Amt für Abfallwirtschaft nimmt Stellung
Ab in die Tonne mit der Idee?

So wie hier wird es bald überall aussehen bei der Müllabfuhr: 120-Liter-Tonnen sind die Standardgröße. Über die Innengröße allerdings könnte man schon was erreichen. Bild: Hartl
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
15.06.2016
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Lang wird es sie nicht mehr geben, die blaue 50-Liter-Marke. Es ist keine Lösung in Sicht. Bild: Gebhardt

War' s das für die alte 50-Liter-Tonne? Es sieht gar nicht gut aus für die Fans des kleinsten Mülleimers im Landkreis. Das Amt für Abfallwirtschaft stellt klar: Selbst mit Rädern wäre das Ding nicht EU-normgerecht. Und außerdem sei es auch gar nicht mehr erhältlich.

"Müllbehälter ohne Räder sind bereits seit mehreren Jahren nicht mehr zulässig": Das teilt das Amt für Abfallwirtschaft am Landratsamt unserer Zeitung mit. Schuld sei die Europäische Norm EN 840-1, die Anforderungen an Abfallsammelbehälter und deren Formgebung regelt, um Arbeitnehmerschutzgesetze für Müllwerker einhalten zu können. Zum Problem mit den vom Aussterben bedrohten 50-Liter-Restmülltonnen sprach die SRZ mit Amtsleiter Robert Graf.

Sanfte Tour


"Im Gegensatz zu den benachbarten Landkreisen Tirschenreuth, Neustadt, Neumarkt, Nürnberger Land und den Städten Amberg, Weiden, Regensburg, Nürnberg, die einen Stichtag für den Tausch vorgeschrieben hatten, bevorzugen wir eine kundenfreundliche, sanfte Übergangsregelung, um die Anforderungen der Berufsgenossenschaft zu erfüllen", meint Graf zu den Protesten der Bürger gegen die Umstellung.

Die Eigentümer einer 50-Liter-Restmülltonne seien über Anhänger informiert worden, diese Tonne durch einen der Norm entsprechenden Abfallbehälter möglichst zeitnah zu tauschen. "Dies ist als kleinstes normgerechtes Gefäß eben eine 60-Liter-Restmülltonne." Ziel der EU-Norm ist es nämlich, dass alle Restmüllbehälter die gleiche Außengröße und Form haben, nämlich die der 120-Liter-Tonne. Von den Herstellern eingebaute Einsätze vermindern den möglichen Inhalt zusätzlich auf 60 oder 80 Liter.

Eine "Mogelpackung"


Selbstverständlich habe das Amt für Abfallwirtschaft im Vorfeld gründlich recherchiert, ob andere Möglichkeiten für eine Umstellung bestünden, versichert der Amtsleiter.

Was ist mit dem Landkreis Regensburg? Hier wurde die 50-Liter-Tonne mit Rädern 2014 eingeführt. Robert Graf informiert: "Es gab zwar bei einem dortigen Abfallentsorgungsbetrieb kleinere Abfallbehälter mit Rädern zu kaufen, diese entsprechen aber keiner DIN-Norm und fassen auch nur rund 46 Liter statt 50 Liter."

Dies habe bereits zu Unmut bei vereinzelten Bürgern geführt, die ihre Gebühren ja für 50 Liter entrichten. Im Landkreis Regensburg kostet die 50er-Tonne 78 Euro/Jahr, in Amberg-Sulzbach die größere 60-Liter-Restmülltonne nur 61,20 Euro.

Zudem sei die 50-Liter-Tonne aufgrund ihres geringen Eigengewichts sehr kopflastig, was zum häufigen Umfallen führe. "Dies alles sind wohl Gründe, warum im Nachbarlandkreis nach Aussage des Entsorgungsbetriebes nicht einmal 100 solcher Behälter im Einsatz sind", bilanziert Graf.

Einfach zu teuer


Außerdem habe der Hersteller dieser nicht normgerechten Tonne auf telefonische Nachfrage mitgeteilt, dass das Modell nicht zum Standardprogramm gehöre und auch nicht mehr lieferbar sei: zu teuer in der Herstellung. "Die Tonne wurde zuletzt 2014 auf besonderen Kundenwunsch und nur in geringer Stückzahl gefertigt."

