Bauausschuss legt Widerspruch gegen Unterkünfte ein
"Ghetto ist die falsche Lösung"

So sollten die Gebäude aussehen, die der Staat an der Lohe plant - hier die Südost- und Nordwest-Ansicht. Repro: ge
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
20.02.2016
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Die Wellen schlugen hoch am Donnerstag vor einer Woche, als im Kettelerhaus die Planung des Freistaates für den Bau dreier Flüchtlingsunterkünfte an der Lohe vorgestellt wurde: Der Bürgermeister versprach, die Bedenken der Anwohner mitzunehmen in die Sitzung des Umwelt-, Bau- und Planungsausschusses.

In der Tat: Die Sitzungsvorlage listete noch einmal den bisherigen Verlauf der Gespräche auf und enthielt die Feststellung, "dass durch eine Belegung mit maximal 84 Flüchtlingen durchaus die Gefahr einer Ghetto-Bildung in diesem Gebiet" bestehe. Alle Fraktionen widersprachen den Staatsplänen.

Als Chance sehen


Staatlicher Wohnungsbau sei prinzipiell zu begrüßen, meinte Dr. Thomas Steiner (SPD), solle aber auch der eigenen Bevölkerung zugute kommen. Integration von Flüchtlingen sei nur bei dezentraler Unterbringung möglich. "Wir müssen die Flüchtlinge aber auch als Chance sehen", sprach er Arbeitsmarkt, Schulen, Kindergärten und Wertschöpfung an.

Stimmung anheizen?


Im übrigen trage nicht Rosenberg die Hauptlast, auch in Sulzbach seien mehr als 140 Personen untergebracht, weitere Planungen liefen. Dann fuhr er noch einen Angriff gegen die Staatsregierung: Er hege den Verdacht, dass die massive Unterbringung in kleinen Wohngebieten bewusst die Stimmung im Land gegen die Flüchtlinge anheizen solle. Der Wohnraum von 45 Quadratmetern entspreche zudem nur der Hälfte der angemessenen Größe für eine vierköpfige Familie.

Auch Yvonne Rösel von den Grünen bezeichnete die Planung als Fehler: Neben aller Polemik sei aber deutlich geworden, dass es um die Integration gehe. Dazu seien auch die Anwohner bereit - mit solchen Wohnblöcken könne dies aber nicht gelingen. Deutliche Reduzierung und zusätzliche Einheiten im gesamten Stadtgebiet seien die Lösung.

Jetzt Standorte suchen


Auch Christian Steger für die CSU schloss sich an, mahnte aber, "dass wir diese Menschen integrieren müssen". Jetzt gelte es, kompetent und flexibel verträgliche Standorte zu suchen.

Karl-Heinz Kreiner (FDP/FWS) plädierte ebenfalls für kleinere Wohneinheiten, Irmgard Reisima-Renner schlug vor, leerstehende Häuser im Stadtgebiet zu nutzen. "Wir müssen die Leute ja unterbringen!"

Gemeinsam wolle man nun alle Möglichkeiten prüfen, kündigte Bürgermeister Michael Göth abschließend an, auch das Bündnis Sulzbach-Rosenberg hilft werde einbezogen.

"Die Furcht vor dem Ghetto überwiegt", bilanzierte Stadtbaumeisterin Petra Schöllhorn. Sie gehe aber davon aus, dass sich die Regierung nicht über diese Bedenken hinwegsetze. Der Beschluss zum Widerspruch gegen das Vorhaben fiel mehrheitlich gegen eine Stimme.
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