Ausbildungsvertrag für nigerianischen Flüchtling
„Mit ihm geht die Sonne auf“

Firmenchef Stefan Kalkbrenner (links) spart nicht mit Lob für seinen Auszubildenden Kevin Okoro. In kürzester Zeit habe sich der junge Nigerianer eingearbeitet und zeige große Einsatzfreude bei den täglichen Herausforderungen.
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
22.01.2016
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Mir gefällt es hier sehr gut, alle Kollegen sind sehr nett und die Arbeit macht Spaß.

Sein Schicksal ist kein Einzelfall, aber für Kevin Okoro zeigt sich jetzt eine gute Perspektive. Der junge Nigerianer kam als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling (UMF) in die Herzogstadt. Hinter ihm lagen viele traumatische Erlebnisse. Jetzt hat ihn die Firma Metallbau Kalkbrenner als Auszubildenden eingestellt. Dort zeigt er besondere Fähigkeiten und erntet viel Lob.

Bis auf seine Tante hat die islamische Terrormiliz Boko Haram in Nigeria die ganze Familie von Kevin Okoro ausgelöscht. Krieg, Gewalt und Repression zwangen den jetzt knapp 19-Jährigen im Jahr 2014 zum Verlassen der Heimat. Seine Flucht führte ihn zunächst ohne Geld und Habe durch das Nachbarland Niger bis nach Libyen. Dabei schlug er sich auch unter extremsten Entbehrungen eine gute Woche durch die Sahara. Von der libyschen Hauptstadt Tripolis ging es auf einem nicht gerade vertrauenserweckenden Boot mit 200 weiteren Flüchtlingen auf gefährlicher Passage nach Sizilien. Fünf Menschenleben forderte diese Überfahrt, wie Kevin Okoro berichtete. Mit dem Zug fuhr er dann von Italien bis nach Rosenheim. Nach gut einem Monat hatte sein dortiger Betreuer eine passende Unterkunft - das Ernst-Naegelsbach-Haus in Sulzbach-Rosenberg - gefunden.

Freunde beim Fußball


Zwölf junge Männer fanden dort im August 2014 eine sichere Bleibe. Leitung, Personal und Ehrenamtliche leisten seitdem enorme Anstrengungen für die Integration. Dazu zählt unter anderem auch die Zusammenarbeit mit dem TuS Rosenberg, wo die Flüchtlinge beim Fußball schnell Freundschaften schlossen und wieder neuen Lebensmut fassten.

Auch die Möglichkeit, an Berufspraktika teilzunehmen, sollte für die Hilfsbedürftigen neue Perspektiven eröffnen. Für Kevin Okoro erwies sich Letzteres als Glücksfall. Schon am dritten Praktikumstag bei Metallbau Kalkbrenner im Stadtteil Rosenberg erhielt er von Chef Stefan Kalkbrenner ein Ausbildungsplatzangebot zum 1. September 2015. Mittlerweile hat der junge Nigerianer, der auf die positive Bewertung seines Asylantrags wartet, seinen Platz in der Firma gefunden: "Mir gefällt es hier sehr gut, alle Kollegen sind sehr nett und die Arbeit macht Spaß."

Auch von den übrigen Mitarbeitern wurde der Afrikaner sehr freundlich aufgenommen, er ist Teil der Firmen-Familie. "Kevin zeigt Willen, ist freundlich, höflich und sehr hilfsbereit. Beeindruckt hat mich auch sein Geschick, das sich vor allem bei den Schweißnähten zeigt", lobt Kalkbrenner seinen Auszubildenden. Dieser habe in der Region Amaho in Nigeria schon mit elf Jahren zu arbeiten begonnen und war von 2007 bis 2012 mit Metall- und Schweißarbeiten konfrontiert.

Mir gefällt es hier sehr gut, alle Kollegen sind sehr nett und die Arbeit macht Spaß.Kevin Okoro

Ganz besonders freut es den Lehrherrn, dass sein Azubi beim Schweißkurs des St. Michaelswerks in Grafenwöhr, wo die Blockbeschulung eine Woche pro Monat über die Bühne geht, als Klassenbester abgeschlossen hat.

Der Lehrplan sei dort für die ausländischen Schüler modifiziert und die Klassenstärke angepasst worden. "Wir verstehen uns in der Berufsschule alle gut, aber wir müssen sehr viel für die Prüfungen lernen. Vor allem die Berechnungen sind sehr schwer", berichtet Okoro. Für Stefan Kalkbrenner und seinen Schützling wäre es nun der sehnlichste Wunsch, dass der Asylantrag positiv beschieden werden würde.

Nächster soll kommen


"Mit dem Ausbildungsplatz ist leider nicht automatisch ein Bleiberecht verbunden, aber hier sollten eindeutig Arbeits- und Integrationswille als Aufenthaltskriterien dienen. Alle meine Leute sind von Kevin begeistert. Wenn er hereinkommt, geht die Sonne auf. Deshalb plane ich, schon im September einem weiteren Flüchtling eine Ausbildung zu ermöglichen", macht Kalkbrenner unmissverständlich im Pressegespräch klar. (Angemerkt/Zum Thema)

Kolping-JugendhilfeZusammen mit weiteren Asylsuchenden wohnt Kevin Okoro jetzt in Amberg in einer Wohneinheit der Jugendhilfe des Kolping-Bildungswerks (KBW) Amberg, die sich um die Belange der Flüchtlinge sorgt. Der junge Azubi kümmert sich in seiner Unterkunft ums Kochen und anfallende Reparaturen. Mit dem Bus kommt er zur Arbeitsstelle in Sulzbach-Rosenberg und zur Berufsschule nach Grafenwöhr.

Nach eigenen Angaben ist das KBW seit über 40 Jahren in der Diözese Regensburg einer der großen Bildungsträger in Ostbayern: "Wir bieten allen Menschen eine ihrer Anlage entsprechende Bildung an und fördern sie bei der Entfaltung ihrer Persönlichkeit sowie ihrem beruflichem und gesellschaftlichem Weiterkommen. Das KBW orientiert seinen Bildungsbegriff an christlichen Werten und richtet die Arbeit nach dem, was die Menschen brauchen."

Das KBW arbeitet mit einer Vielzahl an Kooperationspartnern aus Gesellschaft, Wirtschaft und dem öffentlichen Leben zusammen. Das KBW ist auch Träger der freien Jugendhilfe und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge anerkannter Sprachkursträger. (oy)
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