Amberg-Sulzbacher Demenzwochen eröffnet
Leben mehr Qualität geben

Eines der Ausstellungsbilder zeigt an Demenz leidende Senioren, die dazu angeleitet werden konnten, zu malen - Mandalas, aber auch freie Bilder. Für die Betreuer sei es oft sehr bemerkenswert, welche Fortschritte einige der Kranken dabei noch machen. Bilder: wbe (2)
 
Landrat Richard Reisinger (Zweiter von links) und Bürgermeister Michael Göth (vorne, rechts) zeigten neben weiteren Kommunalpolitikern und Vertretern von Institutionen Interesse an der Eröffnung der Demenzwochen.

Demenz, ein Thema über das keiner gerne spricht. Und doch hat jeder Angst, davon tangiert sein zu können, wenn einem zum Beispiel der Name eines alten Bekannten nicht mehr einfällt oder ein Gegenstand so verlegt wurde, dass man ihn einfach nicht mehr findet. In Deutschland sind 1,5 Millionen Menschen von dieser Krankheit betroffen und leiden ebenso wie ihre Angehörigen.

Der 21. September war Welt-Alzheimertag mit dem Titel "Jung und Alt bewegt Demenz". Dieses Motto weist darauf hin, dass Menschen jeden Alters etwas tun können, um die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern. Dieser Tag war auch der Beginn der Amberg-Sulzbacher Demenzwochen, die dritten dieser Art nach 2012 und 2014.

Bei der Auftaktveranstaltung im St.-Anna-Krankenhaus, die musikalisch umrahmt wurde von Martina Englhard an der Harfe und Birgitta Englhard mit der Querflöte, bedankte sich Jutta Streher, Geschäftsleiterin des Vereins zur Förderung der seelischen Gesundheit im Alter SEGA, für die Unterstützung und das Engagement bei Gemeinden und Verbänden der Stadt Amberg und des Landkreises Amberg-Sulzbach, bei den vielen ehrenamtlichen Akteuren und Veranstaltern sowie bei den Sponsoren.

60 Veranstaltungen


Mit 60 Veranstaltungen sei das Programm vielfältig und breitgefächert, um die Öffentlichkeit für das Thema Demenz zu sensibilisieren und Wissen aufzubauen. Neben verschiedenen Vorträgen werden bis zum 28. Oktober Spaziergänge und Wanderungen, Spieleturniere, Sing- und Musiziernachmittage, Gedächtnistraining, Sport-Werkstätten, aber auch Schulungen für ehrenamtliche Helferinnen angeboten.

Auch Klaus Emmerich, Vorstand des Kommunalunternehmens der Landkreis-Krankenhäuser, lobte das ausgefeilte Programm für die Demenzwochen, das dazu beitragen könne, vielen Betroffenen Unterstützung zu bieten, die tagtäglich im eigenen Umfeld mit diesen Problemen umgehen müssten. Dr. Klaus Gebel, SEGA-Vorsitzender, betonte, dass die Demenzerkrankung sehr schnell um sich greife, uns alle betreffe und es deshalb das Ziel sei, die Lebensqualität der Demenzkranken zu erhöhen.

Landrat Richard Reisinger, der die Schirmherrschaft für die Amberg-Sulzbacher Demenzwochen übernommen hat, dankte dem Organisationsteam von SEGA und allen beteiligten Projektpartnern. Er hoffte, dass damit Berührungsängste abgebaut werden könnten.

Mehr Aufklärung


Diese große Zukunftsaufgabe hob auch Brigitte Netta, 3. Bürgermeisterin von Amberg, hervor. Schließlich könne jeder sehr schnell von dieser Erkrankung betroffen sein. Bürgermeister Michael Göth unterstrich die wichtige Bedeutung der Aufklärung über die Demenz, um die Krankheit besser kennenzulernen und zu verstehen. (Zum Thema)

Meinung"Seelisch kranke und behinderte Menschen dürfen nicht in unserer Gesellschaft ausgegrenzt werden, denn sie gehören zu uns wie Arme und Beine zum Körper. Durch Information, Prävention und Aufzeigen von Hilfsmöglichkeiten wollen wir unseren Beitrag dazu leisten und helfen, dass das Leben der Erkrankten und vor allem auch der Angehörigen wieder etwas lebenswerter wird, unterstrich Dr. Klaus Gebel, SEGA-Vorsitzender, Neurologe und Psychiater. (wbe)

"Alltagsbegleiter ein Segen"

Sulzbach-Rosenberg. (wbe) Für Martin Preuß, den Leiter des Seniorenzentrums Am Herzogschloss in Sulzbach-Rosenberg, "ist nichts normaler als Anderssein". Deshalb werden im Procurand-Pflegeheim demente Menschen so integriert, wie es ihren Möglichkeiten entspricht und nach ihren Fähigkeiten gefördert. Es gäbe viele Varianten, mit dementen Menschen zu arbeiten.

Ein Segen seien die neun Alltagsbegleiter, die mit den zwei geschulten Kräften die Arbeit tragen. Was dabei herauskommen kann, zeigte Sonja Haubelt, die die Beschäftigungstherapie im Procurand leitet. Viele der Demenzkranken konnten dazu angeleitet werden, zu malen, Mandalas, aber auch freie Bilder. Es sei erstaunlich, welche Fortschritte einige der Kranken dabei noch machen konnten. Ein demenzkranker Mann, der zwar Schwierigkeiten hat, mit Messer und Gabel umzugehen, arbeitet jedoch wieder geschickt mit Malstiften.

Einige Arbeiten dieser Aktion zeigt die Ausstellung "Bilder im Kopf - Kreativität auch bei Demenz", die im Anschluss an die Auftaktveranstaltung eröffnet wurde und auch von der Öffentlichkeit besichtigt werden kann. Sie befindet sich bis 28. Oktober im 1. Stock des St.-Anna-Krankenhauses.

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