Abholzaktion der Deutschen Bahn AG zwischen Neukirchen und Freihung
"Augenmaß wäre besser gewesen"

Was vom Einsatz der Waldarbeiter übrigblieb, findet sich in Nähe der Bahnbrücke. Bilder: Royer (3)
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
06.02.2016
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Mit einem derart massiven Eingriff hatte niemand gerechnet. Entlang der Bahnlinie Neukirchen - Weiden hat die Deutsche Bahn AG in der Nähe von Neukirchen gerodet. Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz und Jäger-Kreisgruppe haben mit diesem Kahlschlag ein großes Problem.

Dass Rückschnitte, Einkürzungen oder bei akuter Gefahrenlage auch vereinzelt Fällungen entlang von Straßen, Wegen, Bahngleisen oder sonstigen Verkehrsverbindungen von Zeit zu Zeit notwendig sind, leuchtet ein. Außergewöhnliche Eingriffe, wie die aktuellen Rodungen entlang der Bahnlinie im Raum Neukirchen, haben nun Natur- und Artenschützer auf den Plan gerufen. Entlang der Bahndämme ist so gut wie nichts stehengeblieben. Jäger Thomas Kaiser hat die Abholzaktion der polnischen Holzhauer verfolgt und schlägt jetzt Alarm.

"Es hat ja mit der Bahn bei ähnlichen Aktionen schon immer wieder Probleme gegeben, aber dieser umfangreiche Kahlschlag erreicht nun ein ganz besonderes Ausmaß", sagt der Neukirchener Jäger in aller Deutlichkeit. Dem pflichtet auch die Vorsitzende der Jäger-Kreisgruppe Sulzbach-Rosenberg, Lore Kaiser, bei, die gerade für die Vogelwelt und das Niederwild erhebliche Nachteile sieht.

Lebensraum verloren


Der Verlust von Lebensraum, Einständen und Rückzugsgebieten sei enorm - und so schnell nicht wieder gutzumachen. Einige Anwohner von Peilstein sollen sogar aufgeschreckte Singvögel beobachtet haben, die ihre angestammten Areale nicht mehr finden und irritiert wirken. "Hier wurde ganze Arbeit geleistet. Von den Heckensäumen und fast allen Bäumen ist nichts mehr da. Es kann nicht angehen, dass wegen besagter Verkehrssicherungspflicht einfach alles abgeholzt wird. Augenmaß wäre in jedem Falle besser gewesen", geben Peter Zahn und Horst Schwemmer zu bedenken. Die beiden Naturschützer gehen davon aus, dass diese Aktion zum Verlust von Lebensräumen für 20 bis 30 Brutvogelarten geführt hat. Generell habe dieser massive Eingriff auch einen erheblichen Schwund der Artenvielfalt zur Folge. Auch Gerd Horn, der Neukirchener Ortsgruppenvorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz, erklärt sich solidarisch mit dem Protest gegen die "rücksichtslosen Fällaktionen an den Bahndämmen".

Vernetzung weg


"Die Bahn wird ihr Verhalten mit dem Hinweis auf die Sicherheit im Gleisbereich rechtfertigen. Aber es ist immer die Frage, wie man an so eine Aktion herangeht. Durch die einfache Tabula rasa ist die ganze Vernetzung verlorengegangen", legen Peter Zahn und Horst Schwemmer nach. Völlig vermissen sie Informationen der Auftraggeber. "Wir hoffen auf ein Einsehen der Bahn, um ähnliche Aktionen nicht erneut miterleben zu müssen." (Angemerkt/Zum Thema)
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