Bayerische Meisterschaft der Retrieverhunde:
Kein Problem in Wald und Wasser

Ruhig, verträglich, ausgeglichen: Retriever sind die perfekte Rasse für das anspruchsvolle Training.
 
Im Eiltempo durchs Wasser mit dem blauen Dummy: Dieser "Flat" hat seine Aufgabe perfekt erfüllt. Bilder: Gebhardt (3)

Im Wald und am Weiher kracht es. Den ganzen Tag über fallen Schüsse, doch Jäger sieht man keine. Nur gelbe, braune oder schwarze Hunde flitzen herum: mal im Wasser, mal im Gebüsch. Und meist haben sie eine blaue Wurst im Maul. Das freut dann das Frauchen oder Herrchen sehr. Was ist da eigentlich los?

"Bavarian Lion's Cup 2016" heißt die Antwort. Die Landesgruppe Süd des Deutschen Retriever-Clubs richtet diese der Bayerischen Meisterschaft vergleichbare Veranstaltung aus, und über Hundert Hunde aus diesmal vier Retriever-Rassen stellten sich an zwei Tagen den hohen Anforderungen dieses Tests.

Suche im Gebüsch


Alle Retriever sind Jagdhunde und wollen beschäftigt werden. Durch das Training mit dem Dummy, einer meist blauen Stoff-Wurst, kann jeder Besitzer seinen Retriever praxisnah beschäftigen und fit halten - auch wenn er nicht im jagdlichen Dauereinsatz steht. Doch selbst aktive Jagdhunde können durch diese Arbeit ihr Leistungsniveau bei Gehorsam und Apportieren besser halten.

Keine Gebelle


Der Dummy wird vorher deponiert oder vor den Augen des Hundes geworfen, ein Schuss gibt das Startsignal und dann muss der Vierbeiner selbstständig suchen im Gebüsch. Das Besondere daran ist, dass der Mensch das Tier quasi fernsteuert. Und das funktioniert so: Der Hundeführer dirigiert ihn nur durch Signalpfiffe und Armgesten: "Voran", "Halt!", "Rechts!", "Suchen!" etc.

Je weniger Kommandos nötig sind, desto mehr Punkte gibt es. Tieferer Sinn dieses Tuns ist die Ausbildung zum perfekten Jagdhund, der Beute selbstständig zielgerichtet sucht, findet und sofort dem Jäger bringt.

Kein Gebelle machte in der Oberen Wagensaß auf diese Prüfung aufmerksam, äußerst diszipliniert arbeiteten die friedfertigen Vierbeiner. Prüfungsleiterin Betty Schwieren und ihre Kollegen aus Deutschland und Italien hatten jede Menge zu tun: 32 Hunde gingen in der Anfängerklasse an den Start, 37 in der Fortgeschrittenen-Kategorie und 22 in der offenen Meister-Klasse.

Disziplin ist alles


Und so läuft eine typische Prüfung ab: Hund und Mensch stehen mit den Schiedsrichtern am Teichufer und beobachten. Zwei Dummys fliegen in Hundert Metern Entfernung ins Gebüsch und auf eine Insel. Dann krachen zwei Schüsse.

Der Besitzer schickt den Retriever los, er sucht selbstständig, findet nacheinander beide Objekte und bringt sie jeweils zurück. Dann dreht sich die Gruppe Richtung Wald: Dort liegt schon ein Dummy ebenfalls Hundert Meter entfernt im Unterholz. Wieder ein Schuss, und der Hund spurtet los, wird kurz dirigiert und kommt erfolgreich zurück. Viele Punkte sind sein Lohn, wenn alles klappt, manchmal allerdings zeigt sich doch noch Übungsbedarf, was das selbstständige Arbeiten angeht. Aber in der Regel schlugen sich die Bewerber tadellos und qualifizierten sich teils sogar schon für die weiterführende Meisterschaft. Zufrieden am Waldrand rastende Hund-Mensch-Gespanne zeugten von der engen Verbundenheit zwischen Tier und Ausbilder. Die Veranstalter zeigten sich zufrieden, die Organisatoren vor Ort, Klaus und Sabine Bichlmaier, hatten gute Arbeit geleistet, und die Teilnehmer aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland nahmen so nur beste Eindrücke aus der Oberpfalz mit nach Hause.

PorträtDer Deutsche Retriever-Club definiert die Hunde-Arbeit ganz klar. Alle Retrieverrassen sind ursprünglich als Jagdhunde gezüchtet worden (engl. to retrieve: zurückbringen, apportieren). Ihre Aufgabe war es in erster Linie, erlegtes Feder- und Wasserwild zu apportieren.

Die meisten Retriever zeichnen sich daher durch folgende Eigenschaften aus: beste Apportieranlagen, Wasserfreude und hervorragende Schwimmtechnik, freundliches, unkompliziertes Wesen, Arbeitswille, Standruhe, Ausdauer, gute Lenkbarkeit und Kooperationsbereitschaft. Diese Eigenschaften, so der Club, prädestinierten den Retriever für die jagdliche Arbeit nach dem Schuss und machten ihn zum angenehmen Begleiter. Darüber hinaus verfüge er über hohe Lernbereitschaft und den Wunsch, es seinem Führer Recht zu machen. Heuer waren dabei die Rassen Golden Retriever, Labrador, Flat-Coated, Chesapeak-Bay.

Viele Retrieverfreunde möchten ihre Hunde wegen ihres freundlichen Wesens und ihrer Führigkeit aber als reine Familienmitglieder halten. "Dennoch", lautet die klare Maßgabe des Clubs, "sollte man bei der Anschaffung bedenken, dass diese Hunde oftmals nicht ausgelastet sind, wenn sie keine Aufgaben haben, die sie auch geistig fordern." Reines Spazierengehen könne dafür nicht unbedingt ein befriedigender Ausgleich sein. (ge)
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