Afghanistan-Hilfe aus Rosenberg
Brunnen bewegen zum Bleiben

Selbst im weihnachtlichen Heimaturlaub lässt Georg Taubmann die Arbeit nicht los: In seinem Büro Am Steg in Rosenberg organisiert der Internationale Direktor von Shelter Now (hier mit Mitarbeiterin Karin Geih) aktuelle Hilfsaktionen, Vorträge und Spendensammlungen. Bilder: rlö (2)
 
Sauberes Trinkwasser für ein ganzes Dorf: Eine Spendenaktion der CVJM-Jungschar Sulzbach-Rosenberg ermöglichte diesen Brunnenbau in Afghanistan - die Bevölkerung ist äußerst dankbar für diese Hilfe. Repro: rlö

Wasser ist Leben, und wo es sprudelt, kann man auch für sich und seine Familie sorgen: Die Hilfsorganisation Shelter Now unterstützt seit Jahrzehnten auch aus Rosenberg den Aufbau einer Trinkwasserversorgung in Afghanistan. Brunnen- und Wasserleitungsprojekte in dem meist bäuerlich strukturierten Land leisten wichtige Beiträge.

/Kabul. Der Sulzbach-Rosenberger Georg Taubmann, Internationaler Direktor von Shelter Now, sprach mit der SRZ über aktuelle Hilfsprojekte, derzeit schwerpunktmäßig auch in den Flüchtlingslagern in Kurdistan.

Vor wenigen Wochen bereiste Georg Taubmann mit dem Chef des Büros von Shelter Deutschland, Udo Stolte aus Braunschweig, die Massenlager im Nordirak. Das Land Kurdistan zählt nur fünf Millionen Einwohner, es sieht sich derzeit mit 2,5 Millionen Kriegsflüchtlingen aus Syrien und dem Irak konfrontiert.

"Besorgniserregend"


Den Menschen, die den mörderischen IS-Terrormilizen entkommen sind, blieb großteils nur die ärmliche Kleidung auf der Haut - ihre Lage in den großen Lagern Kurdistans ist "höchst besorgniserregend", wie Taubmann und Stolte feststellten. Dank guter Kontakte zu höchsten kurdischen Regierungskreisen gelang es Shelter Now inzwischen, sich in Kurdistan offiziell als Hilfsorganisation registrieren zu lassen. Fassungslos erfuhren die Shelter-Leiter, dass die Nahrungsmittelzuteilung für die Flüchtlinge drastisch gekürzt wurde.

Keine Medikamente mehr


Georg Taubmann gegenüber der SRZ: "Zuvor erhielten die Lagerinsassen Nahrung für 30 Dollar, inzwischen bekommen sie nur noch Kupons für 10 Dollar. Wie soll ein Mensch von 10 Dollar im Monat leben können?" Ähnlich prekär ist die Versorgungslage auf dem medizinischen Sektor. "Ein Junge hat uns zu seinem Vater geführt, der sich auf der Flucht schwere Rückenverletzungen zugezogen hatte. Der Mann kann nicht mehr gehen und hat ständig Schmerzen. Eine Operation kann er nicht bezahlen. Schmerzmittel gibt es in der Station des Lagers nicht mehr, andere Medikamente auch nicht" - die Kürzung der UN-Mittel hat dramatische Auswirkung vor Ort.

Nicht nur Krieg und Terror sorgen dafür, dass das Land am Hindukusch nicht zur Ruhe kommt. Immer wieder schlagen Naturkatastrophen mit aller Brutalität zu. So zerstörte ein schweres Erdbeben Ende Oktober allein in Afghanistan rund 4000 Häuser - etwa 400 Menschen kamen in der betroffenen Region und im angrenzenden Pakistan ums Leben.

Wiederaufbau läuft an


Shelter Now hat nun gemeinsam mit Überlebenden begonnen, in der afghanischen Bergregion Nuristan etwa 100 Behausungen wieder aufzubauen. Damit sollen 800 Erdbebenopfer wieder ein Dach über dem Kopf erhalten.

Der eigentliche Bau kann erst im Frühjahr gestartet werden. Im eisigen Winter müssen die obdachlosen Familien mit ihren Nachbarn auf engstem Raum zusammen rücken. Das Hilfswerk Shelter Now finanziert aus Spenden den Kauf von Bauholz für Dachbalken, Fenster und Türen. Holz ist in dem auf über 1500 m Höhe gelegenen Gebiet besonders teuer.

Zehntausenden geholfen


In der entlegenen, gebirgigen, als unsicher geltenden Provinz sind nur wenige internationale Hilfsorganisationen tätig, so Georg Taubmann. Erst vor kurzem konnte man ein klares Bild der Situation vor Ort gewinnen. "Viele Dörfer sind mit Fahrzeugen nicht zu erreichen, allein der Transport von Material stellt eine riesige logistische Herausforderung dar." Fürs Bauholz benötigt Shelter pro Haus etwa 650 Euro. Noch vor Wintereinbruch wurden die Bäume gefällt, damit das Holz bis Baubeginn trocknen kann. Das Hilfswerk verfügt über umfangreiche Erfahrungen mit Bauprojekten: Zehntausende afghanische Flüchtlingsfamilien, die nach Ende des Bürgerkriegs zurückkehrten, konnten mit Unterstützung von Shelter Now neue Häuser errichten.

In Nuristan war die Organisation bisher im Bau von Wasserprojekten und Brücken aktiv. "Wir erachten diese Arbeit als besonders wichtig", so Georg Taubmann, denn "der Flüchtlingsstrom lässt sich nur stoppen, wenn sich die Situation in den Ländern ändert, aus denen sie kommen. Wir versuchen das."

SpendenShelter Now ist dankbar für jede finanzielle Unterstützung, auch kleine Beträge können viel bewirken. Wer mithelfen will, kann dieses Spendenkonto nutzen: Shelter Now Germany e. V., Waisenhausdamm 4, 38100 Braunschweig. Bank: Nord/LB Hannover, IBAN: DE65 2505 0000 0002 5230 58, BIC: NOLADEH2H.
Wie soll ein Mensch von 10 Dollar im Monat leben können?Georg Taubmann
Der Flüchtlingsstrom lässt sich nur stoppen, wenn sich die Situation in den Ländern ändert, aus denen sie kommen. Wir versuchen das.Taubmanns Rezept
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