Big Band der Berufschule und Weidener King Size Big Band begeistern bei einem Konzert der ...
Jazz-Hymnen und Rock-Rhythmen

Zum Abschluss ließ Bandleader Johannes Neuner es sich nicht nehmen, ein fetziges Saxofonsolo zu spielen. Bild: gac

Der "Vocal Jazz" der Big Band der Berufschule versprach einen musikalischen Abend der Extraklasse. Unterstützt wurden die Blechbläser, Gitarristen und Schlagzeuger von der Weidener King Size Big Band und dem "Tribute to Count Basie".

Mit zehn Blechbläsern und sechs Saxofonen, dazu Piano, E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug - gut besetzt und bestens aufgelegt - startete die Big Band der Musikfachschule mit "Show and Tell" die Triebwerke. Bei vielen Stücken stellten die Interpreten ihre Instrumente solistisch vor. Bandleader Johannes Neuner dirigierte gekonnt - als wolle er mit den Händen die Töne formen.

Klassische Big Band


Die Band bot satten Sound mit präzisen Rhythmen im klassischen Big-Band-Stil und schöne, bisweilen sogar grandiose Soloeinlagen wie in "Drummin' Man". Bei dem Jazz-Standard "Li'l Liza Jane" forderte Neuner die Zuhörer zum Mitklatschen und Mitsingen auf.

Mit dem Abba-Medley und "Beauty and the Beast" schienen die jungen Musiker ein wenig zu fremdeln, aber bei der wundervollen Adaption des Soul-Hits "Happy" von Pharrell Williams waren sie wieder ganz bei sich und brachten den Saal zum Kochen. Beim nächsten Lied "Feelin' Good" flog endgültig der Deckel vom Topf, obwohl es eigentlich ein eher gemächlicher Blues ist. Aber als die Sängerin Barbara Hofbauer, anfangs nur vom Klavier begleitet, mit tiefer Altstimme zu singen begann, glaubte man fast, eine viel jüngere Nina Simone zu hören. Hofbauer hatte schon vorher unter anderem "I've Got You Under My Skin" und "Zoot Sims" mit viel schwarzem Timbre intoniert und begeisterte alle Zuhörer.

Nachdem der Beifall nicht enden wollte, kündigte Neuner "What Do You Say" ("Wous host g'sogt") als Zugabe an, und jetzt griff er selbst zum Tenorsaxofon, um über den treibenden Beats der Band ein virtuoses Solo zu spielen.

Ungeheure Dynamik


Die King Size Big Band aus Weiden trat in recht ähnlicher Besetzung auf, ergänzt vor allem durch Percussion, aber schon beim ersten Stück "Count Bubba" war klar, dass hier ein ganz anderer Big-Band-Sound serviert wurde. Das war keine Musik zum Mitklatschen oder gar Mitsingen. Die Saxofone spielten eine synkopische Linie, die Posaunen übernahmen diese und gaben sie an die Trompeten weiter - und das alles solistisch ohne Rhythmusgruppe.

Dennoch wurde hier kein verkopfter Intellektuellen-Jazz zelebriert. Im Gegenteil: Die Musiker feierten den Klang der Großstadt mit drängenden Off-Beats, bisweilen schrillen Dissonanzen, ungeheurer Dynamik, aber auch ruhigen Passagen.

"Jede Big Band muss Count Basie spielen", sagte Bandleader Markus König, als er das Publikum begrüßte. So spannte das Programm einen Bogen über 50 Jahre vom frühen bis zum späten Count Basie mit Ausflügen zum deutschen Großmeister Peter Herbolzheimer ("Blues in Latin") und Gordon Goodwin's Big Phat Band.

Der Sound dieser modernen Big Band hat die Weidener erkennbar beeinflusst mit seinen Elementen von Blues, Rock und Latin. Wenn die Zuschauer das Gefühl hatten, jetzt könne man sich zurücklehnen, wie am Anfang von "Moten Swing", wo Pianist, Bassist und Schlagzeuger sich allein vergnügten, dann hatte der Rücken die Lehne noch nicht berührt, da ließ die Bläsersektion eine musikalische Granate detonieren, und schon saß der ganze Saal wieder da, wo die Band ihn haben wollte: auf der Vorderkante des Stuhls. So war im Nu eine Stunde verflogen.

Respekt vor Leistung


Schulleiter Benedikt Boßle wies in seinem Schlusswort darauf hin, dass die Big Band an der Schule nur ein Wahlfach ist und daher jedes Jahr in anderer Besetzung spiele. Umso höher sei der Respekt vor der großartigen Leistung der Schüler. Und er erwähnte, dass immerhin sechs Musiker der King Size Big Band die Berufsfachschule absolviert haben.
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