Bleibt die 50-Liter-Tonne auf der Strecke?
Wenig Müll, mehr Gebühr

Unscheinbar steht sie zwischen den großen Kübeln, die kleine 50-Liter-Tonne. Hat ihre letzte Stunde bald geschlagen oder dürfen Klein-Anlieferer sie weiter nutzen? Bilder: Gebhardt (2)
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
12.06.2016
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Karl-Heinz Neidl hat schon mal vorsorglich einen fahrbaren Untersatz besorgt für die kleine Tonne.

Muss man für abgeholte Luft Müllgebühren zahlen? Ein SRZ-Leser befürchtet das. Grund: Der Landkreis will alte 50-Liter-Tonnen abschaffen und durch ein 60-Liter-Gefäß mit Rädern ersetzen. Was aber ist mit denen, die nicht mal die kleine voll bekommen. Wird Müllvermeidung bestraft?

Karl-Heinz Neidl ist mehr als verwundert, als er der SRZ die Sachlage erklärt: Er habe, wie einige andere Bürger auch, an seiner 50-Liter-Restmülltonne ohne Räder ein Schreiben des Landratsamtes, genauer gesagt vom Amt für Abfallwirtschaft, gefunden. Darin stand zu lesen, dass "Ihre alte 50-Liter-Restmülltonne nicht mehr der EU-Norm entspricht", speziell wegen Griffhöhe und Breite. Sie solle auf eine Tonne mit Rädern umgerüstet werden. Eine Gebrauchte sei für zwölf Euro zu haben.

Luft kostet Geld


"Ein weiteres Argument war, dass die Müllwerker es nicht mehr so schwer haben", erinnert er sich. Das sei alles mehr als verständlich, "jedoch nicht, dass man plötzlich auf eine Tonne mit 60 Liter Inhalt wechseln muss und natürlich dann auch die um etwa 18 Prozent höhere Müllgebühr zahlen muss!"

Neidl ist damit nicht einverstanden: "Das ist doch das absolut falsche Signal, das uns das Landratsamt da sendet." Statt Müllvermeider zu belohnen, die mit Kompostieren und Ausnutzung der gut ausgestatteten Wertstoffhöfe ihre 50er-Tonne schon lange nicht mehr voll bekämen, würden sie dazu verdonnert, quasi für abgeholte Luft Geld zu bezahlen. "Das ist doch wieder ein typisches Beispiel, dass über Umweltschutz geredet und wenig dafür getan wird."

Neidl ist bereits aktiv geworden und hat das Problem bei der Siedlergemeinschaft Feuerhof angesprochen. Diese stehen dem Anliegen aufgeschlossen gegenüber. "Ich möchte daher alle SRZ-Leser, besonders Bürgermeister, Stadträte, Kreisräte und den von mir sehr geschätzten Landrat Reisinger auffordern, nachzudenken, ob diese Anordnung wirklich sinnvoll ist." Im Stadtgebiet und dem Landkreis Regensburg, so hat Neidl recherchiert, hätten sich viele Bürger erfolgreich gegen die 60-Liter-Tonne gewehrt, so dass es dort jetzt eine 50er-Tonne auf Rädern für etwa 50 Euro zu kaufen gibt - "die offensichtlich der EU-Norm entspricht".

Regensburg empfiehlt


Auf der Homepage des Landkreises Regensburg steht klar: "Unser Tipp: Auch 50-Liter-Tonnen gibt es mit Rädern!", das dortige Entsorgungsunternehmen bietet sie für 49 Euro an. Das müsste doch auch bei uns möglich sein, meint Neidl und appelliert an den Landkreis, mit dem Unternehmen Kontakt aufzunehmen, um sie auch hier anbieten zu können.

Selbst ohne Rabatte bei Großabnahme habe sich die Tonne in fünf Jahren amortisiert, da man ja zehn Euro mehr Gebühren für die nächstgrößere sparen würden. Natürlich wolle er die 60er-Tonne nicht abschaffen - "wer sie braucht, der soll sie selbstverständlich nutzen". Neidl will eben nur, dass eine Wahlmöglichkeit nach unten bleibt.

Die Umstellung soll erst bis etwa Oktober erfolgen. Neidls Anregung geht an alle Leser: "Wenden Sie sich bitte an Politiker, Siedler-, Miet- oder Hausbesitzervereine und helfen Sie so mit, die 50-Liter-Tonne in Fahrt zu bringen - der Umwelt und Ihrem Geldbeutel zuliebe!"

Das ist doch das absolut falsche Signal, das uns das Landratsamt da sendet.Karl-Heinz Neidel
1 Kommentar
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Andreas Schmid aus Sulzbach-Rosenberg | 13.06.2016 | 16:27  
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