Annette Erös berichtet über das Leben der Frauen in Afghanistan und Hilfsprojekte ihrer Stiftung
Bildung das A und O

Mit vielen Bildern und Anschauungsmaterial illustrierte Annette Erös ihren Vortrag über das Leben der Frauen in Afghanistan. Bild: wbe

Zwei Stunden lang lenkte Annette Erös die Blicke beim Katholischen Frauenbund St. Marien auf das Leben der Frauen in Afghanistan. Sie schilderte auch die Projekte der Kinderhilfe, die sie mit ihrer Familie aufgebaut hat.

Annette Erös hat tiefen Einblick in dieses Land, wo sie mit Mann und fünf Kindern selbst einige Zeit lebte und das sie seit über 30 Jahren immer wieder bereist. Doch wie lebt man in Afghanistan; einem Land, das zu drei Vierteln aus sehr schwer zugänglichen Gebirgen und aus Wüste besteht? Wo Temperaturen zwischen plus 50 und minus 50 Grad herrschen? Wo seit 40 Jahren Krieg tobt?

80 Prozent der Bevölkerung lebt in Dörfern meist als Großfamilien. Die Großeltern wohnen mit ihren verheirateten Söhnen, den Schwiegertöchtern und deren Kindern zusammen, insgesamt 50 bis 80 Personen.

Wasserquellen sind oft vier bis fünf Kilometer weit weg, und das Essen wird über Feuern aus getrockneten Kuhfladen und Stroh zubereitet. Auch die Kinder müssen schon mitarbeiten, verkaufen Obst oder hüten die Tiere. Ehen werden von den Eltern arrangiert, jedoch dürfen die künftigen Ehepartner zustimmen.

Die Braut ist oft noch sehr jung, muss sich aber bald um den Haushalt und die schnell immer größer werdende Familie kümmern. Schulbesuch ist deshalb für Mädchen meist nicht vorgesehen. Jedoch ist Bildung das A und O, auch in Afghanistan, vor allem für Frauen, denn Bildung ändert eine Gesellschaft.

Mütter sterben


Die Müttersterblichkeit ist sehr hoch, bedingt durch Unterernährung, Vitaminmangel, weite Wege zum Arzt und fehlendem Zugang zu klinischer Versorgung. Die Lebenserwartung der Frauen liegt nur bei etwa 50 Jahren.

Die Referentin erklärte, dass der klassische Islam in Afghanistan völlig unpolitisch und nie missionarisch sei. Man kenne Tanz, Musik, sogar Wallfahrten und Heiligenverehrung. Mann und Frau seien gleichwertig, auch die herrlichen Wonnen in der Ewigkeit würden Mann und Frau zugleich versprochen. Der Satz "Das Paradies liegt zu Füßen der Mütter" zeige ihre hohe Stellung im Islam.

Nach diesen grundlegenden Ausführungen berichtete Annette Erös von den Aktionen der Stiftung Kinderhilfe Afghanistan. Sie wurde 1998 gegründet; voraus ging die private Unterstützung für eine Schule. Das Hauptanliegen sei es, Mädchen und Frauen eine Schulbildung zu ermöglichen. Sie können Lesen und Schreiben lernen, sogar Englisch, bekommen Bücher und inzwischen auch Computer.

Gemeinsam mit Einheimischen, die an der Planung und Ausführung vor Ort beteiligt seien, und der Zustimmung der Taliban betreibe die Kinderhilfe inzwischen 30 Schulen mit etwa 60 000 Schülern und 1400 Lehrern, eine Mutter-Kind-Klinik, eine Frühgeborenen-Station, zehn Computer-Ausbildungszentren, zwei Waisenhäuser, eine Solarwerkstatt und zwei Berufsschulen für Mädchen. Eine Universität für Frauen und drei christlich-muslimische Gemeinschaftsschulen an der Grenze zu Pakistan seien die jüngsten Projekte. Das alles geschehe ausschließlich mit privaten Spenden. Auch die Zuhörer beteiligten sich daran in der Überzeugung, dass dieses Geld gut verwendet wird.

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Weitere Informationen:

www.kinderhilfe-afghanistan.de/
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