Bald erfüllt sich für die Kneipp-Kita in Rosenberg ein Traum
Kinder-Kneippen in der Kita

Luis, Carolina, Kindergarten-Leiterin Gabi Wachter, Luisa und Pfarrer Saju Thomas (von links) halten ihre Beine schon mal in die zukünftigen Wannen für Fußbäder hinein. Bild: bni

Momentan ist die "Fahrzi" des Kneipp-Kindergartens, wie die Kleinen die Halle nennen, größtenteils gesperrt. Hinter einem Bauzaun liegen Werkzeuge herum, in einer Wand klafft ein riesiges Loch. Trotzdem sind die Kinder nicht enttäuscht.

Eigentlich haben die Mädchen und Buben des Katholischen Kneipp-Kindergartens in Rosenberg eine recht große Fahrzeughalle. Dort können sie mit Rollern, Dreirädern und anderen Gefährten herumsausen und auch dann noch an der frischen Luft sein, wenn es einmal regnet. Die Sperrung macht den Kindern aber nichts aus. Denn sie wissen: Dort entsteht der Kneippraum, den sich alle schon so lange wünschen. Und in ein paar Wochen ist er fertig - wahrscheinlich noch vor Ende Juli.

Brand kam dazwischen


Schon 2013 hatte der Träger, die Pfarrei Herz Jesu, beschlossen, einen Kneippraum zu bauen. Doch dann kam 2014 der Brand, der große Teile der Inneneinrichtung im Kettelerhaus zerstörte. Das Zimmer, das für die Anwendungen vorgesehen war, wurde als Zwischenlager gebraucht. Und Kinder und Erzieherinnen mussten warten. Es war nicht so, dass nun gar nicht gekneippt werden konnte.

Kindergarten-Leiterin Gabi Wachter erklärt im Pressegespräch: "Kneipp heißt nicht nur Wassertreten." Die Gesundheitslehre von Sebastian Kneipp bestehe aus fünf Säulen: Wasser, Ernährung, Bewegung, Kräuter, Ordnung.

Jeden Tag fließe etwas davon in den Kindergartenalltag mit ein. "Das können ganz einfache Dinge sein: Man backt mit den Kindern einen Kuchen oder spricht mit ihnen darüber, wo das Essen herkommt. Die Kinder turnen und tanzen, säen und ernten selbst Kräuter und machen einen Quark, eine Creme oder Kräutersäckchen daraus."

Bisher recht aufwendig


Die Säule Wasser sei eben nur die aufwendigste. Für eine ganze Gruppe ein Fußbad herzurichten und dafür zu sorgen, dass alle drankommen - "da ist man einen ganzen Vormittag beschäftigt", sagt Wachter. Bisher habe das gut funktioniert, weil ihr gesamtes Team mit Herzblut bei der Sache sei. Alle seien entsprechend ausgebildet, lebten selbst nach dem Kneipp-Konzept.

"Alles andere wäre nicht authentisch", wie Wachter weiß. "Ich kann die Kinder nicht zum Schneetreten rausschicken und selber drinnen am Fenster stehenbleiben. Erst dann, wenn wir mit Leib und Seele dabei sind, können wir auch bei den Kindern Begeisterung wecken."

Wenn der Kneippraum erst einmal fertig ist, sei eine Wasseranwendung nicht mehr so zeitintensiv. Während eine Erzieherin in Ruhe alles vorbereiten könne, beschäftige die andere die Kinder. Kneippanwendungen sollten nämlich in Ruhe stattfinden, es soll Atmosphäre entstehen, Musik und Licht sollen entspannen. "Wenn ich da als Erzieherin Hektik ausstrahle, bringt das den Kindern gar nichts", betont Wachter. Auch könne der Raum individueller, spontaner genutzt werden. Kosten wird er die Pfarrei etwa 70 000 Euro. Und die seien zu einem großen Teil mit Spenden finanziert worden, erzählt die Leiterin des Kindergartens.

Von vielen Seiten Geld


Privatleute und Firmen hätten sich in manchen Fällen mit sehr hohen Beträgen beteiligt, Vereine und Verbände Sammelaktionen für die Kita gestartet, und auch der Elternbeirat habe mit Preisrommé oder Kuchenverkäufen bei Festen etwas zur Finanzierung beigetragen. In einem Testament sei der Kindergarten ebenfalls schon bedacht worden. Geplant hat den Raum übrigens kein Kneipp-Spezialist. Zusammen mit der Kirchenverwaltung war es Norbert Fleischmann, der sich an die Konzeption des Raums setzte und vor allem die Erfahrungen und Ideen des Personals einfließen ließ. Die Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen seien es schließlich, die seit 2007 - seit diesem Jahr ist der Kindergarten zertifizierte Einrichtung - den Kleinen das Konzept von Pfarrer Sebastian Kneipp näherbringen, wie Wachter hervorhebt.

In die Familie tragen


Natürlich weiß sie, dass nicht alles bei den Kindern hängenbleibt: "Wir sind auch stolz darauf, wenn nur ein paar Kinder ihr Wissen an ihre Eltern weitergeben und dann ein Rezept nachgekocht, eine Kräuterlimo nachgemacht oder eine Anwendung auch mal daheim ausprobiert wird."

Kneippraum mit allem PipapoAlles, was das Kneipp-Herz begehrt, wird der Raum bekommen: einen Garderobenbereich mit Kindertoilette, Wannen für Fuß- und Armbäder, ein Wassertretbecken mit Handlauf, eine Ecke mit Schlauch für Güsse und einen Zugang ins Freie für Aktivitäten draußen - zum Beispiel Schneetreten. Abgeschlossen sind bisher die Maurer-, Installations- und Elektroarbeiten. Innenputz und Fenster fehlen noch, und auch der Fliesenleger muss noch ran. "Bisher hatten wir aber noch keinen Stillstand", berichtet Kindergarten-Leiterin Gabi Wachter. Teilweise werde zeitgleich gearbeitet. (bni)
Wir sind auch stolz darauf, wenn nur ein paar Kinder ihr Wissen an ihre Eltern weitergeben und dann ein Rezept nachgekocht, eine Kräuterlimo nachgemacht oder eine Anwendung auch mal daheim ausprobiert wird.Kindergartenleiterin Gabi Wachter
Ich kann die Kinder nicht zum Schneetreten rausschicken und selber drinnen am Fenster stehenbleiben. Erst dann, wenn wir mit Leib und Seele dabei sind, können wir auch bei den Kindern Begeisterung wecken.Kindergartenleiterin Gabi Wachter
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