Beseitigung von Meister Bockerts Burg am Fuß des Schlackenbergs bleibt nicht unter der Decke
Bei Biber auf Granit gebissen

Unverdrossen und unbeeindruckt von dem, was aus seiner Sicht von Menschenhand zerstört worden ist, hat der Biber bereits wieder Ast um Ast herangeschleppt, um den breiten Graben durch das Biotop unterhalb des Schlackenbergs anzustauen. Damit wird offensichtlich, dass er seinen Plan, an dieser Stelle einen Bau zu errichten, nicht fallengelassen hat. Bild: Huber
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
25.04.2016
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Wenn Meister Bockert bauen will, dann baut er. Egal, ob das Werk des Bibers dem Menschen gefällt oder nicht. So auch in dem Biotop am südlichen Fuße des sanierten Schlackenbergs. Auch die wiederholte Zerstörung seiner Burg - eine davon beinahe wie von Amts wegen - hat den geschützten Nager weder ruhen noch abwandern lassen.

Es ist in der Tat ein schönes Fleckchen Erde, das sich die Natur zwischen der alten Straße nach Kropfersricht und der Europastraße zurückerobert hat. Fast wie geschaffen für einen Biber: Schilf, Bäume, ein kleiner Weiher, ein sich dahinschlängelnder Graben oder fast schon ein Bachlauf. Und dazu viel Ruhe, die allenfalls von dem einen oder anderen Fußgänger gestört wird, der sich auf den hier verlaufenden Wanderweg verirrt hat.

Für sämtliche Maßnahmen


So weit die Idylle. Wie sich in diesen Tagen herausgestellt hat, gibt es aber auch die andere Seite dieser Medaille. Jene nämlich, die die Interessen der Oberpfälzer Bezirksregierung berühren, die sich zwischen 2005 und 2013 um die Sanierung der ehemaligen Reststoffdeponie der Maxhütte gekümmert hat. Sie ist auch weiterhin für sämtliche Maßnahmen zuständig, die im Zusammenhang mit der Nachsorge rund um den Schlackenberg stehen.

Vermehrter Wassereintritt


Dazu gehört auch eine Ölabscheider- und Sickerwasseranlage, für deren Betrieb die Regierung ein Unternehmen beauftragt hat. Von dieser Seite stellte man etwa seit dem Jahreswechsel 2015/16 einen vermehrten Fremdwassereintritt an dem Ölabscheider unterhalb des Schlackenbergs fest. Verursacht, wie sich ergab, von einem Biber, der am Rande seines neuen Reviers einen Damm errichtet hatte, der das Wasser des hier fließenden Grabens so massiv aufstaute, dass es eben in den Ölabscheider eindrang.

Da zu befürchten war, dass auf diese Weise nun Öl ins angrenzende Biotop abfließen könnte, folgte eine fast schon geheime Operation. Aus dem Landratsamt, als der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde, jedenfalls hieß es dazu vor einigen Wochen: "Das Landratsamt war im Vorfeld über die Maßnahme nicht informiert."

Was geschehen war, schilderte Markus Roth vom Pressestab der Bezirksregierung auf Nachfrage unserer Zeitung: Im Auftrag der oben genannten Firma sei "der Damm von Mitarbeitern des Bauhofs der Stadt Sulzbach-Rosenberg entfernt" worden. Und weiter: "Dabei ging es vorrangig um die Gefahrenabwehr für den Ölabscheider und das Biotop, da zu befürchten war, dass Öl in das Gewässer beziehungsweise die Biotopfläche abfließen hätte können. Die Regierung war hierüber nicht informiert."

Lokaltermin am Biotop


Unbemerkt blieb die Räumung des Damms nicht. Ein Naturfreund war darauf aufmerksam geworden. Er schaltete das Landratsamt ein und erstattete Anzeige gegen Unbekannte bei der Polizei. Bald darauf gab es einen Lokaltermin am Biotop. Beteiligt daran waren Bedienstete des Landratsamts ebenso wie solche von der Regierung der Oberpfalz und des städtischen Bauhofs, der Anzeigeerstatter und der für Sulzbach-Rosenberg zuständige Biberberater Werner Baumann (Vilseck).

So belassen


Zu dem Treffen vor Ort schrieb Regierungssprecher Roth weiter: "Die Ortseinsicht hat gezeigt, dass man nicht sicher davon ausgehen konnte, dass der durch den Biber verursachte Anstau tatsächlich für den verstärkten Wasserzufluss, speziell in den Ölabscheider, schuld sei. Daher wurde vereinbart, dass die Situation beim Biotop so belassen werden kann und zunächst keine weitere Dämme entfernt werden, sollten weitere durch Biber errichtet werden. Die Regierung hat im Nachgang zur Ortseinsicht einen entsprechenden Auftrag erteilt, die technisch notwendigen Grundlagen/Vorgaben zum funktionierenden Anlagenbetrieb zu ermitteln." Als erster Schritt sei das Gelände nivelliert worden,

Wie es weitergehe, sei nun in Absprache mit dem Landratsamt Amberg-Sulzbach zu klären.

An der Beseitigung eines zweiten Biberbaus an dieser Stelle seien weder Bedienstete der Bezirksregierung, des städtischen Bauamts oder der dort beauftragten Firma beteiligt gewesen.

Hintergrund"Das ging aus wie das Hornberger Schießen", erinnerte sich Biberbeauftragter Werner Baumann (Vilseck) an die Zusammenkunft mit den Behörden, nachdem ein Naturfreund Anzeige wegen des Abrisses des Biberdamms erstattet hatte. Gleichwohl wusste er, wie schwierig es ist, mit der Biberproblematik für alle Seiten zufriedenstellend umzugehen: "Wir kriegen täglich Anrufe. Für uns ist es immer schwer, einen Mittelweg zu finden." Wenn etwas vorkomme, koste es halt meist Geld. Andererseits wolle der Biber stets zurück zur Natur. Zum konkreten Fall sagte er, dass nun ein neutraler Sachverständiger prüfen soll, ob der angestaute Wasserstand den Ölabscheider negativ beeinflussen könne. Unterdessen aber habe der Nager unterhalb des Schlackenbergs bereits eine neue Baustelle eröffnet. (ben)
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