"Die Umstellung zur normgerechten 60-Liter-Restmülltonne geschieht zum Wohle der Müllwerker und deren Gesundheit, der Landkreis als Arbeit- und Auftraggeber ist dazu verpflichtet, die Vorschriften der Berufsgenossenschaft einzuhalten und umzusetzen", stellt Graf unmissverständlich fest. Auch spielten Haftungsfragen eine wichtige Rolle. Für Bürger, denen der Jahresbeitrag von 61,20 Euro für eine 60-Liter-Tonne zu teuer erscheine oder die diese nicht voll bekämen, böte sich ein Zusammenschluss mit dem Nachbarn zur sogenannten "Entsorgungsgemeinschaft" an. Ansonsten sieht Graf keine Möglichkeit für die gewünschte 50er-Rädertonne: "Sie entspricht nicht der Norm und ist auch nicht am Markt erhältlich." (Angemerkt)

Antrag der FWS/FDP im KreistagZum angestrebten Umtausch der 50-l-Restmülltonne in eine 60-l-Tonne mit Rädern und der damit verbundenen Erhöhung der Müllgebühren um 20 Prozent auf dann 61,20 Euro stellte die FWS/FDP-Kreistagsfraktion nun einen Antrag an den Kreistag.

"Es muss auch den Bürgern die Möglichkeit gegeben werden, diese gegen eine inhaltsgleiche 50-l-Restmülltonne mit Rädern zu tauschen, die der neuen EU-Norm entspricht und die nicht mit Gebührenerhöhung verbunden ist." Beim Thema Müllentsorgung sei die Müllvermeidung der wichtigste Grundsatz. Ein weiteres Argument sei, dass viele Single- und Zwei-Personen-Haushalte mit 50 Litern Restmüll sehr gut zurechtkämen. 50-l-Restmülltonnen mit Rädern seien auf dem Markt vorhanden, im Landkreis Regensburg bereits im Einsatz.

"Warum sollte dies nicht auch im Landkreis Amberg-Sulzbach möglich sein? Das Amt für Abfallwirtschaft soll daher Angebote zur Beschaffung von 50-l-Restmülltonnen mit Rädern, die der EU-Norm entsprechen, einholen." (ge)

Der Fehler im System

Von Joachim Gebhardt

Es hätte so schön sein können: Man kauft sich eine 50-Liter-Tonne mit Rädern, und alles ist gut mit dem wenigen Restmüll. Von wegen. Die EU war es wieder einmal. Sie will gleichgeschaltete Mülltonnen, die in die ebenfalls genormten Fahrzeuge passen. Und Müllwerker, die sich nicht mit räderlosen schweren Eimern plagen müssen. Ist ja verständlich.

Nun ist es aber so, dass das Amt für Abfallwirtschaft diese Auflagen zum Wohle der Menschen einhalten muss. Passiert ein Unfall mit einer nicht normgerechten Tonne, stellt sich zusätzlich noch die Haftungsfrage. Das ist auch verständlich.

Also: Norm-Tonne ist künftig die 120-Liter-Größe. Sie kann aber innen verkleinert werden. Und nun aufgepasst: Die EU hat ihr sogar 35, 40, 50 (!) und die bekannten 60 und 80 Liter Inhalt erlaubt. Könnte man abrechnungstechnisch in den Griff bekommen. "Hurra!", rufen die 50er-Fans. "Wir sind doch keine Unmenschen!", meint der Amtsleiter.

Doch die Hersteller sagen einfach: Nö, wir bauen nur 60er- und 80er-Einsätze, alles andere rentiert sich nicht. Also ist der Schwarze Peter gefunden: Es ist der Kapitalismus selbst. Was keinen Gewinn bringt, wird nicht gemacht, Umwelt hin, Umwelt her. Für diese Einstellung gehört er selbst in die Mülltonne. Aber in die mit 50 Litern.
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