Ausstellung über das KZ Hersbruck in der Synagoge eröffnet
Zuviele Opfer fürs Krematorium

Die Kuratoren Paul Kornmayer (rechts) und Wilhelm Henke erklärten Aufbau und Inhalt der Ausstellung über das KZ Hersbruck. Bilder: Royer (3)

Unsägliches Leid, menschenunwürdige Verhältnisse, Elend und Tod in unmittelbarer Nachbarschaft der Herzogstadt. Diese Eindrücke vermittelt eine Ausstellung über das KZ Hersbruck in der ehemaligen Synagoge. Dadurch rücken die Opfer des dortigen ausbeuterischen NS-Rüstungsprojekts ins Blickfeld. Eine wichtige Mahnung vor rechtsextremen Einstellungen.

"Die schwere Arbeit und die völlig unzureichende Ernährung schwächten die Gefangenen. Fast alle litten an Hunger und Mangelerscheinungen. Nach einigen Wochen waren sie zu Skeletten abgemagert. Tausende von ihnen starben an Auszehrung und Krankheiten", so eine der erschütternden Erklärungen von Paul Kornmeyer. Zusammen mit Wilhelm Henke vom Verein "Dokumentationsstätte KZ Hersbruck" wirkt er als Kurator der bedeutenden Ausstellung.

Vor rund 80 Besuchern erläuterten sie auf 16 Tafeln die Geschichte des drittgrößten Konzentrationslagers in ganz Süddeutschland nach Dachau und Flossenbürg - und gemessen an der Zahl der Toten eines der schlimmsten überhaupt - dar. Bürgermeister Michael Göth dankte den Initiatoren für die Realisierung und verwies auf die Erforschung der nationalsozialistischen Vergangenheit der Stadt Sulzbach-Rosenberg.

Stollen in der Houbirg


Kornmeyer erzählte im Einführungsvortrag vom Ansinnen der SS-Führung im Januar 1944, ein Werk für BMW-Flugzeugmotoren in die Dogger-Schicht der Houbirg bei Happurg zu graben, um vor alliierten Bombenangriffen geschützt zu sein. Bis zum Eintreffen der Amerikaner am 16. April 1945 hatte die Stollenanlage dann eine Gesamtlänge von rund Vier Kilometer erreicht, 14 Prozent der geplanten Ausdehnung. Zum Bau setzte die SS Zwangsarbeiter ein, die in einem ehemaligen Lager des Reichsarbeitsdienstes unter katastrophalen Verhältnissen in unmittelbarere Nähe des Freibadgeländes in Hersbruck eingesperrt wurden.

Im August 1944 befanden sich in diesem KZ bereits 2000 Häftlinge, die täglich fünf Kilometer zur Dogger-Baustelle zurücklegen mussten. Auch die Bevölkerung nahm diese Marschkolonnen wahr. Mitte Februar 1945 war die Höchstbelegung mit etwa 6000 Gefangenen erreicht.

Auf Scheiterhaufen


Die menschenunwürdigen Verhältnisse kosteten rund 3500 Häftlingen das Leben. Die Toten ließ die SS - nachdem das Krematorium in Nürnberg und ein Ofen auf der Baustelle nicht ausreichten - auf Scheiterhaufen bei Schupf und Hubmersberg verbrennen. Auch dort erinnern Mahnmale an die großen Verbrechen. (Angemerkt, Zum Thema)

Todes-StatistikNach Pfarrer Hans-Friedrich Lenz starben von Juni 1944 bis März 1945 2640 Häftlinge im Lager Hersbruck. Die Zahl der Toten auf dem Todesmarsch und in den letzten Tagen des Lagers ist unbekannt. Insgesamt starben aber mindestens 3500 Gefangene.

Juni 2 Tote

Juli 3 Tote

August 7 Tote

September 94 Tote

Oktober 105 Tote

November 508 Tote

Dezember 467 Tote

Januar 250 Tote

Februar 465 Tote

März 741 Tote
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