Aktionstag vor dem Werkstor
Billig-Stahl bedroht Rohrwerk

Gut 300 Teilnehmer sah der Stahlaktionstag am Mittwoch vor den Toren des Rohrwerks. Bilder: Gebhardt (3)
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
10.11.2016
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2. IG-Metall-Bevollmächtigter Udo Fechtner (links) und Rohrwerk-Betriebsrats-Vorsitzender Karl-Heinz König riefen zum Kampf gegen die Dumping-Stahlimporte aus China und Osteuropa auf.

Protest in Brüssel und auch in Rosenberg: Europaweit liefen Veranstaltungen gegen die Billig-Importe aus China und für den Erhalt der deutschen Stahlindustrie. Auch im Rohrwerk Maxhütte sind die Auswirkungen zu spüren. Geschäftsführung und Belegschaft sehen dadurch ihre Übereinkünfte in Gefahr.

"Sulzbach-Rosenberg hat ein Herz aus Stahl", hatte die IG Metall aufgerufen, und es kamen dann doch rund 300 Teilnehmer zum Rohrwerk-Werkstor. Der Leiter des IGM-Vertrauenskörpers Jürgen Schlegel hieß die Menge willkommen, Betriebsrats-Vorsitzender Karl-Heinz König warnte davor, China seitens der EU den Status einer Marktwirtschaft zuzuerkennen - das würde Anti-Dumping-Klagen verhindern und in Deutschland rund 250 000 Arbeitsplätze in Stahl-, Maschinenbau-, Auto- und Elektroindustrie kosten.

Echtes Herz aus Stahl


König verlas Solidaritätsadressen von MdB Uli Grötsch und MdL Reinhard Strobl. Die Jugendvertretung hatte ein symbolisches Herz aus Stahlrohren angefertigt.

Rohrwerk-Geschäftsführer Harry Nimmerjahn erinnerte an die lange einheimische Stahltradition mit vielen Höhen und Tiefen. Mit dem Namen Maxhütte führe das Rohrwerk diese fort. "Jeder arbeitet an der Fortführung, mit viel Opferbereitschaft, wenn ich an den Sanierungstarifvertrag denke."

Die Stahlrohrbranche erlebe allerdings nun die Perversion der Globalisierung: "Mit staatlicher Beteiligung entstanden in China, aber auch in Osteuropa Produktionskapazitäten, die heute kein Mensch braucht." Doch anstatt diese Kapazitäten stillzulegen, würden Massen an Stahl und Stahlrohren zu Dumpingpreisen auf den Markt geworfen. Diese Länder verfolgten im globalen Markt rein nationale Interessen - mit staatlicher Unterstützung, mit unfairen Mitteln.

"Wenn die Spielregeln für einen fairen Weltmarkt nicht eingehalten werden, dann müssen auch wir uns wirksam schützen. Das ist Aufgabe der europäischen Politik und der Europäischen Kommission. Wir brauchen den schnellen, dauerhaften und wirksamen Einsatz von Antidumping-Maßnahmen."

Die deutsche Stahl- und Stahlrohrindustrie sei höchsten Anforderungen an Energieeffizienz und Umweltschutz ausgesetzt. Wenn man der deutschen Industrie den Garaus mache, weil man sie gegen den unfairen Wettbewerb nicht schütze, würden Stahl und Stahlrohre genau dort hergestellt, wo ohne Rücksicht auf Klima und Umwelt produziert werde.

Das gleiche Ziel


Es sei knapp ein halbes Jahr her, da hätten sich IG Metall und Geschäftsleitung noch gegenübergestanden und hart miteinander gerungen um ein tragfähiges Zukunftskonzept für das Rohrwerk. "Heute stehen wir gemeinsam hier und haben das gleiche Ziel: faire Bedingungen für die deutsche und europäische Stahl- und Stahlrohrindustrie und ihre Arbeitsplätze. Wir ziehen an einem Strang."

Das sah auch der 2. IG-Metall-Bevollmächtigte Udo Fechtner so: "Es darf nicht sein, dass anderswo, auf Kosten der Umwelt und der Menschen und dann sogar noch staatlich subventioniert, Stahl zu Dumping-Preisen hergestellt und nach Europa geliefert wird." Ohne die Hauptarbeitgeber in der Schlüsselindustrie seien die Arbeitsplätze in Gefahr. "Wir haben nicht mit der Geschäftsführung des Rohrwerks Maxhütte um dessen Zukunft gerungen, um nun durch Billig-Importe in Gefahr zu geraten", sagte Fechtner.
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