Stadträte auf Informationstour im Bürgerspitalwald
Vom Leben im toten Holz

Förster Volker Binner (Fünfter von links) erklärte Bürgermeister Michael Göth, Stadträten und Verwaltungsvertretern den Waldumbau. Bilder: Royer (2)
Politik
Sulzbach-Rosenberg
21.09.2016
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Manchen Fingerzeig gab Revierförster Volker Binner den Stadträten beim Begehen im Bürgerspitalwald Haselgraben zum Thema Waldnaturschutz. Besonders in den Blickwinkel rückte er dabei die mit einer grünen Wellenlinie gekennzeichneten Biotop-Bäume. Sie zeichnen sich oft durch Spechthöhlen, Horste, extremes Alter, Totholz oder Pilzbefall aus.

Es ging um die Forstbewirtschaftung, Waldnaturschutz und Umbau der Wälder in Zeiten des Klimawandels. Der Stadtrat war am Dienstag zu einer Ortsbesichtigung in den Bürgerspitalwald ausgerückt. Vielleicht aber auch deshalb, um die Köpfe für die anschließende Sitzung im Rathaus in frischer Waldluft freizumachen.

Die Herzogstadt betreut und verwaltet 275 Hektar Wälder. Alljährlich berät der Stadtrat daher die Anerkennung der Jahresbetriebspläne (Erträge aus Holzeinschlag, Ausgaben und Kosten). Zur Erläuterung der aktuellen Situation im Bürgerspitalwald erwartete Volker Binner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg (AELF), die Stadträte im Bürgerspitalwald Haselgraben.

Wie der für das Forstrevier Sulzbach-Rosenberg zuständige Fachmann erläuterte, sei der Klimawandel die große Herausforderung für die Forstwirtschaft. Vor allem reine Fichtenbestände könnten Probleme bekommen, denn Fichten haben ein flaches Wurzelsystem. Dadurch seien sie einerseits auf regelmäßige Niederschläge angewiesen. Andererseits fänden die Bäume bei Stürmen weniger Halt im Boden. Trockenschäden und große Windwürfe seien Folgen.

Das Zauberwort heiße daher "Waldumbau". Klimaempfindliche Nadelwälder werden in widerstandsfähige Mischwälder umgewandelt. Ziel seien stabile und strukturreiche Mischwälder, die zu mindestens 30 Prozent aus Laubbäumen bestehen. Diesen Weg hat man auch in den städtischen Wäldern eingeschlagen. Anschaulich demonstrierte Binner den Stadträten an drei markanten Stellen den Fortschritt und die Situation bei den entsprechenden Umbaumaßnahmen.

Laubholzanteil steigern


Wie der Forstmann erläuterte, wolle man in dieser Waldabteilung den Buchen- bzw. Laubholzbestand bis zum Jahr 2023 auf 35 Prozent steigern. Begleitendes Ziel sei aber auch immer, Holz möglichst hochwertig zu verkaufen, um entsprechende Erlöse für die Bürgerspitalstiftung zu erwirtschaften. Anschaulich erlebten die Stadträte die verschiedenen forstlichen Abschnitte von gepflanzten Beständen über Naturverjüngung und hiebreifen Bäumen bis hin zum Totholz und Biotop-Bäumen, denen eine ungeheuere Bedeutung in naturnahen Wälder zukomme. Über das "Vertragsnaturschutzprogramm" konnte im Bürgerspitalwald bereits der Erhalt von 19 Biotop-Bäumen gefördert werden. Volker Binner verwies abschließend auch noch auf die Anbaurisiko-Karten für Bäume als Entscheidungshilfe.

Diese Karten stellen das standörtliche Anbaurisiko für 21 Baumarten für die Gegenwart und Zukunft dar. Sie erlauben somit einen Blick in die uns unbekannte Zukunft unter Annahme einer moderaten Erwärmung im Klimawandel.

HintergrundVerschiedene Tier-, Moos-, Flechten- und Pilzarten besiedeln jeden Baum von der Wurzel bis zur Krone. Als Biotop-Bäume bezeichnet man speziell jene, die aufgrund ihrer Beschaffenheit eine besondere Bedeutung für Fauna und Flora haben. Oftmals sind dies gerade Eigenschaften, die eine forstliche Nutzung weniger interessant machen. Der letzte Entwicklungsschritt im Leben eines Baumes ist das Totholz . Es ist eines der ökologisch wichtigsten Strukturelemente unserer Wälder. So leben darin rund 1350 Totholz-bewohnende und holzabbauende Käferarten sowie etwa 1500 Großpilzarten. (oy)
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Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 22.09.2016 | 19:20  
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