50-Liter-Restmüllbehälter bleibt im Spiel
Kleine Tonne, großer Aufwand

Joachim Weiß klebte auf jede Tonne eine Kurzanleitung zum problemlosen Ummelden beim Landratsamt - ein Service der Siedlergemeinschaft.
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
18.10.2016
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Die Marken für die neuen 50-Liter-Tonnen sehen genauso aus wie die alten. Diese müssen eingesandt werden, dann gibt es neue. Bild: ge

Die ganze Sache hat was vom berühmten kleinen gallischen Dorf: Eine Vielzahl von Bürgern wollte nicht auf die neue Restmülltonne mit 60 Litern umsteigen, sondern 50 Liter Kapazität behalten. In Eigenregie hat das jetzt geklappt. Der Landkreis spielt mit. Der Handel nicht.

Wir erinnern uns: Im Juni formulierte Karl-Heinz Neidl von der Siedlergemeinschaft Feuerhof in der SRZ den Protest, den nicht nur er an die Behörden richtete: Warum solle ein Müllvermeider, der mit 50 Litern Restmüll-Volumen gut auskommt, auf eine größere Tonne umsteigen, die auch noch 18 Prozent mehr Gebühren kostet?

Antrag im Kreistag


Es gab ein großes Tauziehen um diese Absicht, und die FWS/FDP brachte einen Antrag im Kreistag ein, dass die Bürger weiterhin 50 Liter nutzen dürften. Landrat Richard Reisinger und natürlich auch das Amt für Abfallwirtschaft zeigten sich bürgerfreundlich.

Amt macht mit


Amtsleiter Robert Graf erläuterte in der Kreisausschusssitzung im Juli: "Wenn jemand eine 50-Liter-Tonne hat, die normgerecht ist, also mit der Normprägung EN 840-1 auf dem Deckel, dann melden wir die an." Auch in der Sitzung des Kreistag-Umwelt-Ausschusses am Mittwoch wird es um das Thema gehen und die Satzung angepasst.

Weil aber die EU-genormte 50-Liter-Restmülltonne auf Rädern nirgends im Landkreis zu erwerben war, auch nicht beim Entsorgungsunternehmen, startete die Siedlergemeinschaft Feuerhof noch im Juli eine Sammelbestellung in Lappersdorf für 33 ihrer Vereinsmitglieder.

Nachdem diese Aktion in der SRZ stand, liefen die Telefone heiß. Beim Rosenberger Siedlerfest beschlossen die Feuerhofer, sich noch einmal diese Arbeit anzutun. Wegen der Nachfrage bezog man auch die anderen Siedlervereine Rosenberg, Lerchenfeld und Loderhof mit ein und organisierte unter Leitung von Joachim Weiß eine zweite Sammelbestellung von normgerechten 50-Liter-Restmülltonnen mit Rädern.

Riesen-Ansturm


Die Vorsitzenden Hildegard Geismann (Rosenberg), Petra Weiß (Lerchenfeld) und Hans Gmeiner (Loderhof) sammelten bei ihren Mitgliedern Bestellungen, der Feuerhofer Joachim Weiß veröffentlichte Mitte August seine Telefonnummer für nicht organisierte Interessenten. Dies hatte ungeahnte Folgen: Seine Frau Renate und er nahmen stundenlang Bestellungen entgegen - insgesamt für 140 Tonnen.

"Die Bestellungen kamen bis aus Etzelwang, Kümmersbruck, Hirschbach, Poppberg", erinnert sich Weiß im Gespräch. In einem Stadel wurden die Tonnen zwischengelagert. Diese Groß-Bestellung war jedoch mehr, als das Entsorgungsunternehmen Meindl in Lappersdorf (ohne das beide Aktionen im Sande verlaufen wären) auf Lager hatte. Aber die hilfsbereiten Mitarbeiter dort konnten die fehlenden Tonnen noch organisieren - "obwohl man von allen Seiten hört, dass diese nirgends zu kaufen sind, ja angeblich gar nicht mehr hergestellt werden!", kommentiert Karl-Heinz Neidl.

Der Zeitaufwand von Planung über Geldeinsammeln bis zur Verteilung der insgesamt 173 Tonnen war aber für die Ehrenamtlichen einfach zu groß. Die Siedlergemeinschaften schlossen nun ihre Aktion ab. Wer jetzt noch Interesse hat, muss sich selbst eine Tonne besorgen. Da wäre der Handel gefordert. Doch bisher tut sich leider nichts.

Drei Fragen an Robert GrafHerr Graf, wie müssen die neuen 50er-Tonnen aussehen?

Sie haben die Form der normalen 120-Liter-Tonne mit Griff und Rädern, fassen aber nur 50 Liter. Sie entsprechen der EU-Norm EN 840-1 und werden von uns akzeptiert.

War der Verwaltungsaufwand für das Landratsamt groß?

Nein, überhaupt nicht. Wir mussten ja nichts ändern, sondern haben nur die Satzung angewandt, in der ganz klar steht, dass nur norm- und vorschriftengerechte Tonnen verwendet werden dürfen. Das ist nach dem Arbeitnehmer-Schutzgesetz zwingend notwendig.

Was passiert mit den alten runden 50-Liter-Tonnen?

Die 50-Liter-Ringtonne wird ab etwa Mitte 2017 dann nicht mehr geleert. Bis dahin sollte sich der Bürger für ein neues Gefäß entschieden haben. (ge)
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