Sexueller Übergriff auf Festival
Nach G.O.N.D. droht lange Haft

Politik
Sulzbach-Rosenberg
14.01.2015
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Die Dröhnungen für 20 000 Besucher waren heftig. Das Bier floss in schier unbeschreiblichen Mengen, aus den Lautsprecherboxen röhrte es ohrenbetäubend. Was zwischendrin bei einem Rockfestival in Kreuth passierte, beschäftigt jetzt das Landgericht.

Ein Novum: Aus Amberg stammen weder die Beteiligten am Prozess noch die Zeugen. Allesamt junge Leute, die im Juli 2013 von weither zum G.O.N.D.-Festival anreisten. Kaum eingetroffen, begann bei vielen eine Art Sauf-Orgie. Zu denen, die eine Bierdose nach der anderen öffneten, gehörten auch die beiden Hauptpersonen des jetzt vor der Ersten Strafkammer zur Debatte stehenden Sexualverbrechens: ein 22-Jähriger aus dem Raum Bad Mergentheim und eine 27 Jahre alte Frau aus Esslingen.

"Zehn Bier und ein paar Schnäpse hatte ich schon", erzählte der angeklagte junge Mann den Richtern und setzte zu einem Geständnis an, das ihm allerdings keiner recht glauben mochte. Er sei am Campingplatz von seinem Zelt aus hinüber zum Nachbarzelt gegangen, um eine ihm völlig unbekannte Frau zu trösten. Warum? "Sie hatte Stress mit ihrem Freund." Dann sei es plötzlich zu Zärtlichkeiten gekommen, die gleich darauf in Intimitäten mündeten. "In beiderseitigem Einverständnis", wie er hinzufügte. Bei seinen polizeilichen Vernehmungen hatte der 22-Jährige die Beteiligung an einem Sexualdelikt noch massiv von sich gewiesen.

Betrunken und fast nackt

Gegenseitiges Einvernehmen? Später war in der Verhandlung davon keine Rede mehr. Die 27-Jährige ließ erkennen, dass sie betrunken in einen Tiefschlaf verfallen und irgendwann in ihrem Iglu-Zelt, das sie allein bewohnte, in nahezu unbekleidetem Zustand aufgewacht sei. Von einem sexuellen Übergriff wollte sie nichts mitbekommen haben. Doch das etwas in diese Richtung geschehen war, belegten später ärztliche Untersuchungen eindeutig.

Es gab Zeugen. Sie hatten beobachtet, wie der 22-Jährige in das Zelt kroch, nach einiger Zeit wieder herauskam und anzügliche Bemerkungen machte. Sinngemäß war ihnen zu entnehmen, dass die Frau es offenbar mit jedem treibe. Das wurde auch der 27-Jährigen berichtet, als sie wieder vor ihrem Zelt auftauchte. "Wir haben ihr geraten, die Polizei einzuschalten", sagte nun ein aus Franken angereister junger G.O.N.D.-Besucher. Andere ließen anklingen, die Frau sei ihrer Ansicht nach tatsächlich auf Suche nach Männerbekanntschaften gewesen.

In der Anklageschrift von Staatsanwältin Michaela Frauendorfer wird von "schwerem sexuellen Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person" ausgegangen. Vom Gesetz her ist das einer Vergewaltigung gleichgesetzt und mit Freiheitsstrafe ab zwei Jahren bedroht. Aus einem Gutachten des Erlanger Rechtsmediziners Professor Peter Betz ging hervor, dass viel Alkohol im Spiel war. Dies hatten Blutentnahmen ergeben.

"Da geht's zur Sache"

Als der mutmaßliche Täter das Zelt verlassen hatte, sahen zwei Mädchen aus Dortmund nach dem Opfer. Sie fanden die 27-Jährige entblößt und im Tiefschlaf vor. Beide bekundeten das in ihren schriftlich vorliegenden Aussagen. Was nicht darin stand: Weil die Frau nicht wachzurütteln war, hatten sie ihr das Handy geklaut. Der Diebstahl aber kam ebenso in die Polizeiakten wie ein Video, das von einem der Zeugen während des Vorfalls im Zelt von außen aufgenommen worden war. Die Kammervorsitzende Roswitha Stöber ließ es abspielen, wobei deutlich ein Kommentar des Handybesitzers zu hören war. Er lautete sinngemäß, dass es "da drinnen zur Sache geht." Der Prozess wird heute fortgesetzt. Dann ist auch mit einem Urteil zu rechnen.
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