Bedeutender Fund bei Abbrucharbeiten in Sulzbach-Rosenberg
Historische Brücke im Schlamm

Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
22.04.2016
1949
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Kaufmannszüge auf der Goldenen Straße von Nürnberg nach Prag dürften mehrfach durch die Herzogstadt gekommen sein. Passieren mussten sie den Erlbach über eine massive Holzbrücke. Ihre mutmaßlichen Überreste kamen jetzt beim Abbruch der Betonbrücke am Erlheimer Weg zutage. Archäologe Mathias Hensch spricht bei der ersten Bewertung von einer kleinen Sensation.

Absolute Gewissheit wird zwar erst die dendrochronologische Untersuchung (Bestimmung des Holzalters) der 36 Brückenpfähle bringen, aber der Wissenschaftler legte sich nach Untersuchung der vorgefundenen Begebenheiten bereits auf eine Zeit vor dem 19. Jahrhundert fest. Sogar das Früh- oder Spätmittelalter könnte als Entstehungszeitraum in Frage kommen. Bemerkenswert sei der enorm gute Erhaltungszustand der Pfähle, wofür der luftdichte Abschluss in feuchtem Untergrund verantwortlich sei.

Im Laufe der vergangenen Woche waren Arbeiter der Firma Englhard in 3,50 Meter Tiefe auf die eingerammten Holzpfähle gestoßen. Schon im Vorfeld der Brückensanierung am Erlheimer Weg sei von der Verwaltung als Untere Denkmalschutzbehörde darauf hingewiesen worden, dass beim Abbruch historische Relikte zutage treten könnten, was dann unverzüglich zu melden sei - so geschehen durch den Bautrupp am Donnerstag.

Die Stadt beauftragte dann wiederum den mit der Region bestens vertrauten Archäologen Dr. Mathias Hensch mit der Begutachtung und ersten Einschätzung des beachtlichen Fundes. Bei Abbruch der alten Betonbrücken-Fundamente kamen die bis zu 2,80 Meter langen Pfähle ans Tageslicht. Sie waren in acht Reihen dicht nebeneinander eingerammt, was in der ursprünglichen Form auf einen Rost schließen lasse.

Ingenieurs-Leistung


Bemerkenswert war für den Wissenschaftler, dass die mit einem Beil angespitzten Hölzer vielleicht Anfang der 60er Jahre bei Arbeiten an der Vorgängerbrücke schon einmal mit der Motorsäge eingekürzt wurden. Hensch ordnete den Fund als Stämme aus Nadelholz - vermutlich Fichte - ein. Die Verarbeitung und das Ausmaß lasse auf eine Ingenieurs-Leistung schließen, was für einen vormals breiteren Erlbach und für die Bedeutung des historischen Bauwerks spreche.

"Wie der Name schon sagt, handelt es sich beim Bereich der hier anschließenden Alten Straße sicher um eine bedeutende Altwege-Kreuzung, die auf der Verbindung vom ostfränkischen Raum nach Böhmen lag", so Hensch, der dieser Trasse den Status einer heutigen Bundesstraße zuerkannte. Naheliegend sei, dass es sich um eine Passage der Goldenen Straße handelt. Der Experte ließ die Pfähle per Bagger herausziehen. Nach der ersten Augenscheinnahme nummerierte er sie und entnahm jeweils eine Holzprobe zur Altersbestimmung.
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