den israelischen Generalkonsul Dan Shaham-Ben Hayun durch die ehemalige Synode in Sulzbach-Rosenberg. (Foto: oy)

70 Jahre nach Ende des Holocaust, 50 Jahre nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen sind Deutschland und Israel Partner geworden. Es gibt keine verschlossenen Türen. Der Blick richtet sich nach vorn.

Anfang November bezog das israelische Generalkonsulat in München offiziell seine neuen Räume - vier Jahre nach der Eröffnung der Vertretung an der Isar. Ein Zeichen für die guten und weiter wachsenden deutsch-israelischen Beziehungen. Schließlich ist die bayerische Landeshauptstadt einer der wenigen Orte in westlichen Ländern, an denen Israel in den vergangenen 40 Jahren ein neues Konsulat eingerichtet hat, sagt Generalkonsul Dan Shaham-Ben Hayun im Gespräch mit unserer Zeitung. "Ein wichtiges Zeichen für uns."

Der Generalkonsul ist für ganz Süddeutschland zuständig. Es gibt viele Verbindungen in die Oberpfalz: nach Tirschenreuth zum Architekturbüro Brückner und Brückner, das den Entwurf für den Erinnerungsort Olympia-Attentat München 1972 liefert, oder zum Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Jörg Skriebeleit, der die Projektgruppe zur Entwicklung des Erinnerungsortes leitet, und seit Mittwoch auch nach Sulzbach-Rosenberg, wo der Diplomat die ehemalige Synagoge besuchte.

Zweiter Einsatz


Der 50-Jährige ist der zweite Generalkonsul seines Landes an der Isar, und er ist zum zweiten Mal in Deutschland. Von 1995 bis 1998 war er Direktor für Öffentlichkeitsarbeit an der Botschaft in Bonn, seit 2013 ist er in München. Zwischendurch war der Diplomat in London (Großbritannien), Houston (Texas, USA) und im Außenministerium in Jerusalem.

Mit Blick auf seine Zeit in Bonn sagt Shaham: "Heute ist es viel besser und einfacher. Heute fragen wir: Was können wir gemeinsam tun?" Für ihn bedeutet das, die Beziehungen zwischen Israel und Deutschland zu vertiefen sowie wirtschaftliche, kulturelle und persönliche Verbindungen auszubauen. Themen sind etwa Digitalisierung, Bildung oder Integration.

Deutschland könne von den Erfahrungen Israels profitieren. Ein Beispiel ist das israelische Konzept des Sprachkurses für Einwanderer: Ulpan - eine sehr intensive, die Alltagssprache betonende und interaktive Unterrichtsmethode. Oder: Arabische Israelis könnten anhand des eigenen Beispiels arabischen Flüchtlingen in Deutschland erklären, dass sich Islam und arabische Kultur auch in eine Demokratie einfügen. "Am Ende des Tages spielt unsere Menschlichkeit die Hauptrolle", sagt Shaham mit Blick auf die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland. Sein Land will dabei helfen. Shahams sephardische Wurzeln reichen bis nach Marokko. Das spiegelt sich in seinem Namen wider. Dan Shaham ist der hebräisierte Teil, Ben Hayun der arabische. Später habe er beides zusammengefasst, erzählt der Diplomat - eine "integrierte Identität", wie es so viele in seiner Heimat gibt.

Menschen bauen Brücke


Der Diplomat macht deutlich, dass das, was zwischen Israelis und Deutschen erreicht wurde, nicht nur der Diplomatie geschuldet ist, sondern dem Einsatz der Menschen. Dazu gehören der Jugendaustausch, der kulturellen Austausch und die Städtepartnerschaften. Beispiele dafür gibt es auch in der Oberpfalz, etwa die Partnerschaft Ammerthals (Kreis Amberg-Sulzbach) mit dem israelischen Modiin oder der von den Israelis Ali Ayoub und Shaul Hollander angestoßene alljährliche Besuch israelischer Jugendlicher in Flossenbürg - das Besondere: Es kommen Juden sowie Christen und Muslime.

Der Generalkonsul will schon im April wieder nach Sulzbach-Rosenberg kommen, um an den kulturellen Austausch der Vergangenheit anzuknüpfen. Es sei nicht zu Ende, sagt er mit Blick auf die jahrhundertealte gemeinsame Geschichte.

50 Jahre deutsch-israelische BeziehungenVor 50 Jahren, am 12. Mai 1965, besiegelten der damalige israelische Premier Levi Eschkol und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Staaten. Damals, 20 Jahre nach dem Holocaust, war dies für viele in Israel ein kaum akzeptabler Schritt: Beziehungen zum Land der Mörder. Sie wollten an der Ächtung Deutschlands festhalten, wie sie auch durch einen Vermerk im israelischen Pass zum Ausdruck kam: Für alle Länder außer für Deutschland. Dass beide Länder trotzdem heute enge Partner sind, grenzt an ein Wunder. Zu dem trug auch bei, dass das Deutschland von heute ein neues Deutschland ist. (paa)
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