Bauwirtschaft wirbt schon im Kindergarten
Hammer, Nagel, Feile, Kinder

An die Raspel, fertig, los: Mit Feuereifer bearbeiteten die Kinder gemeinsam den langen Holzblock. Bilder: Gebhardt (2)
 
Innungs-Obermeister Hans Falk (rechts) als Pate und Kirchenpfleger Erich Weiß staunten über den Fleiß und die Ernsthaftigkeit der Kinder beim Werken.

Andreas und Lukas haben den Bogen schon raus: Zwei Steine halten einen dritten. Auch Leopold hat schon eine respektable Mauer errichtet, der stabile Verbund macht die Handwerker stolz. Zwar sind die Kleinen erst fünf oder sechs Jahre alt. Doch am Ende des Tages dürfen sie alle den Titel "Baumeister" tragen.

Kinder als Handwerker? Aber ja. Mit der Initiative "Baumeister gesucht" bringen die Verbände der Bayerischen Bauwirtschaft das Bauhandwerk in bayerische Kindergärten. 50 davon besuchen sie im Jahr, heuer war auch der Kindergarten St. Marien an der Reihe. Mit Werkbank und Werkzeug ausgerüstet, erleben und lernen die Kinder, wie viel Spaß es macht, etwas mit den eigenen Händen zu bauen. Zugleich erfahren die Erzieherinnen, wie sie das Bauhandwerken in den Kita-Alltag integrieren können.

Als Pate fungierte in Sulzbach der Obermeister der Bauinnung, Hans Falk. Begleitet von Kirchenpfleger Erich Weiß als Vertreter des Trägers hieß er im Kindergarten die beiden Spielpädagogen Harry Hammer und Nicki Nagel willkommen.

Für mehr Praxis


Ziel der Initiative sei es, das Bauhandwerken langfristig in den Kindergarten-Alltag zu integrieren, erklärte Falk, denn praktische Lernerfahrungen träten bei der Bildung und Erziehung zunehmend in den Hintergrund. Diesem Trend wolle die Verbandsinitiative der bayerischen Bauwirtschaft entgegenwirken und von Kindesbeinen an für das Bauen begeistern. Was ist so wichtig am Bauen? Die beiden Pädagogen wussten es genau: "Das Bauhandwerken fördert Geschick und Konzentration, aber auch Lösungskompetenz bei Problemen und damit Fähigkeiten, die für das ganze Leben wichtig sind."

Harry Hammer und Nicki Nagel von der mobilen Bildungsinitiative sind bayernweit unterwegs, um die Baumeister von morgen aufzuspüren. Im Gepäck haben sie prall gefüllte Baumeister-Pakete mit Werkbank, Werkzeug und einem Handbuch, die sie den Kindergärten und Kitas überbringen. Jedem dieser Vormittage geht eine Schulung voraus, auch in Sulzbach: Die beiden vermittelten den Erzieherinnen, wie sie Kindern das Bauhandwerken fach- und altersgerecht näherbringen können. Dazu gab es jede Menge Tipps und Tricks für den geschicktesten Einsatz von Hammer, Säge und Maurerkelle.

Urkunden für alle


Und dann ging es los im Turnraum im ersten Stock: Gelbe Bauhelme dominierten die Szene. Auf einem Tisch wuchsen kleine Ziegelsteine zu Türmen und Mauern. Nebenan fixierten die Kinder ein Stück Holz mit der Schraubzwinge in der Gehrungslade und sägten sich einen Klotz herunter. Den Umgang mit Feile und Raspel übten die 17 Vorschulkinder am Holzblock, und wie man Hammer und Nagel richtig einsetzt, lernten die Kleinen auf der letzten Station.

Nach drei spannenden Stunden durften die begeisterten Kinder sichtlich stolz die offizielle Urkunde "Ich bin ein Baumeister!" entgegennehmen. Eine Werkbank samt Werkzeug erhielt der Kindergarten auch noch als Geschenk, sie steht jetzt im Erdgeschoss und wird noch gute Dienste leisten. Und bei den Kindern bleibt die Erkenntnis für ihre Zukunft: In jedem von uns steckt ein Baumeister!

Drei Fragen an Innungs-Obermeister Hans FalkHerr Falk, wie viele Beschäftigte arbeiten derzeit im Landkreis in der Bau-Branche, und welche Handwerke gehören alle dazu?

Es gab zum Jahreswechsel im Landkreis Amberg-Sulzbach 2322 Beschäftigte, ein Zuwachs um 165. Das sind rund 8,5 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Im Kreis existieren etwa 150 Baubetriebe mit rund 15 Ausbildungsplätzen.

Haben Sie von der Bauinnung Sulzbach-Rosenberg mit der Fachgruppe Zimmerer Amberg-Sulzbach Probleme, Nachwuchs zu finden?

2016 gingen die Bewerbungen bei den Maurerlehrlingen sehr stark zurück. Wie wir aus Gesprächen mit Schulabgängern erfuhren, favorisieren diese eine Weiterbildung an Fachoberschulen oder Lehrstellen in der Industrie. Bei den Baufirmen in der Stadt Sulzbach-Rosenberg fehlt es heuer auch an Auszubildenden zum Maurer, obwohl dieser Beruf sehr abwechslungsreich und attraktiv ist.

Werden Sie die Initiative "Baumeister gesucht" auch in entsprechender Form in den Schulen fortsetzen, um die Jugendlichen zu informieren?

"Baumeister gesucht" ist nur in den Kindergärten vorgesehen. Wir sind aber immer wieder in den Mittelschulen und Realschulen vor Ort, um unsere Bauberufe vorzustellen. Jedes Jahr findet auch ein Lehrertag statt, mit praktischer Demonstration der verschiedenen Ausbildungsberufe. (ge)
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