Ärztin spricht über Augenkrankheiten, die vor allem Senioren heimsuchen
„Kasse zahlt, wenn’s zu spät ist“

Die Ärztin Dr. Isabel Weinstein erläuterte den Senioren Aufbau und Krankheiten des menschlichen Auges. Bild: cog

Die Augen sind der Spiegel der Seele. Zugleich sind sie für die Menschen das Fenster zur Welt. Kein Wunder also, dass im Saal der Sozialstation kein Stuhl mehr frei war, als Dr. Isabel Weinstein über Augenerkrankungen im Alter referierte.

Ein Problem, das alle Menschen über 45 haben, ist die Altersweitsichtigkeit. Sie entsteht dadurch, dass die Linse im Laufe der Jahre zunehmend ihre Akkommodationsfähigkeit verliert. Sie kann sich nicht mehr so gut an unterschiedliche Entfernungen, in denen man scharf sehen will, anpassen. "Die Arme werden immer länger", sagte die Fachfrau, "und wenn das nicht mehr reicht, braucht man eine Lesebrille."

Amerika macht's anders


Allerdings sei es in den USA üblich, die Altersfehlsichtigkeit nicht mit einer Gleitsicht- oder Bifokalbrille zu korrigieren, sondern mit Kontaktlinsen. Amerikanische Senioren tragen in einem Auge eine Linse für die Fernsicht und im anderen das Gegenstück zum Lesen.

Beim Katarakt oder Grauen Star handelt es sich um die Trübung der Augenlinse. Diese Krankheit führe dazu, dass man wie durch eine schmutzige Fensterscheibe sieht. Weltweit ist der Katarakt die häufigste Ursache fürs Erblinden, weil mit fortschreitender Krankheit die Linse undurchsichtig wird. Schließlich ist die Pupille weiß.

600 000 Eingriffe im Jahr


"Das muss nicht sein. Man kann den Grauen Star operieren", erklärte die Ärztin. Das geschehe hierzulande über 600 000 Mal im Jahr - der häufigste chirurgische Eingriff überhaupt in Deutschland. Dabei wird die Linsenkapsel geöffnet, der vordere, trübe Teil der Linse mit Ultraschall zertrümmert und abgesaugt. Dann wird eine Kunstlinse eingesetzt, die anwächst.

Sehr viel schlimmer ist der Grüne Star, das Glaukom. Das ist ein Schaden am Sehnerv, der zu einem zunehmenden Defekt im Gesichtsfeld führt. Der Hauptrisikofaktor ist ein erhöhter Augeninnendruck, der entsteht, wenn das Kammerwasser nicht richtig abfließen kann. "Diese Krankheit ist tückisch", führte Weinstein aus, "weil man erst dann inselförmige Ausfälle im Gesichtsfeld bemerkt, wenn schon 50 Prozent des Sehnervs abgestorben sind."

Deshalb riet die Augenärztin, ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig die Glaukomvorsorge in Anspruch zu nehmen. Sie werde allerdings erst dann von den Krankenkassen bezahlt, wenn erste Symptome auftauchen. "Also wenn es zu spät ist!", kritisierte Weinstein.

Wird ein Grüner Star diagnostiziert, werden Augentropfen zur Senkung des Augeninnendrucks verschrieben. Sie helfen in 90 Prozent der Fälle. Manchmal muss aber operiert werden, damit das Kammerwasser besser abfließen kann.

Trocken oder feucht


Auch die Makuladegeneration tritt im Alter häufiger auf. Hierbei sterben in einem schleichenden Prozess die Zellen der Makula ab, also des Punktes auf der Netzhaut, mit dem man am schärfsten sieht. Erkennen kann das der Betroffene daran, dass die Sehschärfe abnimmt und Lesen schwierig wird. In der Mitte des Gesichtsfelds sieht er immer schlechter, und das Bild ist verzerrt. Es wird zwischen einer trockenen Makuladegeneration unterschieden, deren Fortschreiten mit besonderen Vitaminen aufgehalten werden kann, und einer feuchten, bei der Injektionen helfen.

Brigitte Riederer, die Leiterin der ökumenischen Sozialstation, dankte Isabel Weinstein für den Vortrag und überreichte ihr ein Präsent. Stefan Kummer, der Vorsitzende des Seniorenbeirats, würdigte die Sozialstation für die Gastfreundschaft. "Der Seniorenbeirat arbeitet das ganze Jahr für die Seniorenaktionswoche", sagte er und blickte zufrieden über die Menge im vollen Saal. "Wenn man dann sieht, wie die Veranstaltungen angenommen werden, dann ist das der schönste Dank."
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