15 junge Bayern und Tschechen erarbeiten Audioguides zur Landesausstellung über Kaiser Karl IV.
Von der Schulbank ins Tonstudio

Für die Sprachaufnahmen gingen die Schüler ins Studio Franken des Bayerischen Rundfunks. Bild: hfz

Ganz am Anfang stand ein Info-Blatt aus dem Haus der Bayerischen Geschichte, das für Schülerprojekte zur ersten bayerisch-böhmischen Landesausstellung rund um Kaiser Karl IV. warb. Junge Sulzbach-Rosenberger und ihre tschechischen Freunde nahmen die Aufgabe an, Audioguides zu produzieren.

Den Anstoß gab Ludwig Nerb, Geschichtslehrer am Herzog-Christian-August-Gymnasium und Betreuer eines Schüleraustausches mit Tschechien. "Was ganz Anderes und Neues; etwas, was Schülern den Umgang mit Geschichte von einer anderen Seite zeigt und sie zugleich begeistern kann", erklärt er seine Sicht dazu.

Seinen Schulleiter Dieter Meyer für die Sache zu gewinnen, war relativ einfach, erzählt er. Bei der tschechischen Partnerschule in Rumburk dauerte es etwas länger. Sofort Feuer und Flamme waren die Schüler auf beiden Seiten. Sieben tschechische und acht deutsche Jugendliche im Alter um die 16 Jahren gingen letztlich an die Aufgabe heran. Sie kannten sich bereits aus zwei Wochen Schüleraustausch.

Für Ernüchterung sorgte allerdings die Liste der zu bearbeitenden Objekte: ein englischer Langbogen, ein jüdischer Grabstein, ein goldener Türzieher mit den Kurfürsten darauf, ein Votivbild und eine Statue Karls IV. "Unsere Gesichter wurden zunächst wohl immer länger, weil wir nicht recht wussten, was wir damit anfangen", erinnert sich Thomas, der einzige deutsche Junge. Doch das Haus der Bayerischen Geschichte schickte Hilfe: Dr. René Küpper, Bohemist, kam an beide Schulen und gab Tipps. Anfang März ging es für insgesamt fünf Tage nach Nürnberg in die Jugendherberge. Zwei Mediencoaches erarbeiteten mit den Schülerinnen Texte; Dr. René Küpper achtete auf deren historische Genauigkeit.

"Es war fast unglaublich, mit welcher Ausdauer sie in gemischten deutsch-tschechischen Gruppen an den Laptops schrieben", erzählt die tschechische Lehrerin Dita Hlavacova. Während die Gäste aus Tschechien schon vor den Mikros saßen, erhielten die bayerischen Teilnehmer noch den letzten Schliff bei Aussprache und Betonung. "Mir war gar nicht klar, wie genau die Betreuerin unsere Texte versteht und uns immer wieder verbessert, bis es passt", meint Ines. (Mehr zum Thema)

AudioguideDas Kunstwort setzt sich aus den Begriffen Audio (lateinisch: "ich höre") und "Guide" (englisch: "Führer") zusammen. In Museen und Ausstellungen versorgen Audioguides den Besucher mit zusätzlichen Informationen, die er als Tonkonserve hören kann. Die Aufnahmen der Schüler aus Sulzbach-Rosenberg und Rumburk für die bayerisch-böhmische Landesausstellung Kaiser Karl IV. kommen in der Reithalle des Wallenstein-Palais in Prag ab Samstag, 14. Mai, bis Sonntag, 25. September, zum Einsatz. Danach zieht die Historienschau weiter ins Germanische Nationalmuseum nach Nürnberg. Dort ist sie ab Donnerstag, 20. Oktober, bis Sonntag, 5. März 2017, geöffnet.

Radio History geht auf Sendung

Sulzbach-Rosenberg. Wie haben die bayerischen Teilnehmerinnen die schwierige Aufgabe gelöst, Texte für die bayerisch-böhmische Landesausstellung einzusprechen? So viel sei verraten: Moderatorin Julia sitzt in einem Studio und erhält von Lokalreportern Beiträge zu bestimmten Situationen eingespielt.

Zum Beispiel berichtet Annika von der Eröffnung der Universität in Prag und schafft es, dabei die böhmische Königin Margarete von Valois ans Mikrofon zu holen. Letztere wird von Sina mit einem bezaubernden französischen Zungenschlag gesprochen.

Im nächsten Beitrag schleichen sich Kirsten und Elisabeth von Pommern heimlich durch die Festung Karlstein und staunen über die vielen Reliquien. Antonia berichtet über den hinterlegten Handschuh des Kaisers. So haben alle Teilnehmerinnen in verschiedenen Sprecherrollen ihre Auftritte.

Und was macht Thomas, der einziger Junge? Er griff zu seiner Gitarre und vertonte einen Jingle für "Radio History", der - begleitet von wechselnden Slogans - am Beginn eines Beitrags steht.
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