Staatssekretärin Ingrid Fischbach zu Besuch
Gesetz noch nicht gut genug

Im ProCurand-Seniorenheim in Sulzbach-Rosenberg begrüßte Heimleiter Martin Preuß neben MdB Barbara Lanzinger auch MdL Dr. Harald Schwartz und Schulleiterin Martina Schiener (von links). Bilder: Huber (2)
Politik
Sulzbach-Rosenberg
22.03.2016
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Klinikum-Vorstand Manfred Wendl (links) führte Ingrid Fischbach (rechts) durch die neue Intensivstation, die gerade eingerichtet wird.

Krankenhaus und Pflege, das sind zwei hochsensible Themen. Das weiß Ingrid Fischbach, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesgesundheitsminister, nur zu gut. Bei ihrem Besuch im Klinikum St. Marien und im ProCurand-Seniorenheim gab es Kritik am neuen Krankenhaus-Strukturgesetz, aber auch Lob für Abbau von Bürokratie in der Pflege.

Amberg-Sulzbach. Ihre Bundestagskollegin Barabara Lanzinger hatte den Besuch der Staatssekretärin vermittelt, im Klinikum St. Marien empfing Vorstand Manfred Wendl mit seinem Team (Kaufmännischer Direktor Hubert Graf, Ärztlicher Direktor Dr. Harald Hollnberger und Pflegedirektorin Kerstin Wittmann) den Gast aus Berlin, flankiert von 2. Bürgermeister Martin Preuß.

So nicht zu erreichen


"Das Krankenhaus-Strukturgesetz wurde zwar inzwischen deutlich nachgebessert, doch es bleibt immer noch hinter den Erwartungen zurück", leitete Manfred Wendl seine Liste mit Kritikpunkten ein, die er der Staatssekretärin vorlegte. Die Qualität solle verbessert werden, gleichzeitig aber seien Ressourcen vorzuhalten, Leistungsfähigkeit und Personalbelastung müssten dadurch steigen: "Die Ziele sind so nicht zu erreichen", rechnete Wendl der Politikerin vor. Dazu komme, dass die Unterfinanzierung des Personalsektors wieder nicht beseitigt werde und durch Tarifabschlüsse größer werde.

Das neue staatliche Pflegestellen-Förderprogramm sei zwar zu begrüßen, aber viel zu gering ausgestattet. Bundesweit könnten damit für die 2000 Krankenhäuser nur rund 4000 Vollzeitstellen finanziert werden - auf das Klinikum entfielen nach dem aktuellen Schlüssel gerade einmal 2,47 Stellen: "Positiv, aber zu wenig!"

Belastet würden die Häuser auch durch den Abschlag, den sie bei Leistungsmehrung abgeben müssten. Die Neuberechnung des Landesbasis-Fallwertes koste St. Marien 760 000 Euro zusätzlich im Jahr. "Es ist nicht erkennbar, wie man mit finanziellen Kürzungen bei Krankenhäusern die Qualität steigern könnte", gab Wendl zu bedenken. Am Ende äußerte er die Befürchtung, dass durch Engpässe dieser Art auch die flächendeckende Versorgung von Frühchen durch Perinatal-Zentren in Gefahr sei.

Qualität das Kriterium


Ingrid Fischbach wies auf die mancherorts noch herrschende krankenhaustechnische Über- und Unterversorgung hin, ebenso auf das angestrebte Prinzip "Wer keine Qualität liefert, bekommt weniger". Sie räumte aber ein, dass die Festlegung der Qualitätsindikatoren schwierig sei. Einer kompletten Abdeckung von Tarifabschlüssen durch Zuschüsse erteilte sie aber eine klare Absage: "Das würde jegliche Verhandlungen ad absurdum führen!"

In der Forderung nach mehr Medizinstudenten und mehr Hausärzten auf dem Lande zeigte man sich einig. Abschließend hatte die Staatssekretärin noch eine tröstliche Aussage parat: "Dort, wo kleine Krankenhäuser gebraucht werden, sollen sie auch bleiben - das wollen wir sicherstellen!"

Weniger Papierkram, mehr KontaktEntbürokratisierung lautete das Hauptthema im ProCurand-Seniorenheim in Sulzbach-Rosenberg. Heimleiter Martin Preuß hatte gemeinsam mit Vera Trinenjans vom Qualitätsmanagement, der Leiterin der Caritas-Krankenpflegeschule, Martina Schiener, und Pflegedienstleiterin Elfriede Seelos zum Kaffee gebeten und stellte das Haus mit seinen 119 Bewohnern vor.

Die Fachkraftquote beim Pflegepersonal liege bei 60 Prozent, ständig befänden sich sechs bis acht eigene Auszubildende im Haus. Vera Trinenjans berichtete von der Eindämmung der Papierflut zugunsten der Pflegebedürftigen: Generell werde hier ein System eingeführt, das durch Entschlackung der Aufzeichnungen wesentlich weniger Papierkram für das Personal und so mehr Zeit für Menschen bedeute.

Auf momentan bis zu 15 Prozent Zeitersparnis bezifferte die Pflegedienstleiterin den Erfolg. Sehr positiv schätzte sie auch die Möglichkeit ein, Bewohner nach Wünschen zu befragen und die Antworten im Bogen zu vermerken. Die generalisierte Ausbildung in den Pflegeberufen, bei der weniger zwischen Alten-, Kranken- und Kinderpflege differenziert wird, bekam ebenfalls überwiegend positive Beurteilung aus der Runde. (ge)
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