Polizeiliche Ausbildungshilfe Nordafrika
Freunde und Helfer in Tunis

Zu den Modulen der "Polizeilichen Ausbildungshilfe Nordafrika" gehört unter anderem die Verkehrskontrolle. Tunesische Ausbilder beobachten eine solche Maßnahme nach bayerischen Standards in Sulzbach-Rosenberg. Bilder: hfz
Politik
Sulzbach-Rosenberg
10.11.2015
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"Theorie und Praxis sind bei uns eng verknüpft." Erster Polizeihauptkommissar Thomas Scherer

Wenn im Dezember in Oslo der Friedensnobelpreis an das "Nationale Dialogquartett" vergeben wird, freuen sich auch ein paar Oberpfälzer. Denn sie haben dazu ein Stück beigetragen.

Sulzbach-Rosenberg/Tunis. Die Preisträger werden in den Medien oft als "Retter Tunesiens" bezeichnet. An diesem Titel hat auch die Bereitschaftspolizei in Sulzbach-Rosenberg einen Anteil - "einen winzig kleinen", lacht Josef Strobl, Leitender Polizeidirektor der Bereitschaftspolizei in Sulzbach-Rosenberg. Und: "Wir haben uns echt gefreut." Bei der Bekanntgabe, dass der Friedensnobelpreis in diesem Jahr an das tunesische Quartett für nationalen Dialog geht, war klar: Dieses Land ist es wirklich wert, unterstützt zu werden.

Gemeinsames Konzept

Bei einem gemeinsam entwickelten Ausbildungskonzept bekommt das Land, in dem der arabische Frühling startete, Unterstützung aus der Oberpfalz: Das Ganze läuft unter dem Namen "Polizeiliche Ausbildungshilfe Nordafrika". Als größten Ausbildungsstandort für Polizisten in Bayern mit hervorragenden Referenzen wählte das Bundeskriminalamt (BKA) die Sulzbach-Rosenberger für eine groß angelegte Aktion aus.

"Wir wurden vom Nordafrika-Beauftragten des BKA angerufen und gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, mitzumachen", erinnert sich Strobl an das Gespräch vom Frühjahr 2014. Mit Erstem Polizeihauptkommissar Thomas Scherer und sechs Polizeifachlehrern hilft Strobl Tunesien - und zwar unter anderem auch direkt vor Ort gemeinsam mit den tunesischen Polizisten. Zunächst einmal sollten tunesische Führungskräfte nach Deutschland kommen. "Vier Leute von der Garde Nationale waren eine Woche da", erinnert sich Strobl. Und die tunesischen Kollegen zeigten sich "sehr motiviert und interessiert. Ich war beeindruckt."

Das Konzept der polizeilichen Nordafrikahilfe: Sie bilden tunesische Polizei-Ausbilder aus - "train the trainer" heißt das Prinzip, wie Strobl erklärt - also Multiplikatoren schulen, die ihre Kenntnisse dann weitergeben. Und: "Bayern zahlt nichts, sondern liefert nur 'brain'", sagt Strobl und tippt sich mit dem Finger an die Stirn. 'Brain': Hirn und Verstand - Wissen - also, das die bayerische Polizei den Tunesiern zur Verfügung stellt. Angepasst an die Gegebenheiten vor Ort.

In vier Schritten

Die nordafrikanischen Vertreter waren überzeugt von der modularen Ausbildung der bayerischen Polizei. "Theorie und Praxis sind bei uns eng verknüpft", erklärt Scherer. In vier Schritten ist die polizeiliche Hilfe aufgebaut: die Bedarfserhebung in Tunesien, der Besuch tunesischer Führungskräfte in Sulzbach-Rosenberg und ein Konzept zusammenstellen, dessen Verfeinerung sowie das gemeinsame Umsetzen in Tunesien. Letzteres ist für das Frühjahr 2016 geplant, derzeit befinden sich die Verantwortlichen in der dritten Stufe.

Themengebiete sind dabei Durchsuchungsmaßnahmen, Personen- und Verkehrskontrolle, erzählt Jochen Riedling. Der Polizeihauptkommissar ist einer der sechs mit dem Projekt betrauten Polizeifachlehrer. Die Themen seien speziell nach dem Modularsystem für tunesische Verhältnisse entwickelt worden.

Seine Kollegin, Polizeihauptkommissarin Daniela Weidner-Kainz, ist ebenfalls mit dem Projekt betraut. Sie spricht kleine Kommunikationsprobleme an. "Wir hatten immer eine Profi-Dolmetscherin dabei", sagt sie. Dennoch war es am Anfang etwas schwierig. "Wir haben alles auf Deutsch präsentiert, das wurde dann auf Französisch übersetzt und die Tunesier haben meist auf Arabisch untereinander diskutiert." Alle Unterlagen seien vorher an Dolmetscher gegangen, die die Papiere übersetzten, fügt Scherer hinzu. Derzeit befindet sich das Projekt im dritten Stadium, "das läuft gerade, jetzt müssen die Tunesier alles vorbereiten", erklärt Scherer.

"Wie daheim gefühlt"

Im nächsten Frühjahr soll dann die "Polizeiliche Ausbildungshilfe Nordafrika" in den vierten und damit letzten Schritt gehen. Vielleicht könne man das Projekt noch "weiterführen" und "auf eine breitere Basis stellen". Die Voraussetzungen jedenfalls sind gegeben - auch außerhalb der dienstlichen Unterstützung: "Ich habe mich wie daheim gefühlt", sagt Strobl. "Daheim unter Freunden."
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