Senior im Regionalexpress bedroht
Alleingelassen im Zug

Symbolbild: uax
Politik
Sulzbach-Rosenberg
23.06.2015
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Die Aussage eines Polizeibeamten "Wir kommen lieber einmal umsonst als einmal zu spät" in einem jüngsten Zeitungsartikel klingt angesichts seiner Erfahrung mit der Polizei für ihn wie Hohn: Ein älterer Herr erlebte Schlimmes im Regional-Express von Regensburg nach Nürnberg. Er vertraute sich unserer Zeitung an. Seinen Namen wird die Redaktion ausnahmsweise nicht nennen.

Die Polizei komme nicht "lieber einmal umsonst", sondern sie komme gar nicht, selbst wenn es sich um eine Bedrohung an Leib und Leben handele, das ist jetzt die Meinung des Seniors. Er saß im Regionalexpress von Regensburg nach Nürnberg. "Ich war kurz zuvor nach einer Blasenoperation aus einem Regensburger Krankenhaus entlassen worden. Da bei solchen Eingriffen viel Flüssigkeitsaufnahme sehr wichtig ist und der Tag sehr heiß war, galt meine erste Sorge dem WC des Zuges. Zu meinem Schrecken war es verschlossen", erzählt der Mann.

Er wartete etwa sieben Minuten, dann klopfte er an die Türe. Von innen sei eine wütende Stimme gekommen:"Bin gleich fertig!" Nach weiteren acht Minuten war es bei ihm dringlich. Der Fahrgast klopfte erneut, worauf eine noch wütendere Antwort ertönte. Ein Versuch seiner Frau führte zum selben Ergebnis.

"In meiner Not griff ich nun zu einem Bluff, der mir zum Verhängnis wurde", berichtete uns der Senior: "Obwohl ich wusste, dass kein Personal im Zug war, sagte ich zu meiner Frau, dass ich die Toilette durch den Zugbegleiter öffnen ließe. Daraufhin flog die Türe auf und ein völlig von Sinnen scheinender Jugendlicher schrie auf mich ein und drohte handgreiflich zu werden, was nur durch das mutige Eingreifen zweier junger Frauen und eines jungen Mannes verhindert wurde, denen ich hier noch einmal danken möchte!"!

Der Angegriffene verständigte daraufhin über Notruf die Polizei, die zusagte, zwei Beamte an den Schwandorfer Bahnhof zu schicken. "Wie ich erwartet hatte, war dort niemand zu sehen." Später habe er durch Zufall erfahren, dass die Streife durch die Aufnahme eines Verkehrsunfalls verhindert war. "Wer nun glaubt, dass der Fall nach Amberg weitergegeben wurde, irrt sich. Auch dort war niemand zu sehen!"

Der Bedroher befand sich immer noch im Zug. "Er hätte also Gelegenheit gehabt, am Zielbahnhof, wo weit und breit niemand zu sehen war, sich uns in aller Ruhe noch einmal vorzunehmen." Dass es nicht so weit kam, verdankte das Paar einem glücklichen Zufall: "Die Frau, neben die ich mich gesetzt hatte, sagte mir, dass sie von ihrem Mann abgeholt werde. Er sei Polizist, jedoch habe er momentan frei. Sie werde ihn bitten, sich den Bedroher einmal anzusehen."

So geschah es. Leider, schildert der Zeuge, habe der Beamte außer Dienst den Jugendlichen, der offensichtlich unter Drogeneinfluss gestanden sei, bei der erkennungsdienstlichen Behandlung durch eine Unachtsamkeit entkommen lassen. "Allerdings war er damit nicht mehr im Zug und die Gefahr so für uns gebannt."

Ein guter Ausgang der Geschichte? Weit gefehlt. Der Leser bilanziert nämlich: "Durch dieses Schockerlebnis bekam ich einen schweren Rückschlag, an dem ich jetzt noch leide und noch länger leiden werde."

Diese Geschichte dürfte einige Fragen aufwerfen, die auch für andere Zug-Passagiere wichtig sein könnten. Schließlich muss so ein Ereignis kein Einzelfall bleiben.
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