Amberger Amtsgericht erörtert Verlauf eines Promille-trächtigen Nachmittags
Krücke wird zum Schlagstock

Mit dem Begriff "Trinken" hatte die nachmittägliche Zusammenkunft in einer Sulzbach-Rosenberger Wohnung nichts zu tun. Es handelte sich um ein Besäufnis, bei dem jeder der vier Zecher in die Nähe der Zwei-Promille-Grenze kam. Plötzlich gab es Zoff - so heftig und ausufernd, dass sich zwei Tage lang das Amberger Amtsgericht damit beschäftigen musste.

Im Mittelpunkt des Verfahrens stand ein Utensil, das im Regelfall gehbehinderten Menschen als Stütze dient. Die Krücke aus Metall lehnte in einer Zimmerecke und wurde zur Schlagwaffe umfunktioniert, als zwei der betrunkenen Männer aufeinander losgingen. Warum? "So genau kann ich das nicht sagen", hatte einer der Beteiligten am ersten Verhandlungstag der Richterin Julia Taubmann mitgeteilt.

Auf der Anklagebank saß nun ein 46-Jähriger, der nachdrücklich unterstrich: "Ich bin mit der Krücke am Hals gewürgt worden." Dass er sich selbst der Gehhilfe bemächtigt und damit zugeschlagen habe, stellte der Mann in Abrede. Sein damaliger Kontrahent, 31 Jahre alt und aus der U-Haft von Polizisten vorgeführt, räumte ein, dass er mit der Krücke im Verlauf des Streits auf den 46-Jährigen eindrosch. In Notwehr gewissermaßen, da er selbst bei dem Zwist in eine bedrohliche Lage geraten sei. "Sind Sie zuvor vom Angeklagten geschlagen worden?", fragte die Richterin. Das, lautete die Antwort, sei ihm nicht mehr so genau im Gedächtnis.

Richterin Taubmann wollte die Sache genau klären. Sie lud für einen zweiten Prozesstag weitere Zeugen und hatte dann den eigentlichen Besitzer der Krücke und Gastgeber der Zecherrunde vor sich. "Ich habe geschlafen", ließ sich seinen kurz nach der Begebenheit vor der Polizei gemachten Angaben entnehmen. Nun änderte der Mann seine Aussage von damals und erinnerte sich, dass beide Männer abwechselnd mit dem Metallstock einen Hieb oder womöglich auch mehrere austeilten.

Damit näherte sich der Prozess seinem Finale. Der Fall "Krücken-Einlage beim Komasaufen" endete mit einer Verfahrenseinstellung für den 46-Jährigen.

Demnächst wird er wieder vor der Justiz erscheinen müssen; dann allerdings als Zeuge und Geschädigter. Bei dieser Verhandlung geht es um Hiebe mit einer Axt, die er angeblich bei anderer Gelegenheit von seinem jetzt aus der Haft vorgeführten 31-jährigen Kumpel erhielt.
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