Minister Spaenle im Fraunhofer-Institut
VW testet Kraftstoff aus Sulzbach

Günter Koller (rechts), 2. Bürgermeister der Stadt, überreicht JU-Bezirkschef Christian Doleschal (von links), Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle und Professor Andreas Hornung das Standardwerk über Sulzbach-Rosenberg. Bild: Herda
Politik
Sulzbach-Rosenberg
11.03.2016
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JU-Bezirkschef Christian Doleschal eräutert das "Vereinsziel" des Zukunftskreises.

"Chemie ist das, wo's stinkt und kracht", führte ein alter Chemielehrer am Gymnasium in das Fach ein. Analog dazu reicht Professor Andreas Hornung kleine Fläschchen zum Schnüffeln rum. Das Fraunhofer-Institut Umsicht in Sulzbach-Rosenberg verwandelt Überschussmaterialien aller Art in fluide Energie - kein Stein, aber eine Flüssigkeit der Weisen.

Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle nimmt eine Nase von der klaren Lösung, die wie Waschbenzin riecht. "Bitte kein Feuerzeug ranhalten", scherzt Hornung. Auch die JU-Nachwuchspolitiker fächeln brav den Duft zum Riechorgan. "Das ist ein echter Kraftstoff aus Biogasrückständen", sagt stolz der Institutsleiter, der wegen des Angebots aus der ehemaligen Hauptstadt Neuböhmens sogar den Wissenschaftsstandort England verließ. "Ein Stoff, aus dem Sie normalerweise nichts mehr machen, wird gerade bei VW getestet."

Energietechnik, Thermische Verfahren, Kreislaufwirtschaft, Biologische Verfahrenstechnik und Neue Materialien sind die Fachbereiche, welche die Energiewende vor Ort möglich machen sollen - pragmatisch wie die Fraunhofer-Epigonen sind, nah dran an der heimischen Wirtschaft in Kooperation mit landwirtschaftlichen Betrieben. Über allem schwebt als Fixstern die Bio-Batterie, "die erlaubt, Abfallstoffe in hochwertige Energieträger zu überführen - wir sind die Ersten weltweit, die sie erfolgreich patentierten und auf den Markt zu brachten".

Wenn man dem begeisterten Forschungsleiter und den Politikern glauben darf, kann man den Stellenwert dessen, was in der ehemaligen Maxhütte heranwächst, nicht hoch genug einschätzen - eine Art MIT, Massachusetts Institute of Technology, der Oberpfalz. Oder wie Landrat Richard Reisinger das ausdrückt: "Sie sind Zeitzeugen des Erfolgs von Fraunhofer Umsicht - ich wünsche jedem, dass wir solche Leuchttürme in ländliche Regionen bringen mit namhaften zweistelligen Millionenbeträgen der Staatsregierung."

Schon das Organogramm zeige, dass der Freistaat damit auch sein regionalpolitisches Ziel erreiche: "Zwei Abteilungsleiter sind echte Sulzbacher, junge Akademiker, die sonst nicht bei uns ansässig geworden wären." Und Hornung ergänzt: "Alle fühlen sich wohl hier in der Stadt, haben ihre Familien hergeholt oder ihre andere Hälfte gefunden - sind verwurzelt mit Arbeit und Familie."

"Erste Auslandsreise"


So soll es sein, findet der Wissenschaftsminister. Schließlich verfolge München das übergeordnete Ziel, Wissenschaft zu den Menschen zu bringen, damit junge Leute, die studieren wollten, nicht ihre Heimat verlassen müssten. Nach dem Krieg habe es in der Oberpfalz außer einem theologischen Institut des Bistums Regensburg keine Hochschule gegeben. Heute gebe es mit der Volluniversität Regensburg und den Hochschulen in Amberg-Weiden, Cham, Neumarkt und Sulzbach-Rosenberg viele Innovationszentren.

"Vor 40 Jahren habe ich meine erste Auslandsreise in die Oberpfalz angetreten", scherzt der Minister, "damals haben wir beraten, wie man die einzige stahlproduzierende Einheit in Süddeutschland mit etwas zusammenführen kann, das Zukunft hat - es freut mich, was aus dem Konversionsgelände geworden ist."

5. Zukunftskreis der Jungen Union"Raus aus den Hinterzimmern, rein in die Welt", formuliert Christian Doleschal, Bezirkschef der Jungen Union Oberpfalz, das Anliegen des JU-Zukunftskreises. Anders formuliert: "Vorfahrt für junge Oberpfälzer Interessen." In diesem Sinn trafen sich die jungen Schwarzen bereits mit dem Bischof, befragten einen Forscher an der OTH Weiden zur Generation Y oder Heimatminister Markus Söder zu heimischen Perspektiven.

"Chancen für den Wissenschaftsstandort Oberpfalz" diskutierten die Nachwuchskonservativen im Fraunhofer-Institut Umsicht mit Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle unter Leitung des Landtagsabgeordneten Gerhard Hopp. Resümee der Diskussionsbeiträge: "Toller Job, Herr Spaenle." Der Münchener revanchiert sich mit launigen Kalauern: "Ihr müsst nicht alles trinken, was wie Wodka aussieht", kommentiert er die Riechprobe von Professor Hornung.

Nur einmal kommt so was wie Debatte auf, als sich Geisteswissenschaftler Alexander Eiber, stellvertretender Landesvorsitzender des RCDS, kritisch mit der Internetlastigkeit der Millennials auseinandersetzt und soziale Kompetenz vermisst. Spaenle kontert: "Wir werden da keine Grenzen einziehen, die Dynamik dieser Entwicklung wird alles verändern." (jrh)
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