1981 begann die Marburger Missionsschwester Gerlinde Fuchs ihren Dienst in Japan
Jedes Jahr fand mindestens eine Person zum christlichen Glauben

Gerlinde Fuchs baute in Japan eine Art Mini-Volkshochschule auf. Mancher Besucher ihrer Kurse fand den Weg zum Christentum. Bild: wbe

Japaner besuchen in der Regel buddhistische Tempel und shintoistische Schreine. Sie glauben an mehrere Götter. Das Christentum kommt ihnen auf den ersten Blick vielleicht "einseitig" vor. Vor mehr als 30 Jahren zog eine Rosenbergerin aus, ihnen einen tieferen Einblick zu gewähren.

Einer Einladung des Schützenvereins Rosenberg folgte Schwester Gerlinde Fuchs von der Marburger Mission, um über ihren Dienst in Japan zu berichten. Schützenmeister Reinhold Brandl stellte sie den Gästen vor.

Land großer Kontraste


Im ersten Teil ließ die Referentin die Zuhörer teilnehmen an einer Reise, die sie kurz vor dem Ende ihrer Missionstätigkeit mit Familienmitgliedern rund um Osaka unternommen hat. Die Bilder zeigten große Kontraste: Auf der einen Seite scheinbar unentwirrbare Straßenverläufe, dann wieder Natur pur mit riesigen Reisfeldern oder Bambuswäldern.

Da Japan nur ein verhältnismäßig kleines Land ist, sind Autobahnen oft dreistöckig übereinander angelegt oder verlaufen mitten durch ein Hochhaus im zehnten Stock. Auch die Wohnungen sind vor allem in den Städten sehr klein, deshalb werden die Wohnzimmer nachts zu Schlafzimmern umfunktioniert. Weil es täglich zehn bis fünfzehn kleinere Erdbeben geben kann, sind die Häuser möglichst erdbebensicher gebaut und schwanken bis zu vier Meter hin und her. Beeindruckend waren auch Bilder der längsten Brücke der Welt.

Nach der Pause erzählte Schwester Gerlinde von ihrer Arbeit als Diakonisse in Kibogaoka in Japan, die am 1. Januar 1981 begann. Aber eigentlich war ihr schon seit ihrem Konfirmationsunterricht in Rosenberg ihre Richtung klar. Allerdings war es noch ein weiter Weg zur Missionarin, der über eine Ausbildung als Erzieherin führte. Auf Stationen in London und Los Angeles lernte sie Englisch und Japanisch.

In Japan gibt es zwei Hauptreligionen, den Buddhismus und den Shintoismus. Die meisten Japaner besuchen buddhistische Tempel und shintoistische Schreine und glauben an mehrere Götter. Es ist schwer, ihnen klar zu machen, dass es im Christentum nur einen Gott gibt.

Gebetsstunden und Chor


Gerlinde Fuchs leistete die Arbeit einer Mini-Volkshochschule. Sie begann mit Koch- und Backkursen, Patchworken, Deutsch- und Englischunterricht - Kurse, an denen die Leute gerne teilnahmen. Später kamen Gebetsstunden dazu, und auch ein Chor gründete sich.

Erst nach einem Jahr gab es die ersten Gottesdienste. Verschiedene Aktionen brachten so viel Geld zusammen, dass eine eigene Kirche gebaut werden konnte. "Jedes Jahr fand mindestens eine Person zum christlichen Glauben und ließ sich taufen", blickte Schwester Gerlinde zurück.

Als sie ihren Ruhestand antrat, wurde sie in Kibogaoka mit einem großen Fest mit Handglockenchor und Samuraitanz verabschiedet. Ihrem Nachfolger übergab sie eine aktive Gemeinde. Heute lebt sie wieder in Sulzbach-Rosenberg, kümmert sich um vier kranke Familienmitglieder, hält Predigten und ist im Seniorenkreis aktiv.
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